Graue Wolken über Roten Riesen
Vom FC Bayern berichtet Michael Spandern
München - Statt wie Uli Hoeneß zur Titeljagd zu blasen, ist den Basketballern des FC Bayern bereits nach dem zweiten Heimspiel das "Mia san Mia" abhanden gekommen.
Die Festung Audi Dome, in der Hauptrunde 2011/12 nur einmal gefallen, hat ihren Schrecken am Mittwoch wohl endgültig verloren.
Nach der Auftakt-Blamage gegen Oldenburg zogen die Münchner gegen die Artland Dragons zwar erst in letzter Sekunde den Kürzeren ( Bericht), dafür aber gegen den Tabellenvorletzten, der seit dem Viertelfinal-Sieg gegen die Bayern personell eher abrüsten musste.
Und dem 85:87 vor nur 4419 Zuschauern folgten ungewohnt demütige Worte: "Das zweite Jahr ist immer schwieriger", mahnte Demond Greene den letztjährigen Aufsteiger.
"Ich habe schon in vielen Mannschaften gespielt, bei denen es im ersten Jahr besser lief."
Einkaufstour macht nicht froh
Von Glanz und Gloria ist das Team von Yannis Christopoulos derzeit weiter weg als das Hasenbergl vom Bamberger Domplatz.
Dabei wurde eingekauft, dass der Konkurrenz schwindelig wurde. Doch ausgerechnet der Teuerste unter den Neuen entwickelt sich zum Sorgenfall (DIASHOW: Der SPORT1-Favoritencheck).
Yotam Halperin, der in den ersten beiden Saisonspielen nur drei beziehungsweise acht Zähler ablieferte, kam auch gegen die Quakenbrücker nicht über acht hinaus. Auch, weil er beim letzten Angriff des FCB den Ball bereits bei der Andeutung einer Doppeldeckung weiterpasste.
Weckruf für Halperin
"Er ist in einer Findungsphase und überlegt, wie er der Mannschaft helfen kann", erklärte Sportdirektor Marko Pesic SPORT1.
"Dadurch ist er, und darüber haben wir auch gesprochen, zu passiv."
Er nimmt den Kapitän des israelischen Nationalteams in die Pflicht: "Er muss viel, viel aggressiver sein."
Die Selbstfindungsphase des 28-Jährigen kommt auch deshalb ungelegen, da er zum Leader auserkoren ist.
"Wir haben Spieler, zu denen der Ball gehen soll: Jared Homan unter dem Korb, Aufbauspieler Tyrese Rice oder auf dem Flügel Yotam, der vielseitig ist", erläuterte Greene.
"Fehler, die nicht passieren dürfen"
Rice, mit 16 Punkten erfolgreichster Münchner, zog denn auch entschlossen zum Brett, seinen knapp verfehlten Korbleger stopfte Lawrence Roberts zwei Sekunden vor Schluss durch die Reuse.
Doch den Dragons reichte die verbliebene Zeit, um Bryce Taylor anzuspielen, der den halbwegs offenen Wurf zum Sieg verwandelte. "Wenn man so knapp gewinnt, muss man Mitgefühl mit dem Gegner haben", kondolierte Artland-Coach Stefan Koch ( DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
"Wir haben Fehler gemacht, die nicht passieren dürfen", stellte Pesic dagegen schonungslos fest. Zwar rühmte er den Kampfgeist, "aber in der Leistung gibt es zu viele Auf und Abs".
Fleißige und sehr Fleißige
Sind daran womöglich die von Hoeneß gerügten körperlichen Rückstände schuld? "Wir sind weit davon entfernt, das abzurufen, wozu wir imstande sind", antwortete der Sportdirektor SPORT1. "Wir hatten in den letzten zehn Tagen nicht die Zeit, das aufzuarbeiten."
Greene dagegen nerven die Nachfragen zur Fitness zusehends: "Muss das jetzt jedes Mal, wenn wir verlieren, Thema sein? Das ist für mich einfach Quatsch."
Er habe sich über Hoeneß' Vorwürfe auch nicht geärgert. Der Präsident dürfe so etwas sagen. Und zudem arbeite im Team tatsächlich nicht jeder mit dem gleichen Pensum: "Es gibt Spieler, die sind sehr fleißig, und es gibt Spieler, die sind fleißig."
Benzing ohne Wurfglück
Eher in die letzte Kategorie hatte der geschasste Trainer Bauermann Robin Benzing einsortiert, als er nach der EM 2011 den deutschen Talenten ins Gewissen redete.
Doch der Small Forward kann sein Potenzial auch 2012 nicht konstant ausschöpfen, traf gegen Artland nur einen seiner sieben Würfe. "Benzing muss besser spielen", forderte Pesic. "Er versucht alles, aber momentan läuft es nicht."
Das Bemühen ist da, und Greene ist sicher: "Wenn wir weiter so hart arbeiten, wird das auch belohnt!"
Playoffs erst mal tabu
Am besten schnell, denn Pesic fordert für das Gastspiel beim Mitteldeutschen BC am Montag einen Pflichtsieg.
Schließlich liegen die Bayern im Rennen um den Heimvorteil für die erste K.o.-Runde, das sie im Vorjahr knapp verloren, im Soll. Doch davon will Pesic gar nichts hören: "In dieser Situation sollte man nicht über die Playoffs sprechen."