Die Bayern behaupten, keinen Cent aus dem Fußball zu entfremden - und schießen gegen den Meister. Der eigene Etat sei gesunken.

[kaltura id="0_gqwzscqe" class="full_size" title=""]

Von Patrick Mayer

München - Seine Fußballer haben das Triple gewonnen.

Doch Uli Hoeneß hat noch viele Träume. Einer ist, einmal neben seinen Korbjäger auf dem Rathausbalkon zu jubeln - gemeinsam mit den Fußballern.

"Ich möchte irgendwann mit zwei Mannschaften auf dem Marienplatz stehen", sagte er in München.

Es sind deutliche Worte.

Bamberg-Attacken prallen ab

Der FC Bayern Basketball bläst zur Attacke.

Vor dem Saisonstart redeten die Verantwortlichen ohne Scheu von großen Ambitionen.

Der stellvertretende Präsident Rudolf Schels schoss verbal gegen Meister Baskets Bamberg. Und der Präsident kündigte an, über Jahre mit Trainer Svetislav Pesic zusammenarbeiten zu wollen.

Der soll aus den Bayern die Nummer eins des deutschen Basketballs machen, was in Franken für Unruhe sorgt.

"Dass Bamberg stichelt, müssen wir sportlich nehmen", sagte der 64-jährige Schels nun: "In den vergangenen Wochen wurden gezielt Unwahrheiten verbreitet."

Bayern verkleinert Etat

Was er damit meint?

Bambergs Manager Wolfgang Heyder hatte Ende Juli die Bayern indirekt für ihre Transferpolitik kritisiert, indem er der "Süddeutschen Zeitung" sagte, dass "hier andere Budgets aufgerufen werden, als sie im Basketball-Markt üblich sind".

Die Münchner hatten im Sommer angeblich um den Bamberger Finals-MVP Anton Gavel geworben.

Sie konnten den Slowaken zwar nicht verpflichten, dieser verlängerte aber auch seinen Vertrag beim Meister nicht.

Nun soll er dem Vernehmen nach spätestens im Sommer 2014 zu den Bayern kommen, wenn er ablösefrei ist.

Der Bayern-Etat soll bei etwa zehn Millionen Euro liegen. Schels schilderte, dass dieser nicht erhöht, sondern geringfügig nach unten geschraubt worden sei.

Kein Vergleich mit Barca und Real

Hoeneß unterstützte seine Argumentation, indem er mehrfach betonte, dass "kein einziger Euro aus den Ausschüttungen der Bayern AG an die Basketballer geht".

Der sportliche Erfolg sei ausschließlich selbst erwirtschaftet, "durch Sponsoring, Zuschauereinnahmen und Merchandising".

Und die Basketballer seien zu keiner Zeit abhängig von der Fußballabteilung gewesen.

"Hier herrschen andere Verhältnisse als beim FC Barcelona oder Real Madrid. Dort muss der Basketball durch den Fußball subventioniert werden, wie mir beide Präsidenten vor den jeweiligen Fußball-Champions-League-Spielen erklärt haben", erklärte Hoeneß.

In München hingegen sei von Anfang Bedingung gewesen, dass der Fußball keinen einzigen Cent in den Basketball stecke: "Der FC Bayern Basketball hat ein eigenes Konto."

Für Bayern zählt nut der FCB

Auch sportlich strotzen die Bayern Basketballer nur so vor Selbstvertrauen.

Coach Pesic und sein Sohn, Sportdirektor Marko Pesic, haben das Bayern-Gen längst verinnerlicht.

"Der FC Bayern schaut nicht auf andere Vereine", sagte Vater Svetislav, der seit November 2012 in der Verantwortung steht, in Richtung Konkurrenz (DATENCENTER: Der Spielplan der Beko BBL).

Spieler "wollten unbedingt" zum FCB

Und Sohnemann Marko widersprach Kritikern der offensiven Transferpolitik.

Die Münchner hatten vor der Saison MVP John Bryant (ratiopharm Ulm), die Berliner Heiko Schaffartzik, Deon Thompson, Yassih Idbihi und Nihad Djedovic sowie mit Malcom Delanay (Budiwelny Kiew) den MVP der ukrainischen Liga und mit Bryce Taylor (Artland Dragons) einen weiteren Guard verpflichtet.

Forward Bryant gilt als echter Punktejäger und Forward Djedovic als eines der größten Talente in Deutschland.

"Allesamt fast ausschließlich Spieler, deren Verträge bei den anderen Vereine ausliefen", schilderte Schels.

Und Marko Pesic erklärte, dass die Spieler "unbedingt zum FC Bayern wollten".

Liga mangelt es an Attraktivität

Es sind Spieler, die mit dem FC Bayern Basketball Großes erreichen wollen.

Das Ziel ist, Bamberg vom Thron zu stoßen, nachdem das Team im vergangenen Jahr in einem dramatischen Halbfinale an den Franken gescheitert war.

"Wir hatten eine positive Saisonbilanz gegen Bamberg, haben sie zweimal auswärts geschlagen", meinte der Trainer vielsagend.

Präsident Hoeneß legte nach: Er werde "Herrn Pesic" sicher nicht daran hindern, Meister zu werden.

Meister in einer Liga, der es seiner Auffassung nach immer noch an Attraktivität für Zuschauer und das Fernsehen mangle.

BVB bald mit Basketball-Team?

Er habe aufgeschnappt, dass Hamburg angeblich eine professionelle Basketballabteilung plane. Das wäre doch was, sagte er.

Andere Vereine könnten sich dem anschließen, meinte er.

"Ich würde mich gerne mal mit Herrn Watzke über Basketball unterhalten", sagte er in Richtung des Vereinsbosses von Borussia Dortmund. Er grinste dabei schelmisch.

Dabei hatten Hans-Joachim Watzkes' Dortmunder den Bayern Fußballern in den vergangenen Jahren zweimal die Marienplatz-Sause verdorben.

Ähnliches dürfte den Bamberger Basketballern in dieser Saison nur schwerlich gelingen.

[kaltura id="0_gvz25bus" class="full_size" title=""]

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel