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Stefan Koch arbeitete von 2004 bis 2006 als Trainer der Gießen 46ers © getty

Stefan Koch spricht über das Playoff-Aus, seinen Abschied und die Schwierigkeiten bei den Dragons, eine Mannschaft aufzubauen.

Von Michael Spandern

München - Drei Spiele, drei Niederlagen - das ist die Playoff-Bilanz der Artland Dragons und die Schlussbilanz ihres scheidenden Trainers Stefan Koch.

Ratiopharm Ulm beendete die Ära Koch kurz und schmerzlos in der ersten Runde. Seit 2010 stand der 49-Jährige an der Seitenlinie der Quakenbrücker und führte den Klub dreimal in Folge in die Playoffs.

Ein viertes Mal wird es jedoch nicht geben. Der Trainer konnte sich mit dem Verein auf keinen neuen Vertrag einigen und verlässt die Drachen zum Saisonende.

Im SPORT1-Interview spricht Stefan Koch über die enttäuschende Playoff-Serie gegen Ulm, die Gründe für seinen Abschied bei den Dragons und die Schwierigkeiten, in Quakenbrück eine Mannschaft zu entwickeln.

SPORT1: Herr Koch, wie haben Sie das sieglose Playoff-Aus verkraftet?

Stefan Koch: So etwas verkraftet man nicht innerhalb von 24 Stunden. Es ist bitter, 0:3 auszuscheiden. Mir war dieses Risiko bewusst, als feststand, dass wir gegen Ulm spielen. Sie sind die einzige Playoff-Mannschaft, die wir dieses Jahr nicht geschlagen haben. Was sich in meinem Kopf immer wieder abspielt: Wenn wir in der Hauptrunde ein einziges Spiel mehr gewonnen hätten, wären wir Vierter und nicht Sechster geworden. Dann hätten wir einen anderen Gegner und den Heimvorteil gehabt, den wir in den letzten beiden Jahren immer nutzen konnten. Aber das ist Wenn und Hätte. Fest steht: Ulm war in der Serie die bessere Mannschaft und ist verdient weitergekommen.

SPORT1-Kommentator Michael Körner hat sich während des Spiels aufgeregt, dass Ihr Team mit dem Aus vor Augen ohne die letzte Intensität spiele - er nannte es "Bimmel-Bammel-Basketball". Würden Sie zustimmen?(SERVICE: Das Playoff-Tableau)

Koch: Wir sind natürlich in diesem Spiel ein gewisses Risiko gegangen - allein schon aufgrund der kleinen Formation, mit der wir gespielt haben. Da spielt man schneller, lebt mit Sprungwürfen zu leben und läuft natürlich Gefahr, dass das ein bisschen wie Bimmel-Bammel-Basketball aussieht. Was uns richtig wehgetan hat, ist, dass wir radikal ausgereboundet worden sind. Das war ein großer Faktor.

[kaltura id="0_gwyhfir6" class="full_size" title="Ulm ungef hrdet weiter"]

SPORT1: Unser Experte Stephan Baeck führte als Grund an, dass Ihre Spieler ja wussten, dass Sie nächste Saison nicht mehr Dragons-Trainer sind. Hatten Sie zuvor versucht, den Spielern dieses Alibi zu nehmen?

Koch: Ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass ich nicht mehr Trainer sein werde, irgendeine Rolle gespielt hat. Die Spieler wussten das auch schon vor Spiel 2. Es wäre ein größeres Probleme gewesen, diese Aussage nicht zu treffen. Es gab sehr, sehr viel Unsicherheit und Unklarheit, weil immer wieder nachgehakt wurde, was ich mache. Meine Überzeugung ist: Klarheit ist immer besser als Unsicherheit.(SERVICE: Die Stenogramme der Viertelfinals).

SPORT1: Demnach haben Sie sich für diesen Zeitpunkt, der viele erstaunt hat, entschieden. War der Verein einverstanden?

Koch: So etwas machen wir nur einvernehmlich. Aber Sowohl unser Geschäftsführer als auch unsere Pressesprecherin waren mit mir der Meinung: Je früher wir für Klarheit sorgen, desto besser.

SPORT1: Als Begründung für die gescheiterten Vertragsverhandlungen gaben Sie an, der Verein lasse sich nur auf Ein-Jahres-Verträge ein. Geschäftsführer Alexander Meilwes gab an, Sie wollten die Sicherheit, dass Ihr Sohn während der Grundschulzeit nicht umziehen müsse. Heißt dass, die Parteien haben sich zwischen Ein-Jahres- und Vier-Jahres-Vertrag gar nicht aufeinanderzubewegt?

Koch: Fakt ist: Ich habe keinen Vier-Jahres-Vertrag gefordert. Der Verein hat nur ein Jahr angeboten und hat immer betont, dass mehr nicht möglich ist. Ein Jahr ist für mich aufgrund der familiären Situation nicht tragbar. Der Verein hat mit seinem Angebot sofort klargemacht, dass man nur bereit war, ein Jahr anzubieten.

SPORT1: Müsste nun ein Beko-BBL-Klub, der Sie als Trainer verpflichten möchte, einen Zwei- oder Drei-Jahres-Vertrag anbieten?

Koch: Es müsste eher in Richtung drei Jahre gehen. Wenn wir in Quakenbrück geblieben wären, wären wir drei Jahre in unserem gewachsenen Umfeld gewesen. Woanders würden wir bei null anfangen. Deshalb wären zwei Jahre anderswo für mich zu wenig.

SPORT1: Michael Körner hatte bereits vor der Bestätigung am Montag vermutet, Ihr bisheriger Co-Trainer Tyron McCoy werde im Artland zum Chef befördert...

Koch: Ich bin der festen Überzeugung, dass Tyron alle Qualitäten hat, die ein Headcoach benötigt. Der Klub hat mich dazu gefragt, und ich habe den Verantwortlichen das genauso deutlich gesagt.

SPORT1: Artland ist an einem Team gescheitert, das wie Titelverteidiger Bamberg Kontinuität großschreibt. Geben Sie dem Dragons-Management die Empfehlung, den Kader nicht so sehr wie in den letzten Jahren umzukrempeln?

Koch: Ich war drei Jahre Trainer in Quakenbrück und habe in allen drei Jahren mit grundsätzlich unterschiedlichen Mannschaften gearbeitet. Warum? Weil auch die Spielerverträge - abgesehen von ganz, ganz wenigen Ausnahmen - nur über ein Jahr laufen. Da verliert man eben nach einem Jahr Spieler wie Tyrese Rice, weil man ihn nicht halten kann. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Spieler, die die Dragons oder die deutsche Liga immer noch als Sprungbrett nutzen und aus diesem Grund keine Mehrjahresverträge unterschreiben oder sich Ausstiegsklauseln in den Vertrag setzen lassen. Wir hatten eine extrem hohe Fluktuation. Das ist eben die Sache mit den Einjahres-Verträgen. Dann ist es natürlich schwierig, Kontinuität aufzubauen.

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