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Jan Jagla (l.) war beim 76:73-Erfolg über Russland bester Werfer auf dem Platz © getty

Beim Sieg gegen Russland glänzt Jan-Hendrik Jagla als Führungsspieler. Abseits des Courts lästert er aber über die BBL.

Danzig - Mit dem sensationellen Sieg gegen Titelverteidiger Russland hat die deutsche Mannschaft bei der EM in Polen ihre Chancen auf den Einzug in die Zwischenrunde gewahrt.

Im nächsten "Endspiel" müssen die "Bauermänner" schon heute (ab 19 Uhr LIVE und im DSF) gegen Lettland ran.

Der Turniermodus würde im letzten Vorrundenspiel sogar eine Niederlage mit bis zu sechs Punkten erlauben. Denn sollten die bisher ungeschlagenen Franzosen um NBA-Star Tony Parker auch gegen Russland gewinnen, ist Deutschland trotzdem Gruppen-Zweiter und damit weiter.

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Einer der Erfolgsgaranten im Russland-Krimi war Jan-Hendrik Jagla. Der 2.13 Meter-Hühne avancierte mit 19 Punkten nicht nur zum Top-Scorer der Partie, sondern angelte sich noch ganz nebenbei elf Rebounds. (STATISTIK: Nur NBA-Quartett vor Jagla)

Für Jagla, der wie seine Team-Kollegen Sven Schultze, Patrick Femerling und Demond Greene trotzdem noch ohne Verein für die nächste Saison dasteht, war die Vorstellung gegen Russland gute Eigenwerbung.

"Wir Deutsche sind in Deutschland nicht erwünscht."

Eine Rückkehr nach Deutschland kann sich der Flügelspieler, dessen Vertrag beim spanischen Spitzenclub Joventut Badalona nicht verlängert wurde, allerdings nur schwer vorstellen.

"Wir Deutsche sind in Deutschland nicht erwünscht. Die Klubs holen lieber billige Amerikaner, die nur für ihr eigenes Punktekonto spielen und nach einem Jahr wieder verschwinden", klagt Jagla in der "Sport Bild" über die Talenförderung in der BBL.

BBL mit Basketball zum "Weggucken"

Außerdem bemängelt der 28-Jährige das Niveau in der heimischen Liga: "Dort wird grausamer Basketball gespielt, zum Weggucken. Da kann man sich genauso Streetbasketball im Hinterhof anschauen."

Im europäischen Vergleich rangiere die Bundesliga allenfalls auf Rang fünf und hinke Spanien, Griechenland, Italien und der Türkei immer drei bis vier Schritte hinterher. "Selbst die belgische Liga ist teilweise stärker", sagt Jagla und verweist auf die hervorragenden Nachwuchstalente der BBL.

"So hoch veranlagte Spieler wie Tibor Pleiß oder Robin Benzing habe ich in Spanien nicht gesehen. Aber die sind Weltmeister. Irgendetwas läuft in Deutschland verkehrt."

"Falsche Leute auf dem Managerposten"

Jagla fordert deshalb "ein Umdenken bei den Vereinen, aber auf den Managerposten sitzen die falschen Leute". Bundestrainer Dirk Bauermann hatte bereits vor Monaten appelliert, die BBL brauche "ein deutsches Gesicht, um national wahrgenommen zu werden".

BBL-Präsident Thomas Braumann gibt zu bedenken: "Es ist alles eine Preis-Leistungs-Frage. Herr Jagla kann gern in Deutschland spielen, er muss sich nur an das Gehaltsgefüge anpassen."

In Spanien verdiente Jagla zuletzt rund 500.000 Euro pro Jahr. "In der BBL sind maximal 400.000 Euro zu verdienen - aber mit Verlaub, von anderen Kalibern als Jagla", ergänzte Braumann.

Jagla kontert gegen Braumann

Jagla konterte am Mittwoch vor dem EM-Spiel gegen Lettland:

"Ich habe den ULEB-Cup und den spanischen Pokal gewonnen. Ich will mich nicht hinstellen und sagen, dass ich einer der besten Spieler Europas bin, aber für die Bundesliga dürfte es schon noch reichen."

BBL berät über höhere Quote

Am 3. Oktober berät die BBL über eine Anpassung der deutschen Quote in den Vereinskadern. Ab der kommenden Saison (Start am 8. Oktober) sind vier Deutsche vorgeschrieben. Braumann: "Es ist gut möglich, dass wir auf fünf erhöhen."

Bundestrainer Bauermann begrüßte dies: "Das ist sicherlich eine deutliche Verbesserung zu den vergangenen Jahren", meinte der 51-Jährige. Gleichzeitig forderte er aber eine weitere Verschärfung der Deutschen-Quote: "Ideal wäre am Ende aber, dass immer ein Deutscher auf dem Feld steht. Wenn dies erst in drei oder vier Jahren so weit sein würde, wäre dies ja auch hinnehmbar."

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