"Die Bayern brauchen noch Zeit"
Hallo Basketball-Freunde,
die Bayern haben am Wochenende den ersten Heimsieg gegen Ludwigsburg eingefahren und mit zwei Siegen am Stück den Negativtrend gestoppt. Dennoch ist es so, dass sich das Talent der Bayern noch nicht in den Leistungen widerspiegelt.
Es war natürlich auch eine sehr turbulente Zeit zuletzt. Erst der Trainerwechsel kurz vor Saisonstart, und dann die teils sehr kontroversen Aussagen in der Presse. Das bringt Unruhe in eine Mannschaft.
Für Coach Yannis Christopoulos ist es auch nicht einfach. Er musste als Assistenztrainer die Führung übernehmen, obwohl er den Kader nur begleitend zusammengestellt hatte. Daher brauchen die Bayern noch Zeit, um sich einzuspielen.
Auch die Charakterfrage war ja in München zuletzt ein Thema. Im Fußball sagt man "Geld schießt keine Tore". Das kann man auch auf den Basketball ummünzen. Die Vergangenheit hat auf jeden Fall gezeigt, dass Mannschaften, die charakterlich gut zusammenpassen, auch am Ende ein paar Prozent mehr auf das Feld bringen.
Es ist vorab schwer einzuschätzen, wer zu wem passt. Das ist manchmal nur eine Frage von Kleinigkeiten und auch von Persönlichkeiten. Insofern wird die Zeit zeigen, ob es bei den Bayern passt. Ich denke aber, dass sie noch stärker werden.
Dass München ein heißes Pflaster ist, ist bekannt. Da geht der Erfolg über alles und wenn der nicht da ist, kann alles passieren. Das musste auch Herr Bauermann sehen.
Besser läuft es da für mein Ex-Team ALBA Berlin. Sie haben bisher in der Euroleague und in der BBL eine ansprechende Leistung gezeigt, haben aber auch mit Verletzungspech zu kämpfen. Nathan Peavy fällt mit einem Kreuzbandriss lange aus, und auch Yassin Idbihi hat sich im Spiel gegen Chalon verletzt.
Das schwächt ein Team natürlich, vor allem bei dem straffen Spielplan. Das zerrt beim restlichen Kader doppelt an den Kräften.
Am Wochenende gab es daher vielleicht auch die erste Saison-Niederlage gegen Vize-Meister ratiopharm Ulm. Trainer Thorsten Leibenath hat wieder eine gute Mannschaft zusammengestellt. Mit Per Günther und John Bryant ist zudem die tragende Achse zusammengeblieben.
Die Abgänge wurden gut kompensiert und durch starke neue Spieler ersetzt. Der Vize-Titel war sicher keine Eintagsfliege.
Kommen wir zum Abschluss zum neuen Tabellenführer aus Oldenburg. Das neu zusammengestellte Team hat sich schnell gefunden. Da hat bei den EWE Baskets das Casting vor der Saison sehr gut funktioniert. Spielmacher Dru Joyce ist zwar nicht der Punktegarant wie Bobby Brown, aber sehr wichtig für die Mannschaft.
Sie spielen mit einer hohen Intensität und zeigen dabei auch eine Menge Spielspaß. Man sieht, dass es ihnen Freude macht und das spiegelt sich auch in den Leistungen wider.
Wenn alle gesund bleiben, hat Oldenburg auf jeden Fall das Potenzial am Ende oben mitzuspielen. Was dann am Ende dabei rauskommt, wird man sehen. Die Beko BBL ist in diesem Jahr auf jeden Fall sehr spannend.
Meister Bamberg steckt aktuell noch in der Findungsphase. ALBA kämpft mit der Doppelbelastung und den Verletzungen. Ulm wird wieder gut sein, und die Bayern werden sich auch fangen.
Oldenburg zeigt momentan, dass sie intakt sind und schon sehr früh eine gute Form haben. Die müssen sie aber auch über die Saison konservieren.
Bis bald,
Euer
Patrick Femerling
Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.