Patrick Femerling erklärt die Negativserie beim Meister und den Rundumschlag des Managers. Das Duell mit Ulm sieht er als Chance.

Hallo Basketball-Freunde,

Bamberg ist durch die Pleite in Bonn noch tiefer in die Krise gerutscht. Es läuft einfach gerade wenig zusammen.

Dass Manager Wolfgang Heyder nach der Bonn-Pleite einige Spieler öffentlich kritisiert hat, ist ein Zeichen. Er will die Mannschaft wachrütteln, um eine Trotzreaktion zu provozieren. Aber er ist sicherlich auch einfach enttäuscht von der Leistung.

Auf dem Papier hat sich Bamberg mit Jeremiah Massey, Alex Renfroe und Matt Walsh gut verstärkt und ist ein stark besetztes Team. Aber als Mannschaft sind sie noch nicht auf einem Nenner und können die Leistung nicht abrufen.

Dazu sind jetzt auch noch Walsh, Maik Zirbes und John Goldsberry verletzt.

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Vor allem Goldsberrys Fehlen als Kopf der Mannschaft tut weh. Gerade wenn es schlecht läuft, braucht man erfahrene Anführer wie ihn.

Der Einzige, der momentan abliefert, ist Anton Gavel. Philipp Neumann hat sich in den letzten Spielen zumindest punktemäßig gut verkauft.

Bambergs Durchhänger in der Beko BBL hat - ähnlich wie bei ALBA - natürlich mit den Niederlagen in der Euroleague zu tun, die am Selbstvertrauen nagen.

Wenn man so viele Spiele hintereinander verliert, obwohl man sich oft gut verkauft, ist das natürlich deprimierend. Es war ja nicht so, also hätten sich Bamberg oder ALBA permanent abschießen lassen.

Unter diesen Verhältnissen ist es nicht einfach, wenn man dann in den Ligabetrieb zurück muss und jeder erwartet, dass man gewinnt.

An der Motivation lag es aber nicht, dass Bamberg vier der letzten fünf Ligaspiele verloren hat, sondern an der Kraft. Das Pensum mit Euroleague und BBL ist unheimlich kräftezehrend - nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Wenn man so viel unterwegs ist und dann auch noch so viele Misserfolge hat, schlaucht das ungemein.

ALBA hatte das Glück, dass sie sich durch den Pokal zumindest teilweise freigestrampelt und dort neues Selbstvertrauen getankt haben.

Das fehlt Bamberg. Sie müssen sich jetzt Stück für Stück aus diesem Tal arbeiten und wieder Rhythmus bekommen, denn die Playoffs stehen vor der Tür. Da muss man mit Selbstvertrauen rangehen.

Dafür braucht Bamberg jetzt unbedingt ein Erfolgserlebnis. Wenn du viel arbeitest, viel reist und viele Spiele spielst, brauchst du Siege, damit du das Gewinnen nicht verlierst.

Das Spitzenspiel gegen Ulm ist in dieser Hinsicht ein Segen, weil man nicht extra Spannung aufbauen muss, sondern die Konzentration von vornherein hoch ist.

Gegen einen direkten Konkurrenten ist jeder einzelne Spieler automatisch motiviert, das Duell mit seinem direkten Gegenspieler zu gewinnen.

Bamberg muss in Ulm vor allem gut spielen. Wenn sie dann auch noch gewinnen, wird das einen Schub geben.

Das wird aber nicht die Lösung für den Rest der Saison sein. Das Selbstvertrauen muss Bamberg mitnehmen, um Stück für Stück wieder auf die Siegerstraße zu kommen.

Bis bald,

EuerPatrick Femerling

Patrick Femerling, geboren 1975, ist aktuell mit 221 Einsätzen von 1996 bis 2009 Rekordspieler in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem DBB-Team gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er wurde Meister und Pokalsieger in Deutschland, Spanien und Griechenland.

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