Nach dem Titelgewinn im Feindesland Berlin spürt der FC Bayern Genugtuung. Die Meisterschaft soll nur Zwischenstopp sein.

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Von Carsten Arndt

München - Als der Triumph feststand, verbeugte sich Heiko Schaffartzik vor seinem Publikum.

Erstmals seit 1955 hatte sich der FC Bayern München zum deutschen Meister gekrönt.

Doch statt Beifall und Standing Ovations schlugen Schaffartzik laustarke Pfiffe und Beschimpfungen entgegen.

Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hatte für seine "Ehrenrunde" den falschen Ort gewählt. Denn Schaffartzik befand sich nicht im heimischen Audi Dome, sondern in der O2 World, der Heimstätte ALBA Berlins - und das bedeutet in diesen Tagen Feindesland.

Selten war eine Final-Serie der Beko BBL von derartiger Brisanz, ja fast schon Hass zwischen den beiden Teams geprägt. Am Ende behielt der FC Bayern im letztlich entscheidenden vierten Spiel mit 75:62 (33:30) die Oberhand und entschied die Best-of-Five-Finalserie vorzeitig mit 3:1 für sich.

Schaffartzik in der Hauptrolle

Schaffartzik, der am Mittwoch zwölf Punkte zum Sieg beisteuerte, übernahm von Beginn der Serie an eine der Hauptrollen.

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Als einer von vier ALBA-Profis aus der letztjährigen Starting Five war der gebürtige Berliner in dieser Saison nach München gewechselt.

Er wurde für die Fans ein Spiegelbild dessen, was eingefleischten Basketball-Fans am "neureichen" FC Bayern missfällt - die symbolische Kreuzigung seines Trikots im Herbst war unrühmlicher Höhepunkt der Hassbekundungen gegen ihn. (STENOGRAMME: Die Finals der Beko BBL).

Dass die Berliner mit einer komplett neu zusammengestellten Mannschaft überhaupt den Weg in die Finals fanden, war eine große Überraschung. Besänftigen konnte das die Fans dennoch nicht.

Schaffartzik: "Eine besondere Genugtuung"

Das gesamte Spiel über sah sich Schaffartzik einem gellenden Pfeifkonzert ausgesetzt und so war die Verbeugung am Ende auch eine Art Abrechnung mit den Fans, für die er im vergangenen Jahr selbst noch gespielt hatte.

"Wenn man sieht, mit welchen Hass die Fans nicht nur mir begegnen, sondern auch unserem Trainer Svetislav Pesic, der diesen Verein aufgebaut und zu dem gemacht hat, was er heute ist, dann ist dieser Sieg schon eine besondere Genugtuung", sagte der 30-Jährige bei SPORT1.

[kaltura id="0_4s2iit1i" class="full_size" title="Die Stimmen zum Bayern-Triumph im Video"]

Bayern Nummer eins in Deutschland

Doch auch wenn das "Projekt" FC Bayern Basketball nicht nur für die Berliner Fans nach wie vor ein rotes Tuch ist, ist der FC Bayern ist auf seinem Weg an die Spitze des deutschen Basketballs vorerst am Ziel angekommen.

"Das ist ein großer Erfolg, wir wollen so weitermachen und es am besten auch nächstes Jahr schaffen", gab Trainer Svetislav Pesic die Marschroute für die nächsten Jahre vor. (DATENCENTER: Die Playoffs der Beko BBL).

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Titel für Uli Hoeneß

Einen großen Anteil daran hat auch der ehemalige Klub-Präsident Uli Hoeneß, der derzeit seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung absitzt.

"Schöne Grüße an unseren lieben Uli Hoeneß, seine Frau und die komplette Familie", sagte Pesic: "Uli Hoeneß ist sehr wichtig für das gesamte Basketball-Konzept in der Region. Er hat mit seinem Präsidium den Basketball in München etabliert.

Geschäftsführer und Trainer-Sohn Marko Pesic : "Wir widmen ihm diesen Titel".

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Nächstes Ziel: Europa

Nach einer harten Saison mit der Doppelbelastung in der Euroleague haben die Münchner ihr großes Ziel erreicht.

Doch damit wollen sie sich in der bayerischen Hauptstadt auf Dauer nicht zufrieden geben. Eher früh als spät will sich der Klub auch in der europäischen Spitze etablieren.

Der Einzug in die Top 16 der Turkish Airlines Euroleague, der europäischen Königsklasse, in diesem Jahr soll nur ein Zwischenstopp sein. Auf Dauer möchten die Verantwortlichen in naher Zukunft mit Teams wie dem FC Barcelona oder Real Madrid auf Augenhöhe agieren.

[kaltura id="0_7jr6hmkw" class="full_size" title="Die Highlights des Spiels"]

Was passiert mit Delaney?

Noch allerdings ist es ein weiter Weg bis hin zum absoluten Top-Niveau in Europa, das verdeutlicht auch die Situation um Saison- und Finals-MVP Malcolm Delaney. SHOP: Jetzt Basketball-Artikel kaufen

Schon lange halten sich Gerüchte um einen Wechsel des Spielmachers.

In der vergangenen Woche soll der griechische Spitzenklub Olympiakos Piräus dem Point Guard einen lukrativen Vertrag vorgelegt haben. Aber auch die NBA wird als eine mögliche Alternative gehandelt.

Doch auch die Münchener dürfen sich noch leise Hoffnungen auf einen Verbleib machen.

Auf die Frage, ob man ihn der nächsten Saison in Deutschland wiedersehe, antwortete Delaney bei SPORT1 kurz und knapp: "Hopefully."

Sollte es den Bayern gelingen Delaney zu halten, was sicherlich mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung verbunden wäre, wäre das an weiteres Zeichen an die Konkurrenz aus Deutschland und Europa.

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Party in der Kabine

Doch zunächst ist beim neuen Deutschen Meister feiern angesagt. Schon in der Kabine wurde die rauschende Meisterparty eingeleitet. "Wir sind heute Feier-Weltmeister", jubelte Yassin Idbihi bei SPORT1.

Am Donnerstagfrüh gegen 10 Uhr ging es mit dem Flugzeug zurück nach München, dort wurde der Partymarathon am Nachmittag vor der eigenen Halle fortgesetzt. Rund 1000 Fans bejubelten den neuen Meister am Audi Dome. "Ich denke, wir haben das ganz gut gemacht und das Versprechen eingelöst", sagte Svetislav Pesic von der Bühne aus.

Auch Heiko Schaffartzik war natürlich mit dabei - um sich am richtigen Ort zu verneigen.

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