Mit der Methode "Wir gegen alle" hat Trainer Pesic den FC Bayern zur Meisterschaft geführt - und von seinen Problemen abgelenkt.

Die deutlich beste Mannschaft der Saison ist Deutscher Meister.

Der erste Triumph des von Uli Hoeneß revitalisierten FC Bayern ist daher eine gute Nachricht, schließlich könnte die Beko BBL auch 2014/15 im Europapokal nicht besser repräsentiert sein als durch die ambitionierten Münchner, die sich nicht auf dem Meisterlorbeer ausruhen werden.

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Das verbietet sich auch, schließlich ist der Vorsprung auf die Konkurrenz bereits in der Rückrunde, noch merklicher aber in den Playoffs geschmolzen.

Die Serien gegen die MHP Riesen Ludwigsburg, die EWE Baskets Oldenburg und ALBA Berlin waren viel enger, als es mit dem bayrischen Luxus-Kader hätte sein müssen.

Sportlich stagniert das Team seit geraumer Zeit, doch Trainerfuchs Svetislav Pesic hat es geschafft, das nach innen und außen halbwegs zu kaschieren.

Seine Methode erinnert stark an die des Fußball-Erfolgstrainers Jose Mourinho: Er schweißt seine Spieler zusammen, indem er ihnen einimpft, die ganze Welt sei gegen sie.

Da wird die Liga wegen ihres Schiedsspruch für ein Wiederholungsspiel in Ludwigsburg verhöhnt, der langjährige Manager des Finalgegners ALBA, gleichzeitig BBL-Präsidiumsmitglied, mit Amtsmissbrauchs- und Lügenvorwürfen überzogen und Referees in Misskredit gebracht.

Das lässt nicht nur in Berlin böses Blut zurück. Vor allem aber löst es nicht die Probleme, die sich Pesic und sein geschäftsführender Sohn Marko nun stellen müssen.

MVP Malcolm Delaney, von Svetislav Pesic mit Zuckerbrot und Peitsche geführt und pünktlich zu den Finals wieder eine Klasse für sich, lässt sich womöglich nicht halten.

Die in der Beko BBL gängige Praxis, überwiegend Einjahresverträge zu vergeben, bringt den FCB um eine stattliche Ablöse.

Wobei Geld für die Münchner die geringste Sorge bei der Suche nach gleichwertigem Ersatz sein dürfte.

Inmitten eines seltenen Zweijahresvertages ist dagegen der wertvollste Spieler der vergangenen beiden Saisons, John Bryant.

Immer deutlicher wurde zuletzt, dass der schwergewichtige Center dem schnellen Umschaltspiel des FC Bayern eher im Wege steht, wie auch SPORT1-Experte Pascal Roller mehrmals anmerkte.

Auch bei den Deutschen gibt es Sorgenfälle: Robin Benzing, vor der Saison von Pesic senior als bester Deutscher der Liga geadelt, erhielt im Vergleich zu 2012/13 durchschnittlich knapp sechs Minuten weniger Spielzeit pro Partie, auch seine Effektivität sank.

In den Playoffs (5,4 Punkte pro Spiel) war er genauso wenig ein Faktor wie Shooter Lucca Staiger (3,8), bei dem absehbar war, dass er die athletischen Anforderungen von Pesic nicht erfüllt.

Ein erneuter Umbau im Sommer ist unumgänglich, schließlich steigen beim FCB unabhängig von Hoeneß' Inhaftierung die Ansprüche.

Was also hieße: national das Double, in der Turkish Airlines Euroleague der Einzug in die Viertelfinals.

Die Erwartungen gesenkt hatten vor der Saison dagegen die "Albatrosse" nach einer radikalen Verjüngung und dem Verlust von vier Stars an den FCB.

Kein Experte hatte mit dem Pokalsieg und der Vizemeisterschaft vorhergesehen.

Was nicht heißt, dass in Berlin nicht erneut ein Umbruch ansteht.

Schließlich hat Pesic den Finger in die Wunde des einstigen Abo-Champions gelegt und daran erinnert, dass ALBA seit 2003 nur einmal Meister war.

Und andererseits haben Coach Sasa Obradovic, dessen Vertrag ausläuft, und etliche Spieler nicht erst in den hochklassigen Finals Begehrlichkeiten geweckt. Vielleicht auch wieder in München.

Die Fehde zwischen den Basketball-Großmächten wartet nur auf den nächsten Funken.

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