vergrößernverkleinern
Jan-Hendrik Jagla gab sein Nationalmannschaftsdebüt 2003 © imago

Jan-Hendrik Jagla kehrt nach Berlin zurück. Bei SPORT1 spricht er über die Perspektiven mit ALBA, Bayern und das DBB-Team.

Von Michael Spandern und Eric Böhm

München - Der Kreis schließt sich für Jan-Hendrik Jagla.

Nach zehn Stationen als Aktiver ist der 32-Jährige wieder in der Stadt seiner Wurzeln: Berlin. Bei ALBA Berlin nimmt der Routinier eine tragende Rolle ein und soll die junge Mannschaft der Hauptstädter führen.

Die erste Bewährungsprobe bietet sich im Champions Cup der Beko BBL gegen Serienmeister Brose Baskets Bamberg (Sa., ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Im Interview mit SPORT1 erklärt Jagla seine Motivation zur Rückkehr, die Ziele mit ALBA und seine Zukunft in der Nationalmannschaft.

SPORT1: Zurück in die Heimat - das war einer der Gründe, den Sie für Ihren Wechsel zu ALBA genannt haben. Aber Sie waren auch in München verwurzelt, Ihre Familie lebt dort - wie stark ist da das Gefühl von Heimkehr?

Jan-Hendrik Jagla: Sehr groß. Meine Frau und ich sind hier aufgewachsen. Von daher ist Berlin mehr unsere Heimat.

SPORT1: Angesichts des großen Aderlasses bei den Berlinern und den hochkarätigen Verpflichtungen der Bayern haben Sie sich allem Anschein nach sportlich verschlechtert - was, wenn nicht Titel, sind Ihre Motivation?

Jagla: Sportlich verschlechtert würde ich so nicht sagen. Das ist einfach eine andere Situation. Das Team ist eines mit Perspektive. Hier liegt der Fokus nicht nur auf der nächsten Saison. Das war für mich der Anreiz hierher zu kommen. Hier kann ich etwas aufbauen und jungen Spielern helfen - eine Rolle, die ich auch in der Nationalmannschaft in den letzten Jahren ausgefüllt habe. Diese Vorbildfunktion ist eine reizvolle Sache, das ist die Herausforderung. Nun kann ich etwas von dem zurückgeben, was ich früher von den älteren Spielern gelernt habe.

SPORT1: Sie gehören zu den älteren Spielern bei ALBA, wollen Verantwortung übernehmen. Gelingt das bereits, obwohl Sie ja neu sind im Verein?

Jagla: Ja natürlich. Auf dem Niveau, auf dem ALBA spielen wird, habe ich Erfahrung - sei es in der BBL, sei es auf europäischer Ebene. Hier kann ich den jüngeren, unerfahrenen Spielern Hilfestellung und Anreize geben und ihnen manchmal auch noch einmal genau erklären, was der Trainer von ihnen will.

SPORT1: Oft hat man geschrieben, Sie seien recht heimatlos im Basketball-Zirkus. ALBA ist jetzt Ihre zehnte Station. Warum haben Sie trotzdem nur für ein Jahr unterschrieben?

Jagla: Das wollten beide Seiten so. Wir wollten erst einmal sehen, wie es läuft und uns nicht längerfristig festlegen. Für mich war das Wichtigste, für diese eine Saison zu planen - und dann setzen wir uns zusammen und sehen, ob und wie es weitergeht.

SPORT1: Sie haben viele Ligen kennengelernt. Was sind die prägendsten Erfahrungen, und in welcher Liga würden Sie gerne noch einmal spielen?

Jagla: Schwierig. Ich denke, dass ich mich in den USA am College spielerisch und auch persönlich weiter entwickelt habe. Diese Zeit, in diesem Alter, hat mich schon sehr geprägt. Aber auch die Stationen in Europa waren interessant und spannend und haben mir sehr viel gegeben. Es gibt keine Station, die ich missen möchte. Die prägendste Zeit war aber wohl in Spanien. Das war die interessanteste Liga, das Niveau am höchsten. Ich habe dort meine Frau und viele andere Sachen kennen gelernt. Im Moment bin ich in Deutschland aber sehr glücklich und denke nicht darüber nach, wo ich möglicherweise noch einmal gerne spielen würde. (DATENCENTER: Der Spielplan der Beko BBL)

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, dass Berlin für Sie wie bei Patrick Femerling die erste und letzte Profistation wird, falls sich bei ALBA die Chance ergibt, nach der aktiven Zeit weiterzuarbeiten?

Jagla: So weit habe ich noch nicht geplant. Momentan konzentriere ich mich voll und ganz auf die Aufgabe hier und jetzt - und nicht darauf, was in der nächsten Saison passiert.

SPORT1: Bei Ihrem Wechsel zum FC Bayern 2011 haben Sie gesagt, der FCB betreibe das spannendste Basketballprojekt in ganz Europa. Wie bewerten Sie es heute?

Jagla: Das ist immer noch so. Ich denke, dass der Verein und die Mannschaft in den letzten zwei Jahren große Schritte gemacht haben, dass aber der Druck in Zukunft immer größer wird. Sie haben sich national etabliert und müssen nun den nächsten Schritt machen und sich dieses Standing auch international erarbeiten. Da ist für die Zukunft noch viel Luft nach oben.

SPORT1: Wie würden Sie das Projekt ALBA zurzeit beschreiben?

Jagla: Wie ich schon gesagt habe: Es ist ein junge Mannschaft mit noch nicht so viel Erfahrung auf dem Niveau. Es ist auch ein Team mit vielen Talenten und starken Einzelspielern, die aber noch reifen müssen. Es ist ein Team, das nicht unbedingt darauf ausgelegt ist, diese Saison Titel zu gewinnen, sondern mehr auf Reifen und Team-Zusammenhalt. Man wird in den nächsten Wochen sehen, wie schnell diese Mannschaft zusammenwächst und die Spieler auf diesem Niveau ankommen. Deswegen ist es schwer zu sagen, wie gut oder schlecht wir diese Saison abschneiden. Ich denke, dass wir vom Potenzial schon weit oben mitspielen können, aber ob das konstant in jedem Spiel abgerufen werden kann, ist noch fraglich.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel