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Dirk Bauermann ist seit Dezember 2003 Bundestrainer © imago

Nachdem in einer BBL-Partie kein Deutscher gespielt hat, platzt dem Bundestrainer der Kragen. Er geht auf die Vereine los.

Von Dustin Werk

München - Bundestrainer Dirk Bauermann hat auf einer Podiumsdiskussion die Verantwortlichen der Bundesliga-Vereine scharf attackiert:

"Die BBL ist ein entfremdetes Produkt, das niemandem weiterhilft. Den Fans nicht, den Sponsoren nicht und der Nationalmannschaft schon gar nicht."

Hintergrund war das Spiel zwischen Tabellenführer Oldenburg und Ludwigsburg, bei dem kein Deutscher spielte:

"Wir brauchen ein stärkeres deutsches Profil und mehr Identität. Was bringt mit als Bundestrainer ein Spiel zwischen Ludwigsburg und Oldenburg, in dem kein einziger deutscher Spieler auch nur eine Sekunde Einsatzzeit hatte?"

Liga mit "Quoten-Deutschen"

Die Liga hat derzeit eine Regelung, dass mindestens drei Spieler einen deutschen Pass haben müssen. Diese "Deutschen-Quote" wird nächstes Jahr auf vier pro Team erhöht.

Angesichts der Tatsache, dass deutsche Vereine im Europapokal meist frühzeitig ausscheiden und dass das Nationalteam am Tropf von Dirk Nowitzki hängt, schwant dem Bundestrainer böses.

"Die BBL muss einen stärkeren Beitrag für die Nationalmannschaft leisten als derzeit. Wenn es nicht endlich einen Paradigmenwechsel gibt, wird es nicht weitergehen", sagte der 51-Jährige.

Zu viele Amerikaner

Vor allem die zahlreichen Amerikaner scheinen dem Meistertrainer mit Leverkusen und Bamberg ein Dorn im Auge: "Wir beschäftigen amerikanische Spieler, die in den USA im Supermarkt Kisten schleppen würden, wenn sie nicht hier spielten."

ALBA-Trainer Luka Pavicevic unterstützt Bauermann:

"Das ist eine große Heuchlerei: Alle weinen herum, dass die Deutschen nicht spielen, dabei weiß jeder, warum es so ist", sagte Pavicevic nach dem 86:57-Erfolg von ALBA gegen EnBW Ludwigsburg. "In den meisten anderen europäischen Ligen gibt es Regeln, die den Einsatz von ausländischen Spielern begrenzen und die einheimischen Spieler stärker schützen."

Quote reicht noch nicht aus

Für Pavicevic geht das noch nicht weit genug:

"Durch die Einführung von strengeren Quoten, würde man schnell Erfolge sehen", meinte der Serbe. Aber derzeit würde den deutschen Basketballern die Wettkampferfahrung fehlen.

"Daher stehen die US-Amerikaner in ihrer Entwicklung häufig ein bis zwei Schritte vor den Deutschen."

Geschäftsführer widerspricht Bauermann

Bei BBL-Geschäftsführer Jan Pommer stießen die Äußerungen Bauermanns sauer auf:

"Das ist respektlos und sowohl in Inhalt als auch Form unverständlich. Ich finde es ermüdend, dass sich immer alles nur um die sogenannte Deutschen-Quote dreht", sagte Pommer der "dpa".

Problem in der Unabhängigkeit

Gerade die Unabhängigkeit der Liga vom Deutschen Basketball Bund stellt ein großes Problem dar.

Dem DBB in Person von Bauermann ist daran gelegen, viele deutsche Akteure regelmäßig spielen zu sehen. Die BBL dagegen hält Ausländer für stärker und billiger und setzt sich somit nicht zwingend genug für weitere Auflagen bei den Bundesligavereinen ein.

"Die kleinen dominieren die Großen"

"In der BBL dominieren die kleinen Klubs die großen. ALBA Berlin und Bamberg, die bereit seien, sechs Deutsche einzusetzen, werden regelmäßig überstimmt", führt Pommer aus.

Als Gegenargument bringt er die Professionalisierung der Nachwuchsligen und die Einführung des Ausbildungsfonds ins Gespräch: "Die amerikanischen Spieler sind ein, zwei Schritte voraus." Grund dafür sei das Ausbildungssystem in den USA.

Die Fans, die jedes Jahr fünf neue Amerikaner in ihrem Team anfeuern müssen, scheinen den Verantwortlichen dabei egal zu sein.

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