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Marko Pesic heuerte 2011 beim FC Bayern an, sein Vater Svetislav eineinhalb Jahre später © getty

Der FC Bayern hat den Titel vor Augen, wittert aber eine Kampagne. Die Vorwürfe gelten vor allem Doppelfunktionär Marco Baldi.

Vom FC Bayern berichtet Eric Böhm

München - Als hätte das Spiel nicht genug hergegeben.

Die denkwürdige Pressekonferenz von Coach Svetislav Pesic mit seinem Sohn und Sportdirektor Marko Pesic drängte den 92:86-Erfolg des FC Bayern München im dritten Finale der Beko BBL über ALBA Berlin (Bericht) in den Hintergrund.

Denn der Pesic-Klan trat nach den jüngsten Verbalattacken aus der Hauptstadt eine gewaltige Gegenoffensive los. Geschäftsführer Marco Baldi war das Angriffsziel.

"Er soll aufhören, bei anderen Vereinen und Schiedsrichtern Entschuldigungen zu suchen. Ich habe lange ruhig gehalten, aber jetzt reicht es mir. Das ist respektlos", wetterte Pesic Senior.

"Dann stellen sie für mich auch ein Kreuz auf"

Baldi hatte schon häufig das Auftreten des Münchner Emporkömmlings scharf kritisiert und nach Spiel eins der Finals Spielern wie MVP Malcolm Delaney Schauspielerei unterstellt.

Zusätzlichen Zündstoff brachte der Wechsel von gleich vier ALBA-Spielern um Heiko Schaffartzik vor der Saison zum FCB. Unter anderem hatten die Berliner Fans ein geschmackloses Kreuz mit Schaffartziks Trikot präsentiert.

"Ich habe lange gezögert, etwas über die Verantwortlichen von ALBA zu sagen, weil ich Angst hatte, dann stellen sie für mich auch ein Kreuz auf", folgte nun die Replik von Pesic.

Ärger über Entlassung von Mutapcic

Einmal in Fahrt knöpfte sich die Trainerlegende Baldi richtig vor.

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"Diese Kampagne hat Marco Baldi nach unserem 3:0 in den Playoffs 2013 angefangen. Von den acht ALBA-Meisterschaften haben Pesic und Mutapcic sieben geholt. Seit sie eine Legende wie Emir Mutapcic auf die Straße gesetzt haben, gab es nur noch einen Titel." (DATENCENTER: Die Playoffs der Beko BBL)

Zudem warf er dem Macher der Berliner Undankbarkeit vor: "Ein serbisches Sprichwort sagt: der Hund, den du fütterst, beißt dich am Ende. Ich habe Baldi gezeigt, wie man gewinnt. Immer sind andere schuld, dass er unsere Kontinuität nicht fortsetzen konnte."

Pesic der beste ALBA-Botschafter

Auch die mit Blick auf die Wechsel des vergangenen Sommers kritisierte Transferpolitik, die einzig auf größeren finanziellen Mitteln beruhe, reagierte der Serbe:

"Ich war im Ausland der beste Botschafter für ALBA. Die meisten Spieler sind wegen mir dorthin gegangen, weil sie oder ihre Berater mich gefragt haben." (STENOGRAMME: Die Finals der Beko BBL)

Noch gravierender waren jedoch die Vorwürfe, Baldi würde als Präsidiumsmitglied der Liga gezielt Einfluss pro ALBA und kontra Bayern nehmen:

"Vielleicht fragt er morgen wieder, wieso wir so viele Freiwürfe hatten. Aber vielleicht sollte ich jetzt dem Präsidium vorschlagen, dass Robert Lottermoser nicht mehr pfeifen soll." SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen

Reizfigur Baldi auch im Liga-Präsidium

Bei diesem Reizthema übernahm dann Ex-Nationalspieler Marko Pesic: " Ein Präsidiumsmitglied der BBL kann über unseren Verein alles unter der Gürtellinie sagen, was er will, ohne dass es Konsequenzen hat."

Vor allem der Umgang mit Delaney trieb dem Geschäftsführer die Zornesröte ins Gesicht. "Der beste Spieler der Liga wird als Breakdancer, Flopper oder sonst noch etwas bezeichnet. Ich muss unseren Spielern erklären, wieso sie so attackiert werden, ohne dass etwas passiert. Das ist inakzeptabel", tobte Pesic Junior.

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"Gott sei Dank war Jan Pommer da"

Der FC Bayern fordert auch vom Liga-Boss Konsequenzen. "Gott sei Dank war Jan Pommer heute da. Er hat mir gesagt, er wird sich Gedanken machen", erklärte Pesic.

Die versammelten Medienvertreter überraschte vor allem der Zeitpunkt, aber auch dafür hatten Vater und Sohn eine Erklärung. Man wollte nach der Niederlage in Spiel 2 "nicht als schlechter Verlierer dastehen".

Zudem kündigte Marko Pesic noch eine weitere Abrechnung für das Saisonende an, bezüglich des Umgangs mit den vor der Saison aus Berlin gekommen Spielern: "Dann gibt es die Wahrheit."

[kaltura id="0_ggkedzfu" class="full_size" title="Pesic: Bin unglaublich stolz"]

Reddings Foulprobleme stoppen ALBA

Über Basketball wurde kaum geredet, dabei hätte es die erneut intensive Schlacht durchaus verdient gehabt. ALBA-Coach Sasa Obradovic hielt sich aus der Politik raus.

Nach einer starken ersten Hälfte verlor sein Team die Kontrolle über die Partie - nicht zuletzt weil Topstar Reggie Redding nach seinem dritten Foul auf die Bank musste und dann zu Beginn des Schlussviertels Nummer vier bekam.

"Das war sicher einer der Faktoren. Er ist ein Schlüsselspieler für uns, aber du kannst dich von einem Spieler abhängig sein. Bayern hat aber auch sehr aggressiv attackiert. Darauf fanden wir keine Antwort", sagte Svetislav Pesics ehemaliger Spieler auf SPORT1-Nachfrage.

Pesic verhöhnt den Hexenkessel

Berlin steht nun in Spiel 4 am Mittwoch (ab 19.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) vor heimischer Kulisse extrem unter Druck und braucht einen Sieg, um ein entscheidendes fünftes Endspiel zu erzwingen.

Zum Schluss gab Coach Pesic Widersacher Baldi mit einem Augenzwinkern sogar noch einen Tipp für den zu erwartenden Hexenkessel:

"Jetzt kann er auch für mich ein Kreuz aufstellen, aber die Leute haben nicht vergessen, was wir dort geleistet haben. Diese Geschichte wird auch mit hunderttausend Kreuzen nicht ausgelöscht."

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