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Daniel Strauch spielt seit 2003 bei den EWE Baskets Oldenburg © getty

Nach Dirk Bauermanns Rundumschlag wehrt sich Oldenburgs Geschäftsführer Hermann Schüller bei Sport1.de gegen die Kritik.

Von Rainer Nachtwey

München - Mit seinem Rundumschlag zur BBL hat Bundestrainer Dirk Bauermann für viel Wirbel gesorgt. (Bauermann attackiert Vereine)

Zwar entschuldigte er sich über "Spiegel Online" für seine Äußerung - "In Deutschland stehen amerikanische Spieler unter Vertrag, die in den USA im Supermarkt Kisten schleppen würden, wenn sie nicht hier spielen würden" - und nannte sie eine "Eselei, die aus der Frustration heraus entstanden ist", dennoch bleibt das Basketballlager gespalten.

Während sich Trainer wie ALBA Berlins Luka Pavicevic auf die Seite des ehemaligen Bamberg- und Leverkusen-Coachs stellen, fühlen sich insbesondere die namentlich erwähnten EWE Baskets Oldenburg auf den Schlips getreten.

"Die Kritik ist völlig unangebracht und respektlos", beschwert sich Geschäftsführer Hermann Schüller bei Sport1.de und fühlt sich persönlich angegriffen. "Vielleicht sagt er das, weil er sein letztes Spiel in Oldenburg hatte", mutmaßt Schüller.

Bauermann muss sich an die eigene Nase fassen

Zudem hält Oldenburgs Geschäftsführer dem Bundestrainer vor, "auch Herr Bauermann muss sich an die eigene Nase fassen". Schließlich habe der Bundestrainer die Entwicklung mitgetragen, als er Trainer in Bamberg war.

Vor allem die Einbürgerung von Chris Kaman ist in seinen Augen ein Widerspruch, auch wenn Schüller Bauermanns Beweggründe durchaus verstanden hat.

"Ich hätte nicht gerne in seiner Haut gesteckt. Man hat mit aller Gewalt versucht, einen Spieler zu finden, der der Mannschaft helfen kann, der noch irgendwelche deutschen Verwandten hat. Was er uns nun vorhält, muss er sich selbst vorhalten lassen", sagt Schüller.

Schüller gegen Ausländerbeschränkung

Gegen eine Verstärkung der Ausländerbeschränkung spricht sich Schüller aus. "Wir haben gewollt, dass das Niveau der Liga steigt", begründet er. Dies habe man dieses Jahr auch im internationalen Vergleich mit den Topteams aus Spanien oder Italien feststellen können. (DATENCENTER: Die Europa-Liga)

Allerdings gibt Schüller zu, dass sich "dadurch in der Masse eine Kluft aufgetan hat zwischen den deutschen Nachwuchsspielern und den Standards, die wir heutzutage haben".

Zu viele Ausländer sind unangemessen

Vielmehr regt er an, den deutschen Nachwuchs in der Pro A, der 2. Liga, zu fördern. "Wenn dort zu viele ausländische Spieler vertreten sind, ist das unangemessen", sagt Schüller. Denn schließlich sei die Pro A geschaffen worden, damit sich Spieler aus der Nachwuchs-Basketballbundesliga dort weiterentwickeln.

Die jungen Basketballer könnten in der 2. Liga die Spielpraxis und Einsatzzeit sammeln, die ihnen in der BBL verwehrt bleibt.

Deutsche Quote vergrößern

In die gleiche Kerbe schlägt auch Daniel Strauch. "Es wäre sinnvoll, die deutsche Quote in der Pro A und Pro B zu vergrößern", sagt der ehemalige A2-Nationalspieler gegenüber Sport1.de.

Derzeit müssen sechs der zwölf Spieler im Kader der Pro-A-Ligisten einen deutschen Pass besitzen und während des Spiels mindestens ein deutscher Spieler auf dem Parkett stehen.

Fertige Spieler mit 22 Jahren

"Die Amerikaner erhalten durch ihre College-Karriere bereits sehr früh viel Spielzeit. Diesem Beispiel müsste man in Deutschland folgen", fordert Strauch.

"Die jungen Spieler sollten frühzeitig den Weg in die Pro A und der Pro B wählen, um sich dort weiterentwickeln. Dann hätte man mit 22 Jahren schon einen fertigen Spieler, wenn er jedes Jahr eine Liga höher geht", rechnet der Forward vor.

Günther als Paradebeispiel

Bespiele dafür gibt es bereits. So hat Ulms Per Günther zu Saisonbeginn den Sprung aus Hagen in die BBL gewagt und sich dort etabliert. Als Aufbauspieler Dru Joyce verletzt ausfiel, sprang Günther in die Bresche und überzeugte Coach Mike Taylor. (DATENCENTER BBL: Ergebnisse und Tabelle)

"Johannes Lischka hat sehr gute Spiele in der Pro A abgeliefert hat und auch schon in der Bundesliga gezeigt, was er drauf hat. Der hat es genau richtig gemacht: Erfahrung in der Pro A zu sammeln und dort Leistungsträger werden", führt Strauch aus.

Strauch für Ausländerbeschränkung

Doch im Gegensatz zu seinem Boss spricht sich der 28-Jährige für eine Reduzierung der Ausländeranzahl aus. "Das kurzfristig umzusetzen ist sicher schwierig, aber spätestens in zwei, drei Jahren sollte das der Fall sein", hofft Strauch.

Andere Ligen wie Spanien, Italien oder Griechenland haben bereits bewiesen, dass diese Regelung durchaus Erfolg verspricht.

"Es gibt genug gute deutsche Spieler"

"Wenn man sechs deutsche Spieler im Kader haben muss, ist doch klar, dass mehrere deutsche Spieler dann in der festen Rotation sind und nicht nur auf der Bank sitzen", erklärt Strauch. Das habe ihm auch ALBA-Trainer Luka Pavicevic gesagt.

"Wenn er die Möglichkeit hat, sich seinen Kader mit den besten Spielern zusammenzustellen, dann macht er das und nimmt nicht Rücksicht auf die Nationalität. Aber wenn er dazu genötigt ist, deutsche Spieler zu suchen, wird er den Kader ganz anders zusammenstellen", führt Strauch aus: "Und es gibt genug gute deutsche Spieler."

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