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Jan Jagla wurde 2010 mit Asseco Prokom Gdynia polnischer Meister © getty

Knacks, nicht Krise: Es gilt Fehler abzustellen, sagt Jan Jagla bei SPORT1. Zwei Dinge sind ihm für die Playoffs wichtig.

Von Michael Spandern

München - Schwere Zeiten für den FC Bayern: Dem Halbfinal-Aus im Pokal folgte die vierte Auswärtspleite nacheinander in der Beko BBL.

Nur noch der direkte Vergleich hält die Münchner vor dem Tabellenfünften ALBA Berlin, und die Rückkehr ihres effektivsten Spielers Chevon Troutman (Muskelfaserriss in der linken Wade) ist nicht absehbar.

So schlimm wie im Vorjahr, als Bayern die Hauptrunde auf Platz 5 abschloss und dann mangels Heimvorteil in der ersten Playoff-Runde k.o. ging, sei es aber nicht, meint Jan Jagla.

Im SPORT1-Interview erklärt der Nationalmannschaftskapitän den "kleinen Knacks" des FCB, die Aussichten für das Heimspiel gegen den MBC (Sa., 19 Uhr LIVESCORES) und für die Playoffs.

Und er äußert sich zu den oft wechselnden Startformationen von Trainer Svetislav Pesic, der beim 66:70 in Artland statt Jagla den lange nicht mal im Kader stehenden Oldie Aleksandar Nadjfeji als Power Forward starten ließ.

SPORT1: Herr Jagla, Ihr Trainer wehrt sich dagegen, von einer Auswärtskrise zu sprechen. Wie sieht es nach der vierten Bundesliga-Pleite in Folge in den Köpfen der Spieler aus?

Jan Jagla: Von einer Krise werden wir jetzt nicht reden, das ist etwas früh. Wir haben ein paar schlechte Spiele gemacht, aber wir wissen, was wir besser machen müssen und wo die Fehler liegen. Es geht darum, das abzustellen.

Wir haben jetzt noch mal eine Chance, uns zusammenzureißen und die nächsten Spiele mit Selbstvertrauen zu bestreiten. Damit müssen wir dann auch in die Playoffs gehen.

SPORT1:Wie groß sind die Parallelen zum Vorjahr, als die Auswärtsschwäche die Bayern den Heimvorteil im Viertelfinale gekostet hat?

Jagla: Da sehe ich keine großen Parallelen. Im vorigen Jahr waren es neun Auswärtsniederlagen in vier Monaten. Wir haben nicht vor, das ähnlich enden zu lassen.

SPORT1:Auch unabhängig von Heim- und Auswärtsspielen läuft es seit der Pleite bei Bremerhaven nicht mehr rund. Abgesehen vom Kantersieg gegen Absteiger Giessen sind die Wurfquoten und damit die Punktausbeute deutlich gesunken. Was ist anders als in den ersten 13 Partien unter Pesic?

Jagla: Wir haben auch viele Probleme mit Verletzungen und Krankheiten gehabt. Wenn man nicht immer die Möglichkeit hat, mit allen zu trainieren, ist es natürlich schwierig, den Rhythmus beizubehalten. Da haben wir einfach einen kleinen Knacks. Wir hatten uns vorher einen sehr guten Rhythmus erarbeitet. Den müssen wir als Mannschaft wiederfinden.

SPORT1:Wann rechnen Sie mit der Rückkehr des verletzten Chevon Troutman?

Jagla: Das weiß ich nicht. Da bin ich nicht involviert.

SPORT1:Pesic vergleicht Troutmans Bedeutung mit der von Ribery oder Schweinsteiger bei den Fußballern. Heißt das auch, dass die Heimpartie gegen den MBC kein Pflichtsieg ist?

Jagla: Überhaupt nicht. Dass wir da gewinnen müssen, ist überhaupt keine Frage. Zuhause muss man gewinnen, egal wer da kommt. Chevon ist ein sehr wichtiger Spieler, aber seinen Ausfall müssen wir kompensieren können.

SPORT1:Ohne Troutman und mit einem angeschlagenen Lawrence Roberts hat Pesic in Quakenbrück nicht etwa Sie, sondern Aleksandar Nadjfeji in die Starting Five befördert. Welche Erklärung hat er Ihnen gegeben?

Jagla: Er braucht mir keine Erklärung geben. Er ist der Trainer, und ich bin der Spieler. Ich setze um, was die Parolen sind. Damit habe ich auch gar kein Problem. Ob man anfängt oder nicht, ist für mich relativ uninteressant. Wir sind alle sehr gute Spieler.

SPORT1: Das heißt, Sie haben keine Erklärung bekommen.

Jagla: Jede Woche sind andere Spieler in der Starting Five. Das hat mit dem Gegner und den Leistungen im Training unter der Woche zu tun. Aber der Trainer ist nicht dafür zuständig, jedem Spieler immer zu erklären, warum er in der Starting Five ist oder nicht. Da gibt es wenige Spieler, die darauf pochen und das extrem wichtig finden.

SPORT1:Welchen Vorteil hat es, dass die Hackordnung, die sich bei fast allen anderen Teams in der Starting Five manifestiert, bei den Bayern schwer zu erkennen ist?

Jagla: Es hat den Vorteil, dass jeder sehr viel Selbstvertrauen hat. Jeder merkt, dass er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft ist und auf jeden Fall seine Chancen bekommt. Die Minutenverteilung ist bei uns sehr ähnlich. Ich glaube, wenn man mit dem Tempo und der Aggressivität spielen will wie wir, dann muss man auch einen Kader von Leuten haben, die alle auf hohem Niveau Basketball spielen können. Da muss jeder auch wissen, dass er gebraucht wird und in der Verantwortung steht.

SPORT1: Angesichts von Oldenburgs leichtem Restprogramm ist wohl nicht nur Platz 1, sondern auch Platz 2 außer Reichweite. Demnach läuft es für die Bayern auf ein Viertelfinale gegen ALBA, Ulm oder Artland hinaus. Auf wen möchten Sie am wenigsten gerne treffen?

Jagla: Die Ulmer und Artland sind stark, ALBA sowieso. Das Wichtigste ist, mit einigem Schwung und dem Heimvorteil in die erste Runde zu gehen. Das hilft auf jeden Fall.

SPORT1: Nach den Eindrücken vom Top Four ist ALBA innen mit Thompson, Idbihi und Nachverpflichtung Traore überragend besetzt. Ist Bayern da personell auf Augenhöhe?

Jagla: Absolut. Wir haben sehr gute Spieler unter dem Korb. Mit Sasa haben wir noch einen fünften, der nicht immer spielen darf, der aber sofort da ist und große Leistungen bringt, wenn er spielen kann. Da müssen wir uns auf gar keinen Fall verstecken. Natürlich haben wir beim Spiel in Berlin Schwächen beim Rebound gezeigt, aber das war ein Ausrutscher, eine einmalige Sache. Beim Heimsieg gegen ALBA haben wir gezeigt, dass wir sie am Brett kontrollieren können.

SPORT1: Der FCB ist zuletzt von Platz 2 auf 4 abgefallen, in der Schlussphase der Hauptrunde drohen ALBA oder Artland vorbeizuziehen. Muss Bayern mit aller Macht den Heimvorteil fürs Viertelfinale sichern oder ist es wichtiger, dass Troutman und Roberts topfit in die Playoffs gehen?

Jagla: Beide Aspekte sind wichtige Faktoren. Wir müssen alle topfit sein. Wir können keine Leute gebrauchen, die ihre Verletzungen mitschleppen und am Ende nicht mehr hundert Prozent geben können. Aber es ist genauso wichtig, dass wir uns den Heimvorteil erarbeiten.

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