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Wood liefert pro Partie 8,6 Punkte und 1,9 Assists weniger ab als in seiner Frankfurter Zeit © imago

Coach Obradovic rüttelt die Berliner wach. Der Ex-MVP ist Buhmann des Absturzes, aber bei der Aufarbeitung kommt keiner gut weg.

Von Michael Spandern

München - Von wegen guter Rutsch: Mit einer Videoanalyse der Blamage in Bayreuth schickte Trainer Sasa Obradovic die "Albatrosse" ins neue Jahr.

Ausgerechnet beim zuvor sechsmal in Folge sieglosen BBC kassierte ALBA Berlin mit 65:90 die höchste Saisonpleite und fiel in der Beko BBL auf Platz 4 zurück. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Die Euroleague-Schlappe gegen Real Madrid eingerechnet war es die vierte Niederlage der Hauptstädter nacheinander, und vor dem Gastspiel des Europa-Krösus ZSKA Moskau (Fr., ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) deutet wenig auf ein Ende der Serie hin.

Zumal Obradovic die Königsklasse zur Nebensache erklärt: "Die Liga ist unsere Priorität", betonte der Serbe, der im Sommer geholt worden war, um die dreijährige Durststrecke ohne Titel zu beenden.

Wood im Zentrum der Kritik

Doch von Titeln redet momentan keiner. "Wir müssen uns auf die Dinge besinnen, die uns schon stark gemacht haben. Vor allem eine starke Defense", forderte Obradovic.

Angesprochen war dabei nicht zuletzt DaShaun Wood. Obwohl der MVP von 2010 in Bayreuth keinen einzigen Zähler erzielte und seit mehr als drei Wochen nicht mehr zweistellig punktete, müsse er vor allem in der Verteidigung wieder zulegen, sagt Obradovic. (STENOGRAMME: Der 16. Spieltag).

Der "Tagesspiegel" urteilte gar, dass der flinke Spielmacher zuletzt "jeder Verantwortung aus dem Weg ging".

Foster doch kein Mann für den Spielaufbau?

Dennoch ist Wood unverzichtbar, genau wie der jüngst ebenfalls schwächelnde Heiko Schaffartzik - schließlich fällt der in der Starting Five gesetzte Regisseur Vule Avdalovic mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison aus.

"Sie müssen das Spiel organisieren. Wer, wenn nicht sie?", fragt der Trainer - und vergisst dabei wohl, dass ALBA Mitte Dezember den Ex-Bayern Je'kel Foster als Verstärkung für beide Guard-Positionen nachverpflichtet hatte.

[kaltura id="0_sshp4syv" class="full_size" title="ALBA blamiert sich in Bayreuth"]

Doch ausschließlich auf die Kleinen einschießen wollte sich Obradovic ohnehin nicht: "Kein Spieler kommt in dieser Situation gut weg."

Baldi warnt vor Schiffbruch

Das Verletzungspech - auch Power Forward Nathan Peavy ist ja langfristig außer Gefecht - lässt er nicht als Ausrede gelten: "Es gibt verschiedene Probleme. Doch wir müssen aufhören, Entschuldigungen zu finden."

Und das Gerede von der Doppelbelastung, die sich durchs Weiterkommen in der Euroleague um 14 Spiele verlängert, kann auch Marco Baldi nicht mehr hören: "Wenn wir jetzt anfangen, uns mit Müdigkeit und den Ausfällen zu beschäftigen, werden wir Schiffbruch erleiden", warnt der ALBA-Manager in der "Berliner Morgenpost".

Vom Pfad der Folgsamkeit abgekommen

Bei der acht Spiele währenden Erfolgsserie im Herbst hätten die "Albatrosse" die Marschroute intensiv und konsequent befolgt, nun seien sie "von diesem Pfad abgekommen".

Und mit halber Kraft gehe es nicht, nicht gegen Bayreuth und erst recht nicht gegen Moskau. "Die Mannschaft kann kein Spiel verwalten, gegen niemanden", schimpfte der Boss.

"Es gibt nur einen Weg: arbeiten, an die Grenzen gehen, auch im Training", forderte Baldi. Dann könne ALBA schon sehr bald wieder ein bärenstarkes Team sein.