Guardiola und viel Bayern-Prominenz erleben eine 78:85-Niederlage gegen Barcelona. Svetislav Pesic sieht noch viel Arbeit.

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Von Philipp Reichelt

München - Obwohl die erste Euroleague-Saison für den FC Bayern erst am 18. Oktober startet, lag am Donnerstagabend ein Hauch von großem europäischem Glanz über dem Audi Dome.

Der FC Barcelona, eines der vier besten europäischen Teams aus der letzten Saison als Härtetest und Gradmesser auf dem Platz und mit Uli Hoeneß, Pep Guardiola und seinem gesamten Trainerstab, Matthias Sammer und Bastian Schweinsteiger die geballte Fußball-Prominenz als Supporter auf der Tribüne.

Obwohl die Bayern am Ende verdient mit 78:85 (38:43) (Bericht) unterlagen, war dieses Spiel gerade für Guardiola etwas Besonderes.

Zeitreise für Pesic und Pep

Der Bayern-Coach hatte schon in seiner Trainerzeit bei den Katalanen eng mit den Basketballern zusammen gearbeitet und will dies in München nun gerne fortsetzen.

Svetislav Pesic gewann 2003 als Trainer von Barca das Triple und traf in dieser Zeit das erste Mal auf Pep - der damals noch aktiver Fußballprofi war.

Einen Tag vor dem Spiel trafen sich die beiden Trainergrößen in München, um sich auszutauschen. In Zukunft soll die gemeinsame Arbeit der beiden Abteilungen intensiver werden.

Peps Antrittsbesuch im Audi-Dome war also nur ein erster Schritt. Von einem Fehltritt zu sprechen, wäre sicher zuviel. Aber Guardiola musste genauso wie die 6097 Zuschauer in der Halle erleben, dass Barcelona für die ambitionierten Bayern vor ihrer ersten europäische Saison doch noch ein Nummer zu groß ist.

Einsatz stimmt, die Defense nicht

Vor allem in der Defense ließen die Pesic-Bayern seinem Ex-Team immer wieder zu viel Raum.

"Wenn der Gegner 15 Rebounds mehr gemacht hat, weiß man was falsch gelaufen ist", analysierte der serbische Coach anschließend.

Mit der Einstellung und dem Einsatz seiner Mannschaft war der Serbe an diesem Abend dennoch zufrieden.

Und doch war erkennbar, dass die Integration von neun Neuzugängen noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, obwohl der Coach einige Spieler bereits aus vorherigen Stationen kennt:

"Wir sind auf einem guten Weg, aber Zeit ist wichtig. Wir sind noch nicht fit. Der Saisonstart in Bonn (Do., ab 15.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und auf SPORT1.fm) ist noch zu früh."

Uli's Meistertraum

Aber ausgerechnet mit dem Zeit-Faktor ist es beim ehrgeizigen Münchner Basketballprojekt so eine Sache. Erst vor wenigen Tagen hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß auf der Pressekonferenz zum Saisonauftakt angekündigt, dass es sein Traum sei, mit beiden Mannschaften als Meister auf dem Münchner Rathausbalkon zu stehen.

Svetislav Pesic hingegen sieht den Hoeneß-Traum als Ziel an, nicht als Pflicht. Eben auch vor dem Hintergrund, dass offensichtlich noch viel Arbeit bis zum Saisonstart nächste Woche wartet (DATENCENTER: Der Spielplan der Beko BBL). Und darüber hinaus gewiss auch.

Eben aus diesem Grund wagte der Meister-Trainer keine Prozent-Prognosen über den Stand der Vorbereitung:

"Mathematik ist nicht meine Stärke. Mein Problem ist, dass ich ein Perfektionist bin und immer noch Dinge sehe, die andere nicht sehen."

"Nur nach München"

Das Potential um den Trainer zufrieden zu stellen und tatsächlich Großes in dieser Saison zu erreichen hat der Kader des FC Bayern trotz des Dämpfers durch die Katalanen.

"Wir haben gute Spieler, die wissen wie man mit Druck umgeht, und worauf es ankommt, um den Titel zu holen. Wir müssen in der Doppelbelastung zwischen Euroleague und Beko BBL die richtige Mischung finden", sagte Foward Nihad Djedovic. Er ist einer von vier Neuzugängen, die von ALBA Berlin an die Isar kamen und glänzte gegen Barcelona als bester Werfer bei den Bayern.

Geschäftsführer Marko Pesic nannte den Bosnier stellvertretend für jene neuen Spieler, die vor der Saison unbedingt nach München wechseln wollten.

Und Djedovic selbst verriet unumwunden seine Motivation für den Wechsel: "Es gab Alternativen. Aber als ich gehört habe, dass Bayern mich will, wollte ich nur hier her. Bayern München ist auf einem Niveau mit Real Madrid. Alles ist hier eine andere Liga. Es ist fast wie in der NBA."

Weiterer Neuzugang

Eine andere Liga war an diesem Abend indes der FC Barcelona.

Auch damit dieser Abstand in Zukunft geringer wird, hat der FC Bayern kurz vor Saisonbeginn noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und Foward Boris Savovic von Roter Stern Belgrad verpflichtet.

Svetislav Pesic stellte klar, dass Savovic nicht als Ersatz für den derzeit an der Hand verletzten Deon Thompson fungieren soll, sondern dass der Serbe den Kader in der Breite verstärken soll.

Damit künftig bei den Euroleauge-Abenden im Audi Dome nicht nur ein Hauch von großem europäischen Glanz zu spüren ist. Sondern damit die Prominenz aus der berühmten Fußball-Abteilung diesen Glanz auch zwischen den Körben erkennen können.

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