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Stephan Baeck (l.) und Pascal Roller bestritten 133 bzw. 122 Länderspiele für Deutschland © imago

Die Ex-Nationalspieler planen in Hamburg und Köln neue Beko-BBL-Standorte. Bei SPORT1 spielen sie im Wildcard-Rennen auf Zeit.

Von Martina Farmbauer und Rainer Nachtwey

München - Es ist zwölf Jahre her, dass es in Hamburg ein Basketballteam in der Beko BBL gab. In Köln zogen sich die 99ers zehn Jahre nach ihrer Gründung und zwei Jahre nach ihrem dritten Pokalsieg aus dem Oberhaus zurück.

Und es kann lange dauern, bis in einer Stadt wieder Erstliga-Basketball gespielt wird, wenn er dort erst einmal gescheitert ist.

In Hamburg und Köln aber könnte es mit einer Renaissance auf einmal ganz schnell gehen.

Roller plant mit 2014

Mit dem Namen Towers plant der neue Hamburger Klub, sich über das Wildcard-Verfahren einen Platz in der Beko BBL zu sichern. Zwar nicht für die kommende Saison, aber für die darauffolgende.

"Unser langfristiges Ziel ist die Erfüllung aller Auflagen für 2014/15", sagt der ehemalige Nationalspieler Pascal Roller, der die treibende Kraft hinter dem Hamburger Projekt Erstligabasketball ist, bei SPORT1.

Aufsteiger bleiben zweitklassig

Dass ein Wildcard-Verfahren in der Beko BBL nichts Außergewöhnliches ist, zeigt die Tatsache, dass bereits im zweiten Jahr in Folge ein Aufsteiger seine sportlich erreichte Erstligazugehörigkeit nicht wahrnehmen kann bzw. darf.

2012 hatte Kirchheim verzichtet, in diesem Sommer konnten die Giants Düsseldorf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht nachweisen.

"Aufgrund der hohen Anforderungen der BBL sagen viele sportliche Aufsteiger: 'Wir gehen da nicht mit'", sagt Roller. "Die Chancen auf ein Wildcard-Verfahren sind also recht groß."

Langfristige Planungen bei Baeck

Gleiches gilt für die Rhein Stars Köln um SPORT1-Experte Stephan Baeck. Der neugeschaffene Klub, der aus den Köln 99ers und dem MTV Köln 1850 hervorgeht, sieht seine Zukunft in Deutschlands höchster Spielklasse.

"Unser erklärtes Ziel ist es, mittelfristig in Köln wieder Bundesliga-Basketball zu präsentieren", sagt Baeck bei SPORT1. Dabei wolle man aber nichts überstürzen.

Pommer spricht sich für Großstädte aus

Die Ziele der ambitionierten Ex-Nationalspieler passen grundsätzlich zu den Plänen der Beko BBL, die nach München in weitere Millionenstädte drängt - nach dem Motto: BBL goes Metropole.

"Hamburg war immer ein aktuelles Thema, bei Spielern und bei der Liga", sagt Roller. "Jan Pommer hat entsprechende Aussagen getätigt, dass man innerhalb der Liga den nächsten Schritt machen muss."

Gerade die Großstädte mit ihrer passenden Infrastruktur und dem wirtschaftlichen Potenzial hätten laut Roller das Momentum auf ihrer Seite: "Wir müssen es jetzt nur noch nutzen."

Mit breiter Basis nach oben

Seit eineinhalb Jahren gibt es in Hamburg Pläne, wieder Erstliga-Basketball auf die Beine zu stellen.

"Im Vergleich zu den bisherigen Versuchen wollen wir einen nachhaltigen und breit aufgestellten Start", sagt Roller. Dabei soll nicht einfach ein Team zusammengekauft, sondern mitsamt der Infrastruktur aufgebaut werden.

Sowohl Hamburg als auch Köln wollen die Basis stärken. "Mit positiver Stimmung aufsteigen und wachsen, die Leute mit Basketball fesseln und begeistern, von unten unsere Hausaufgaben machen und uns beweisen, das ist der Weg", sagt Baeck über das Projekt Rhein Stars.

Talente binden

In Hamburg plant Roller daher mit dem Pro-B-Klub Rist Wedel und den Piraten Hamburg aus der Nachwuchs-Bundesliga als Unterbau.

Zumal das Fundament auch gedacht ist, um die eigenen Talente heranzuziehen und nicht an die Konkurrenz abgeben zu müssen - so wie Ismet Akpinar. Der 17-Jährige wechselte aufgrund fehlender Perspektive in Hamburg zu ALBA Berlin.

Mit dem strukturellen Grundstock und der finanziellen Unterstützung durch Unternehmen, die in Vorleistung gehen, sieht Roller die Hamburg Towers gut aufgestellt.

Strukturell nicht bei null

Auch eine Heimspielstätte hat der SPORT1-Experte bereits an der Hand. Die O2-World ist laut Roller aufgrund der Auslastung der Handballer vom HSV Hamburg und des Eishockeyteams Freezers dabei keine Option.

"Strukturell fangen wir nicht bei null an", führt Roller aus. "Bei einer Mannschaft sieht es natürlich anders aus."

Koch zeigt noch kein Interesse

Dabei spielt der finanzielle Spielraum die entscheidende Rolle und weniger die Zeit. "Wir sind eher vom Budget begrenzt", sagt Roller. "Da heißt es dann eher: 'Können wir uns zum Beispiel einen Trainer Stefan Koch leisten oder nicht?'"

Koch, der 2000 und 2005 zum Bundesliga-Trainer des Jahres gewählt worden war und zuletzt die Artland Dragons trainiert hatte, sagt dazu bei SPORT1: "Das ist sicherlich ein sehr interessantes Projekt, aber Hamburg ist im Moment nicht wirklich in meiner Planung vorhanden."

Ob diese Planungen aber über 2014 hinaus gelten, lässt er offen.