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Svetislav Pesic (r.) hatte nach der EM 2011 Dirk Bauermann als Bundestrainer beerbt © imago

Nach Homans erneuter Disziplinlosigkeit ersetzt Ex-Bundestrainer Svetislav Pesic Coach Christopoulos. Der will nicht bleiben.

München - Uli Hoeneß setzt auch bei den Basketballern von Bayern München auf die große Lösung: Der Klubboss hat keinen Geringeren als Svetislav Pesic für sein ambitioniertes Projekt verpflichtet und dem Deutschen Basketball Bund (DBB) damit gleichzeitig den Bundestrainer weggeschnappt.

Der 63-Jährige löst Yannis Christopoulos ab und erhält zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende.

"Es ist wichtig, dass wir einen sehr erfahrenen Trainer haben. Herr Pesic kennt große Teile der Mannschaft. Er hat eine klare Vorstellung davon, was er zu tun hat", sagte Hoeneß.

Die Einigung mit dem Serben ist bei den Bayern nach dem Rauswurf von Dirk Bauermann bereits der zweite Paukenschlag in diesem Jahr. Und auch der erneute Wechsel an der Seitenlinie kam überraschend.

Erstes Ziel ist das Pokal-Viertelfinale

Am Montag hatte Hoeneß Kontakt mit Pesic aufgenommen, am Dienstag wurde der Hoffnungsträger präsentiert. "Ich freue mich, dass ich Teil eines der größten Klubs der Welt bin", sagte Pesic bei seiner Vorstellung.

Pesic hat erst einmal "kurzfristige Ziele" wie Platz 7 nach der Hinrunde, der die Bayern anders als vorige Saison ins Pokal-Viertelfinale hieven würde. Er denkt aber auch an den Titel: "Ich kann versprechen, dass wir um die Meisterschaft mitspielen können. Ob wir gewinnen, weiß ich nicht. Wir haben das Potenzial."

Hoeneß wollte sich die Entwicklung der Mannschaft "eigentlich bis Weihnachten anschauen". Doch das blamable 73:78 gegen die Phantoms Braunschweig, den Tabellen-16. der Beko BBL, am Wochenende hatte beim Präsidenten zum Umdenken geführt.

"Wir haben mit 10:10 Punkten eine Situation, die absolut nicht befriedigend ist", sagte Hoeneß: "Wir haben uns am Sonntag und Montag viele Gedanken gemacht."

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Gerüchte hartnäckig dementiert

Erst wurde über und dann mit Pesic gesprochen, beide Parteien wurden sich schnell einig. Zum ersten Mal wird Pesic ausgerechnet bei ALBA Berlin am Sonntag (ab 17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) auf der Bayern-Bank Platz nehmen.

Mit den "Albatrossen" wurde er in seiner erfolgreichen Karriere von 1997 bis 2000 viermal in Serie deutscher Meister, in der Hauptstadt hat Pesic zudem bis heute eine Wohnung.

Schon lange hatte es Gerüchte über ein Engagement in München gegeben, erstmals vor zwei Monaten nach der Trennung von Bauermann. Doch Hoeneß und auch Pesics Sohn Marko, der bei dem ambitionierten Klub seit rund eineinhalb Jahren Sportdirektor ist, hatten hartnäckig dementiert, dass es derartige Pläne gebe.

Drei Jahre lang Trainer von Pesic junior

Jetzt kommt es doch zur Familienzusammenführung. Und Marko Pesic ist von der Lösung überzeugt. "Er war in seiner Karriere schon in einer solchen Situation mit einem großen Verein", sagte der 35-Jährige.

Er kennt die Qualitäten des Neuen ganz genau - auch als Coach. Drei Jahre lang trainierte der Junior als ALBA-Spieler unter dem Vater.

Mit der Verpflichtung von Pesic ziehen die Bayern erneut die Notbremse. Bauermann hatte wenige Tage vor dem Saisonbeginn das Aus ereilt, weil die Verantwortlichen mit dem Fitnesszustand der Spieler und der Disziplin abseits des Parketts unzufrieden waren.

Christopoulos zurück nach Patras

Bauermann wurde durch seinen Assistenten Christopoulos ersetzt. Doch auch unter dem Griechen blieb die Mannschaft hinter den Erwartungen zurück. Mit fünf Siegen und fünf Niederlagen sind die Bayern nur Neunter.

Gegen Braunschweig setzte es die dritte Heimpleite der Saison.

Dennoch wollten die Münchner Christopoulos nicht entlassen, sondern als Assistant Coach behalten, weil Hoeneß ihn als "sauber, geradlinig, fleißig" schätzt. Doch der Grieche "wollte nach Hause zu seiner Familie" nach Patras, äußerte der Präsident sein Bedauern.

DBB sucht "neuen Mann auf der Kommandobrücke"

Jetzt soll Pesic dafür sorgen, dass der stark besetzte Kader endlich seine Möglichkeiten ausschöpft. "Mit meiner Erfahrung, meiner Motivation und meinem Engagement kann ich den Spielern helfen, dass sie so schnell wie möglich ihr Potenzial zeigen", so Pesic.

Der DBB konnte Pesic nach Auslaufen des Vertrages nicht halten und will schnell handeln. "Der Deutsche Basketball Bund ist gut vorbereitet auf die neue Situation und wird nun weiter intensiv am Thema Bundestrainer arbeiten, um den neuen Mann auf der Kommandobrücke bald präsentieren zu können", teilte Präsident Ingo Weiss mit.

Nach der erfolgreichen Qualifikation für die EM in Slowenien (4. bis 22. September 2013) hatte Weiss gehofft, mit Pesic noch im Herbst zu verlängern. Doch es kam anders.

Pesic will kein Verwalter sein

Pesic, der bereits von 1987 bis 1993 Bundestrainer gewesen und erst im Frühjahr als Bauermann-Nachfolger auf seinen Posten zurückgekehrt war, geht zum zweiten Mal.

"Mein Gefühl hat mir gesagt, dass ich noch eine Zeit als Vereinstrainer vor mir habe. Ich habe im Moment nur eine Kraft", sagte Pesic. Die Stellung als Bundestrainer, dem seine Spieler nur im Sommer zur Verfügung stehen, ist im Moment nicht das Richtige. "Ich will weiter Trainer sein und nicht irgendein Verwalter."

Bei den Bayern verwaltet er allerdings einen Kader, der wiederholt Disziplinprobleme hatte. Zuletzt wurde Center Jared Homan - bereits zweimal bei nächtlichen Eskapaden aufgefallen - fürs Braunschweig-Spiel suspendiert.

Dennoch will Pesic den Amerikaner nicht aussortieren: "Jeder soll die Chance bekommen, um seine Position zu kämpfen", meinte er. Mit Hoeneß habe er noch nicht über Neuverpflichtungen gesprochen. "Dazu ist jetzt nicht die Zeit."

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