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Bayerns Shooting Guard Malcolm Delaney (r.) ist der MVP der Beko BBL © imago

Malcolm Delaney ist der umstrittene Mann der Finals. In Berlin will er mit dem FC Bayern den Titel, danach zieht er wohl weiter.

Von Patrick Mayer

München - Berlin ist ein gutes Pflaster für die Basketballer des FC Bayern München.

Zweimal wurden sie bisher Meister. Und zweimal kam der Finalgegner aus der Bundeshauptstadt. 1954 besiegten sie den BSC Berlin. Und im April 1955 mussten sich die Sportfreunde aus Neukölln geschlagen geben.

ALBA Berlin könnte an diesem Mittwoch, 59 Jahre danach, der dritte Berliner Klub sein, der den Münchenern den Titel überlassen muss. Im vierten Final-Spiel der Beko BBL haben die Bayern Matchball Nummer eins (ab 19.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im LIVESTREAM).

In der Partie stecken viele Geschichten, nicht nur welche aus der Zeit vor dem Mauerbau: Im Vorfeld flogen neben dem Feld die Fetzen. Und auch auf der Platte ging's rüde zu. Im Zentrum vieler Reibereien: Malcolm Delaney. (DATENCENTER: Die Playoffs der Beko BBL)

Malcolm Delaney, die umstrittene Figur

Der MVP aus den USA ist die umstrittene Figur der Finalserie.

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Die Berliner knöpften sich den Spielmacher auf der Platte wiederholt mit deutlichen Worten vor.

"Manche Dinge muss man sehen. MVP Delaney macht Flopping, lässt sich fallen und bekommt das Foul", meinte ALBA-Coach Sasa Obradovic bereits nach dem ersten Spiel klagend.

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Breakdancer - oder einfach zu gut?

Flopping, Breakdancer, Schauspieler, oder gar "Most Valuable Pussy" - wie ein ALBA-Fan auf ein Plakat schrieb: Die Berliner sind kreativ, wenn es darum geht, Delaneys Spielweise als unfair zu betiteln.

Die andere Seite ist, dass der Amerikaner unter dem Korb nicht minder kreativ ist. Weil er das Spiel seiner Mannschaft so gedankenschnell lenkt und darüber hinaus außerordentlich beweglich ist, ist er oft nur unfair zu stoppen.

Und genau das wirft Delaney den Berlinern vor: "Jeder sieht: Das ist kein Basketball. Das sind klare Fouls, die auch weiterhin gepfiffen werden müssen."

Spaß an den Fouls des Gegners

Kleinkriegen lassen will Delaney sich von ALBAs harter Gangart nicht. Im Gegenteil.

"Ich werde schon mein ganzes Leben lang gefoult. Sie spielen mir damit in die Karten. Das motiviert mich", sagt er trotzig. "Sie sollen ruhig weiter so machen, wenn sie glauben, mich so stoppen zu können."

[kaltura id="0_p22sj2nx" class="full_size" title="Highlights 3 Final Spiel"]

ALBA bekommt ihn nicht in den Griff. 26 Punkte erzielte er zuletzt beim 92:86 im dritten Final-Spiel (Bericht) in München - es war der Topwert (STENOGRAMME: Die Finals der Beko BBL).

"Sie haben bisher noch nichts gemacht, was ich nicht schon in den letzten zehn Jahren erlebt hätte. Es macht mir sogar Spaß", hält er auf SPORT1-Nachfrage fest.

Einig mit Olympiakos Piräus?

Diesen Spaß dürfte Delaney künftig anderswo haben: Ein Wechsel ins Ausland nach der Saison zeichnet sich immer deutlicher ab, Euroleague-Sieger Olympiakos Piräus lockt angeblich mit einem 1,5-Millionen-Euro-Deal über zwei Jahre.

"Eurobasket.com" verkündete zu Beginn der Woche sogar schon Einigkeit - die Meldung ist allerdings inzwischen nicht mehr auf dem Portal zu finden.

So oder so: Delaney ist hochmotiviert, in seinem womöglich letzten Spiel für Bayern noch einmal im Mittelpunkt zu stehen. "Wir kommen mit der Meisterschaft zurück", verspricht er vor der Berlin-Reise und erwartet bei Twitter nichts weniger als eine "Schlacht".

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Verantwortliche im Zwist

Was neben dem Spielfeld passiert, trägt dazu bei, die Atmosphäre noch weiter aufzuheizen - vor allem die Fehde zwischen Bayern-Coach Svetislav Pesic und seinem Sohn Marko auf der einen sowie ALBA-Manager Marko Baldi auf der anderen Seite.

Pesic Senior und Junior unterstellten dem 52-Jährigen, als BBL-Präsidiumsmitglied die Schiedsrichter-Ansetzungen zu beeinflussen, wegen dieser Unterstellung droht eine Strafe von Seiten der Beko BBL (News).

[kaltura id="0_ggkedzfu" class="full_size" title="Marko Pesic Bin unglaublich stolz"]

Kurios auch der Nachgang der Affäre: Baldi erklärte, telefonisch das Gespräch mit Pesic suchen zu wollen. Pesic teilte mit, das sei nicht geschehen. ALBA reagierte darauf mit dem Hinweis, dass Baldi viermal versucht habe, beim Trainer durchzuklingeln - worauf die Münchener verkündeten, dass sie Baldi noch einmal die Handynummer übermittelt hätten.

Aufsichtsratschef gießt Öl ins Feuer

Gesprächsbedarf sollte es noch eine Menge geben zwischen den Klubverantwortlichen, in der an diesem Mittwoch erschienenen "Sport Bild" gießt Axel Schweitzer, ALBAs Aufsichtsratschef nochmal Öl ins Feuer.

Reichlich spöttisch spricht Schweitzer von einem "geliehenen Selbstbewusstsein" der Münchener: "Die Bayern treten mit einem Selbstverständnis auf, das sie von den Fußballern übernommen haben. Aber der Unterschied ist: Die Fußballer haben über Jahre Erfolge erzielt, die Basketballer dagegen in der Neuzeit noch nicht."

An diesem Mittwoch können sie zumindest einen Anfang machen.

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