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Steffen Hamann gewann 2005 und 2007 mit Bamberg den Meistertitel © imago

München besteht beim Sieg über Bamberg den Charaktertest und schielen wie der Meister auf ein Traumfinale. Hamann stärkt Zirbes.

Vom FC Bayern berichtet Eric Böhm

München - Zwar war es noch keine meisterhafte Vorstellung, aber der FC Bayern München hat dem Rest der Beko BBL eine Botschaft geschickt.

Im Topspiel beherrschten die Mannen von Cheftrainer Svetislav Pesic Serienmeister Brose Baskets Bamberg sogar klarer, als es das Ergebnis von 85:71 (Bericht) aussagt.

Den Spitzenplatz nach der regulären Saison können sie den in der Neufindungsphase befindlichen Bambergern zwar nicht mehr streitig machen, aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Eine Pleite als Test

"Wir sind auf einem guten Weg. Für uns war es nach der Niederlage in Bremerhaven ein Test. Wären wir dort besser aufgetreten, könnten wir das T von Topmannschaft schon nehmen", sagte Kapitän Steffen Hamann (8 Zähler).

Den nach dem Pokal-Coup zweiten klaren Sieg gegen seine alte Liebe wollte der Point Guard aber nicht überbewerten.

Dennoch scheint der FCB mittlerweile reif genug zu sein, um eine ernsthafte Rolle bei der Titelvergabe zu spielen.

Starke Serie daheim

Vor heimischer Kulisse gelang der neunte Erfolg hintereinander, selbst ein Ausrutscher wie bei den Eisbären wirkt sich nicht mehr auf die folgenden Partien aus.

"Wir haben jetzt eine stabile Teamchemie. Wir lassen uns nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen", bestätigte Hamann.

Die Balance stimmt in vielerlei Hinsicht. Gegen Bamberg gab es nahezu keine von den vor nicht allzu langer Zeit noch typischen Schwächephasen.

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FCB dominiert

Von Beginn an beherrschten die Münchner das Geschehen. Dabei finden Hamann und Tyrese Rice (17 Punkte, 6 Assists) eine gute Mischung aus Anspielen in die Zone und auf den Flügel.

"Das ist unsere Stärke, aber nicht auf Teufel komm raus. Ich versuche, meine Chancen unter dem Korb zu nutzen. Wenn es nicht klappt, haben wir auch andere Waffen", sagte Matchwinner Chevon Troutman auf SPORT1-Nachfrage.

Der Power Forward war dank seines Double-Doubles (19 Zähler, 10 Rebounds) der entscheidende Faktor - das Punktverhältnis aus der Nahdistanz (48:24) spricht für sich.

Roberts ist zur Stelle

Für den schwachen Jared Homan (4 Punkte, 0 von vier von der Freiwurflinie) sprang diesmal Lawrence Roberts wirkungsvoll in die Bresche.

Zudem wird auch die Defensive immer stärker. "Wir waren am Brett sehr aggressiv. Das war sehr wichtig. Unsere Defense ist der Schlüssel. Darauf baut bei uns alles auf", lobte Pesic.

Der zweite Rang in der Tabelle ist aber nicht das primäre Ziel. "Wir wollen unter den Top vier bleiben und uns weiter verbessern. In den Playoffs ist dann alles möglich", erklärte Troutman.(STENOGRAMME: Der 25. Spieltag)

Renfroe lässt Klasse aufblitzen

Die Bamberger müssen dagegen innerhalb weniger Wochen ihre Rotation wieder neu finden. Immerhin spielen nun in Matt Walsh, Jeremiah Massey und Alex Renfroe drei Spieler tragende Rollen, die zu Saisonbeginn noch gar nicht da waren.

Vor allem Spielmacher Renfroe deutete beim Debüt seine Klasse trotz fehlender Abstimmung an.

"Er bringt uns ganz neue Qualitäten, aber wir müssen ihn natürlich erst einmal ins Team integrieren", sagte Bambergs Coach Chris Fleming.

Zu schwach am Brett

Den Grund für die Niederlage hatte Fleming schnell ausgemacht: "Wir haben das Spiel an den Brettern verloren."

Ein Spieler, dessen Stärke der Kampf um die Rebounds ist, erwischte allerdings einen schwarzen Tag.

Maik Zirbes konnte die herbe Kritik des eigenen Anhangs nicht so bravourös wegstecken wie in der Euroleague gegen Real Madrid. Null Punkte und vier Fouls verbuchte er.

Hamann stützt Zirbes

Unterstützung bekam der junge Center vom Gegner. Hamann sprang dem Nationalspieler nach der Partie zur Seite.

"Das ist sehr schade. Ich kenne Maik, er ist mit Herzblut bei der Sache. So etwas wirft einen jungen Spieler aus der Bahn. Ich habe ihm nach dem Spiel gesagt, dass er einen kühlen Kopf behalten muss", sagte Hamann, der die Schmähungen der Bamberger Fans kennt und ganz cool nimmt: "Die waren schon lauter."

Fleming heiß auf Revanche

Fleming, der auch nur knapp acht Minuten auf den grippegeschwächten Topscorer Bostjan Nachbar zurückgreifen konnte, freute sich schon auf ein Wiedersehen mit den Münchnern.

Das wäre nach jetzigem Tabellenstand frühestens in den Endspielen möglich. Darauf schielen mittlerweile auch die Bayern - bei allem Understatement:

"Der Weg zur deutschen Meisterschaft führt über Bamberg. Sie werden im Mai auch ein ganz anderes Team als heute sein. Insofern würde ich sie dann auch gern wiedersehen", bestätigte Hamann.

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