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Robin Benzing (l.) gehört zu den hoffnungs- vollsten Talenten im deutschen Team © getty

Die DBB-Youngster überzeugen bei der EM und strafen die Kritiker Lügen. Der Bundestrainer nimmt die BBL trotzdem in die Pflicht.

Danzig - Ein erfolgreicher "Dreier" von Robin Benzing, ein wichtiger Offensiv-Rebound durch Heiko Schaffartzik und am Ende die entscheidenen Freiwürfe von Lucca Staiger:

Ausgerechnet die Youngster haben dem DBB-Team bei der EM in Polen den Überraschungserfolg (76:73) gegen Titelverteidiger Russland gesichert.

Obwohl jene drei in der Schlussphase eingesetzten Spieler ihre Länderspiel-Debüts erst in der Vorbereitungsphase feierten, ließen sie mit ihren Teamkollegen zeitweilig sogar das Fehlen von NBA-Superstar Dirk Nowitzki in Vergessenheit geraten.

Bauermann: "Stehen hinter jungen Spielern"

"Es ist schön zu sehen, dass, wenn man jungen Leuten Vertrauen gibt, sie zu solchen Leistungen fähig sind. Ich bin stolz auf die Jungs", sagt Bundestrainer Dirk Bauermann, der gleich fünf Spieler im Alter von 21 Jahren oder jünger für das Turnier nominiert hatte.

"Sie sind hier zum Lernen und dürfen alle Fehler machen. Wir stehen hinter ihnen, egal was passiert", ergänzte der Coach.

Auch ohne Nowitzki eine Zukunft

Beim entscheidenden Gruppenspiel gegen Lettland stehen die "Bauermänner" vor der nächsten gewaltigen Aufgabe. Mit Andris Biedrins von den Golden State Warriors und "Koloss" Kaspars Kambala, dem aktuell zweitbesten Scorer der EM, warten wieder starke Einzelkönner.

Schon vor der Partie am Mittwochabend um den Einzug in die Zwischenrunde stand allerdings fest: Die Auswahl des DBB hat auch ohne Nowitzki eine Zukunft.

Schon am Montag bei der unglücklichen 65:70-Niederlage gegen Frankreich zeigte die stark verjüngte Mannschaft, welch großes Potenzial in ihr steckt.

Dabei waren Spieler wie die Bundesliga-unerfahrenen Benzing (20), Staiger (21) oder der zuletzt sogar in der dritten Liga aktive Elias Harris (20) vor wenigen Monaten nur Basketball-Insidern bekannt.

Keine Angst vor großen Namen

Doch in Danzig zeigten die Talente selbst gegen NBA-Superstars wie dem Franzosen Tony Parker keine Spur von Nervosität.

"Das ist eine Generation, die sich die Aufregung nicht anmerken lässt. Das Coole gehört bei denen zur Grundausstattung", erklärt Bauermann die Gelassenheit seiner Jungs, die in Abwesenheit der "Riesen" Nowitzki (Dallas Mavericks) und auch Chris Kaman (Los Angeles Clippers) groß auftrumpfen.

Vom TV-Zuschauer zum Verantwortungsträger

"Im vergangenen Jahr habe ich noch die Spiele bei Olympia mit Dirk Nowitzki am Fernsehen angeschaut, und jetzt bin ich selbst Nationalspieler. Und ich spüre, dass ich immer sicherer werde", sagt Benzing, der regelmäßig in der Start-Fünf steht und dem Bauermann "riesiges Potenzial" bescheinigt.

Der 2,08 m große Flügelspieler findet es zwar "schade", dass sein Vorbild Nowitzki nicht dabei ist, "aber so müssen wir halt mehr Verantwortung übernehmen." Dies tun die DBB-"Küken", unter denen ausgerechnet 2,15-Meter-Riese Tibor Pleiß (Bamberg) mit 19 Jahren das jüngste ist, bestens - auch außerhalb des Spielfeldes.

"Die Älteren im Team greifen uns immer wieder unter die Arme. Aber natürlich bekommen wir von den Veteranen auch gelegentlich Aufgaben, wie beispielsweise Taschen tragen", sagt Benzing, der in der kommenden BBL-Saison für ratiopharm Ulm spielen wird.

Spielpraxis unverzichtbar

Mit Blick auf das Fernziel Olympia 2012 fordert Coach Bauermann nun auch in der Bundesliga mehr Verantwortung und Einsätze für die deutschen Talente:

"Die Jungen müssen spielen. Vom Zuschauen allein lernen sie nichts", meint der Bundestrainer: "Aber insgesamt sind wir auf einem guten Weg."

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