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Reggie Redding (M.) spielt seit 2010 in Europa © imago

Reggie Redding fordert mit ALBA im Finale den FCB. Bei SPORT1 spricht er über Lob und Schelte von Obradovic sowie MVP Delaney.

Von Pierre Winkler

München - Die Playoffs der Beko BBL sind für Reggie Redding der vor Basketball überquellende Himmel.

Wenn am Sonntag (ab 15.45 Uhr im LIVE-TICKER, ab 16 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im GRATIS-LIVESTREAM auf SPORT1.de) die Finalserie zwischen ALBA Berlin und dem FC Bayern München startet, ist der Shooting Guard endlich ausgelastet.

Zu seiner Zeit bei den Walter Tigers Tübingen hatte sich Redding noch über die zu seltenen Spiele beklagt. Nach einer Saison in Berlin ist der 25-Jährige längst voll drin im Berliner Rhythmus mit Eurocup und den Playoffs bis zum Ende.

Mit 12,7 Punkten, 4,6 Rebounds und 3,5 Assists pro Spiel beweist er in dieser Spielzeit bislang, dass er für ALBA ein entscheidender Allrounder sein kann. SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen

Dabei steigerte er sich vor allem in der Halbfinalserie gegen die Artland Dragons, war im ersten Spiel mit 19 Zählern (darunter die drei Freiwürfe zur Verlängerung) Topscorer seiner Mannschaft und legte 6 Rebounds sowie 5 Assists oben drauf. (STENOGRAMME: Playoff-Halbfinale)

Im vierten Spiel war er wiederum der Hauptgrund dafür, dass ALBA die Serie auswärts zumachte (10 Punkte, 6 Rebounds, eine Bilanz von +17 auf dem Feld bei einem Acht-Punkte-Sieg).

Im Interview mit SPORT1 spricht Redding über seinen harten Trainer Sasa Obradovic, seine ersten Erfahrungen mit Wäschewaschen und sein Duell mit Bayerns MVP Malcolm Delaney.

SPORT1: In Spiel 1 und Spiel 4 waren Sie der Matchwinner gegen die Artland Dragons. Sind Sie auch gegen den FC Bayern der Go-to-Guy für ALBA?

Reggie Redding: Ich sehe mich eigentlich nicht in dieser Rolle. Wenn ich uns mit einem bestimmten Spielzug zum Sieg helfen kann, will ich aber immer den Ball in meinen Händen.

SPORT1: Trotz Ihrer guten Vorstellungen im Halbfinale kritisierte Coach Obradovic Sie nach einem verhältnismäßig schwachen Auftritt in Spiel 2 öffentlich, forderte Sie auf, "offensiv mehr zu machen". Wie schmeckt Ihnen die serbische Schule des Trainers? (DATENCENTER: Die Playoffs der Beko BBL)

Redding: Nach dieser Niederlage hatten wir ein langes Gespräch, in dem er mir alle Kritikpunkte noch einmal aufgezählt hat. Ich habe versucht, das als Motivation zu nehmen und glaube, danach habe ich wieder ganz gut gespielt. Das hat mir also sehr geholfen. Es kann manchmal hart sein mit dem Trainer. Das liegt an seinem Charakter und an der Art, wie er trainiert: Er ist sehr leidenschaftlich und lebt rund um die Uhr nur für Basketball. Er will, dass alles genau nach seinen Vorgaben gemacht wird. Was ihm nicht gefällt, muss sofort geändert werden.

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SPORT1: Vor einem Jahr riet Ihnen Tigers-Trainer Igor Perovic zum Wechsel nach Berlin. Hat sein alter Freund Sasa Obradovic ihm dafür schon einen ausgegeben?

Redding: (lacht) Das hoffe ich doch. Obradovic ist aber kein Mann großer Komplimente. Hoffentlich ist er zufrieden mit mir. Als Perovic vom Berliner Interesse an mir erfuhr, riet er mir, mit Obradovic zu reden. Aber er sagte mir gleich, dass Obradovic ein komplett anderer Trainer ist als er selbst. Er meinte, das würde trotzdem gut passen. Mir war zu Beginn etwas mulmig vor der Vorstellung, unter einem Trainer wie Obradovic zu spielen. Jetzt weiß ich aber: Ich habe eine sehr gute Entscheidung getroffen.

SPORT1: ALBA hat die Bayern in der regulären Saison zweimal geschlagen, dazu letztes Jahr das Pokal-Halbfinale gewonnen. Was bedeuten diese drei Siege hintereinander?

Redding: Zwei Siege in der regulären Saison machen für uns keinen Unterschied mehr aus. Die Bayern werden die beiden Niederlagen im Kopf haben, sie werden bereit sein. Aber wenn wir gut in der Verteidigung stehen und gut rebounden, haben wir eine Chance. Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir stark unter dem Korb und im Umschalten auf den Angriff sind.

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SPORT1: Nach der Serie gegen Artland nannte Obradovic Sie den "besten Spieler der Liga". Jetzt treffen Sie auf MVP Malcolm Delaney - wer ist denn nun der Bessere?

Redding: (lacht) Ich glaube, da wollte mich der Trainer nur glücklich machen. Es geht natürlich mehr um Berlin gegen Bayern als um mich gegen Delaney. Er ist MVP und spielt beim besten Team der regulären Saison, das hat er verdient. Aber für mich geht es nur um den Meistertitel. Delaney auszuschalten, würde uns natürlich sehr helfen. Er wird es gegen Cliff Hammonds sehr schwer haben, den besten Defensiv-Spieler der BBL. Ich sehe schließlich jeden Tag im Training, wie hart es ist, gegen Cliff zu spielen. Hoffentlich hat er die gleiche Wirkung auf Delaney.

SPORT1: Hammonds hat Sie schon fast in seine Familie aufgenommen, unter anderem verbrachten Sie Weihnachten dort. Wie fällt Ihr privates Fazit nach einem Jahr Berlin aus?

Redding: Berlin ist eine coole Stadt. Manchmal verbringe ich aber auch einfach nur Zeit in meiner Wohnung und entspanne mich oder verbringe Zeit mit meinen Mannschaftskollegen. Außer ihnen habe ich noch nicht wirklich viele Freunde hier. Zu Cliff habe ich eine sehr gute Beziehung. Wir wohnen im selben Haus, sehen uns also oft. Akeem Vargas kannte ich auch noch aus Tübingen, das hat mir ebenfalls geholfen.

SPORT1: Sie fliegen jeden Sommer nach Saisonende für ungefähr zwei Monate in die USA zu Ihrer Familie in Philadelphia. Ihr Vater hat Sie schon in Deutschland besucht, doch Ihre Mutter hat Flugangst. Wird sie ihren Sohn nie als Basketball-Profi live sehen können?

Redding: Vielleicht können wir an ihrer Flugangst arbeiten. Zunächst könnte sie mit einem kürzeren Flug innerhalb der USA anfangen. Dann irgendwann würden wir den langen Flug nach Europa in Angriff nehmen. Davon weiß sie aber noch gar nichts (lacht). Bis jetzt setzt sie keinen Fuß in ein Flugzeug.

SPORT1: Werden Sie also auf absehbare Zeit in Berlin bleiben?

Redding: In der kommenden Saison auf jeden Fall. Ich sehe mich auch in Zukunft hier.

SPORT1: Inwieweit sind Sie in Europa gereift? Zu Ihrer Zeit bei der Villanova University gehörten Sie zu den besten Spielern, wurde aber auch einmal wegen Drogenbesitzes verhaftet und für zehn Spiele gesperrt.

Redding: In meinem ersten Jahr in Europa habe ich auf Zypern gespielt, das war richtig hart. Ich wusste noch überhaupt nicht, wie man auf eigenen Beinen steht. Ich war es gewohnt, alles erledigt zu bekommen. Jetzt musste für mich Verantwortung übernehmen: Kochen, Waschen, all so etwas. Damals war ich mit Anthony King in einer Mannschaft, der heute bei den Artland Dragons spielt. Wir haben uns eine Wohnung geteilt. Er hat mir so viel geholfen: Ohne ihn hätte ich dieses Jahr nicht durchgestanden. Wenn ich heute zu meiner Familie komme, sehen meine Mutter und meine Großmutter, wie sehr ich mich verändert habe, wie selbstständig ich geworden bin. Da sind sie immer sehr überrascht.

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