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Bayern-Reservist Lawrence Roberts (r.) kam auf sieben Punkte und fünf Rebounds © getty

Die Münchner mausern sich mit dem Sieg zum Herausforderer des Meisters. Bayer Troutman dominiert, die Franken enttäuschen schwer.

Vom FC Bayern berichtet Eric Böhm

München - Steht eine Wachablösung im deutschen Basketball bevor?

Der FC Bayern München gewann das Topspiel der Beko BBL gegen Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg souverän mit 85:71 (41:25) und konnte in der Tabelle Rang zwei festigen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im ausverkauften Audi Dome war Bayerns Power Forward Chevon Troutman (19 Punkte, 10 Rebounds) gegen den Spitzenreiter der überragende Akteur auf dem Parkett.

Das Team von Trainerfuchs Svetislav Pesic mausert sich in dieser Form immer mehr zum ernsthaften Anwärter auf die Meisterschaft.

Nachbar geht angeschlagen ins Spiel

Die Bamberger hatten zwar ihren von einer Magen-Darm-Grippe geschwächten Topscorer Bostjan Nachbar wieder im Aufgebot, der Slowene kam aber nur von der Bank.

Den besseren Start erwischten die Bayern, die überraschend mit Demond Greene im Backcourt neben Steffen Hamann, jedoch ohne Nationalspieler Robin Benzing, begannen.

Hochklassig war die Partie des 25. Spieltages aber zunächst keineswegs. Sinnbildlich dafür stand der zuletzt scharf kritisierte Center Maik Zirbes, der aufseiten der Gäste zwei leichte Korbleger und zwei Freiwürfe ausließ.

Zerfahrene Anfangsphase

Beide Teams schienen angesichts der ungewöhnlichen frühen Tipoff-Zeit noch nicht ausgeschlafen. Krasse Ballverluste, Fehlwürfe und Fouls bestimmten die ersten Minuten.

Dank Benzings Dreier und einem Buzzer-Beater durch Power Forward Lawrence Roberts gingen die Münchner mit einer 24:16-Führung ins zweite Viertel.

Der Meister aus Franken präsentierte sich auch in der Folge ähnlich unbeholfen, wie das lautstarke Publikum bei seinen Versuchen den "Harlem Shake" zu zelebrieren.

Verhaltenes Renfroe-Debüt

Auch Neuzugang Alex Renfroe (kam von Valladolid) konnte keine Ruhe in den Spielaufbau bringen. Ein Fortschritt im Vergleich zu der überraschenden Heimpleite im Pokal gegen den FCB war nicht zu erkennen.

Im Gegenteil: Bis zur Pause geriet die Mannschaft von Coach Chris Fleming sogar noch deutlicher ins Hintertreffen. Ohne Plan oder Rhythmus im Angriff stand ein deftiges 25:41 zu Buche.

Vor allem in der Zone hatten die Bayern große Vorteile (Punkteverhältnis nach drei Vierteln: 42:18). Troutman und Jared Homan dominierten die indisponierten Zirbes, Philipp Neumann, Sharrod Ford oder Jeremiah Massey.

Troutman kontert Aufholjagd

Angeführt von Matt Walsh und dem einst aus München geflüchteten Ford (17 Zähler) begannen die Brose Baskets nach der Pause zwar deutlich aggressiver, aber Troutman hatte immer die richtige Antwort parat (STENOGRAMME: Der 25. Spieltag).

Vor allem mit seiner Defensive konnte Geburtstagskind Fleming nicht zufrieden sein. Die Guards Hamann und Tyrese Rice (17 Punkte) fanden immer wieder Lücken, um Mitspieler einzusetzen oder selbst abzuschließen.

Fränkischer "Go-to-Guy" fehlt

Vorn fehlte ohne den nur selten eingesetzten Nachbar der "Go-to-Guy". Diese Kombination bestrafte Pesics gut eingestelltes Ensemble.

Auch die bittere Last-Second-Niederlage aus der Euroleague gegen Real Madrid steckte den Gästen wohl noch in den Knochen.

Den großen Rebound-Nachteil der Bamberger konnten auch der ordentliche Renfroe (11 Punkte) und Anton Gavel (11) nicht kompensieren.

Zirbes bleibt wirkungslos

Immer wieder kam der FCB an den Brettern zu zweiten Chancen. Bei Zirbes hatte die Kritik von Manager Wolfgang Heyder und den eigenen Fans Spuren hinterlassen - ihm gelang in den wenigen Minuten fast nichts.

Kampfgeist bewies der dreimalige Double-Gewinner aber im Schlussabschnitt. Walsh hielt den Rückstand aus der Distanz in einem erträglichen Rahmen.

Nationalspieler Karsten Tadda verkürzte knapp sechs Minuten vor Schluss sogar auf 66:75. Näher kamen die Gäste danach aber nicht mehr.

Spannung kam in der Schlussphase nicht mehr auf. Bamberg ergab sich in sein Schicksal und routinierte Bayern brachten den neunten Heimsieg in Folge ungefährdet über die Zeit.