Nach der "grandiosen" Vorrunde der Deutschen hofft Stephan Baeck in seiner EM-Kolumne auf mehr. Drei Youngster hebt er heraus.

Hallo Basketball-Freunde,

für die Leistung der Deutschen in der Vorrunde der Basketball-EM gibt es nur ein Wort: grandios.

Nachdem das DBB-Team in den ersten beiden Spielen gegen Frankreich und Russland noch unbefreit aufspielen konnte, war es gegen Lettland ungleich schwerer: Zum einen im Bewusstsein, dass bereits eine knappe Niederlage genügt, zum anderen hatten die Youngster sehr physische Gegner. Klar, dass der ein oder andere Ellbogen da Wirkung gehabt hat.

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Apropos Ellbogen: Kaspars Kambala, der ja wohl nach Spielschluss gegen Steffen Hamann ausgekeilt hat, kenne ich nur aus der Ferne - Gott sei Dank. Er ist ein furchteinflößender Zeitgenosse, der sich durch sein physisches Spiel einen Namen gemacht und auch international durchgesetzt hat.

Dass das Ausscheiden nicht einfach zu verkraften ist, ist verständlich. Aber wenn er zu solchen Mitteln greift, muss die FIBA einschreiten und die geeigneten Schritte einleiten.

Beim deutschen Team freue ich mich, dass Jan Jagla Verantwortung übernimmt. Wie der Bundestrainer Dirk Bauermann gesagt hat: Am Ende muss man nicht nur gewinnen wollen, sondern das auch zeigen und das Herz in die Hand zu nehmen. Das hat Jagla mit seinem Dreier, den beiden verwandelten Freiwürfe und dem Defensiv-Rebound getan.

Beim Sieg gegen Russland hat auch Heiko Schaffartzik überragend gespielt. Steffen Hamann gibt dem Team die Sicherheit, aber Schaffartzik bringt neue Impulse und sorgt für Überraschungen. Hinzu kam der wohl entscheidende Dreier von Robin Benzing, der beweist, dass er sich in den nächsten Jahren zu einer Säule und einer dominanten Größe entwickeln wird.

Aber jeder hat seinen Teil zum Erfolg beigetragen, was mir nicht wenig Hoffnung für die Zwischenrunde macht. Diese Mannschaft hat gesehen hat, dass sie jedem Gegner standhalten kann, wenn sie sich - vor allem in der Verteidigung - konzentriert. Im Gegensatz zu Russland und Mazedonien nehmen die Deutschen einen Sieg mit in die Zwischenrunde. Diese Teams müssen erst mal an Deutschland vorbeikommen. Und ich glaube, dass sich die "Bauermänner" sogar noch steigern werden!

Positiv überrascht haben mich zudem die Griechen. Anders als in der Vorbereitung treten sie dominant auf und haben sich in den Favoritenkreis gespielt. Und auch die Polen mit dem ehemaligen Kölner Marcin Gortat haben mich überzeugt. Wie Kambala lebt auch Gortat von seiner Physis - aber auf ganz andere Art. Er schüchtert nicht durch seine Bewegungen ein, sondern spielt seine überragende Athletik aus. Die Polen dürfen vor eigenem Publikum nicht außer Acht gelassen werden.

Euer

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 44, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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