SPORT1-Experte Patrick Femerling sieht auf Pesic nach der ALBA-Pleite viel Arbeit zukommen. Berlin und Bamberg beeindrucken ihn.

Hallo Basketball-Freunde,

Bayerns erstes Spiel unter Svetislav Pesic ging in Berlin also verloren. Ärgerlich, keine Frage, aber Pesic ist echt lange im Geschäft und hat schon viele Spiele gecoacht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihm klar war, dass Bayern keine leichte Aufgabe wird.

ALBA hatte eine komplette Vorbereitung, ist viel eingespielter und war gegen Bayern sehr motiviert. Pesic hatte mit Bayern nicht mal eine Woche, da ist es eigentlich unmöglich Wunder zu vollbringen. Die Einstellung hat schon gestimmt, aber an der Ausführung muss noch gearbeitet werden.

Wo sich die Bayern schleunigst zusammenreißen müssen, ist das Rebounding. Das war ganz schwach in Hälfte eins. Gerade zu Beginn hatte Berlin viele zweite Versuche unter dem Münchner Korb, und das tut einer Mannschaft natürlich sehr weh. Gut verteidigt, den schlechten Wurf forciert und dann bekommt der Gegner nochmal den Ball - das zermürbt.

Aber, und das gibt mir bei den Bayern Hoffnung: Pesic hat schon Teams in aussichtsloseren Situationen zum Erfolg geführt. Das bedeutet sehr intensive Arbeit im Training, und die Spieler müssen sich darauf einlassen.

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Hier ist natürlich auch die Eigenmotivation der Spieler extrem wichtig. Schließlich ist das kein Freizeitsport, wo sich die Jungs einmal die Woche zum Zocken treffen, sondern Profisport auf hohem Niveau.

Mein Ex-Klub ALBA gefällt mir diese Saison richtig gut. Die Linie mit einer aggressiven Verteidigung ist zu erkennen, und auch wenn es durch den Euroleague-Rhythmus mal zu Leistungsschwankungen kommt, ist das alles sehr solider Basketball. Gerade Yassin Idbihi und Deon Thompson treffen oft gute Entscheidungen unter dem Korb.

Was Berlin noch in den Griff bekommen muss, sind diese kleinen geistigen Auszeiten, gerade wenn ALBA komfortabel in Führung liegt. Klappt das wie gegen Bayern, dann sind sie ein Kandidat für ganz oben in der Tabelle.

Mein klarer Favorit ist und bleibt aber Bamberg. Selbst nach dem großen Umbruch, den sie ja ohne Zweifel durchgemacht haben. In Ulm Anfang des dritten Viertels mit 18 Punkten hinten, haben sie erneut ihre großartige Siegermentalität bewiesen. Diese mentale Stärke ist schon ein großes Plus für die Franken.

Zwar zogen die Ulmer in der Verlängerung wieder den Kürzeren, ich denke aber nicht, dass die Overtime-Pleiten zum Trauma werden. Ulm hat lange auf Augenhöhe mit Bamberg agiert.

Schwer beeindruckt war ich von der Leistung Anton Gavels. Er ist ein Spieler, der das Bamberger Team besser macht und das schon seit Jahren. Und das eben nicht nur in der Offensive mit 30 Punkten wie gegen Ulm, sondern auch in der Verteidigung. Er bekommt immer die Spezialaufgaben, agiert mit einer großen physischen Präsenz.

Wenn es für Bamberg drauf ankommt, dann springt er in die Bresche und ist damit für mich auf jeden Fall ein MVP-Kandidat in dieser Saison.

Bis bald,

EuerPatrick Femerling

Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.

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