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Dirk Bauermann spielte selbst bei SC Bayer 05 Uerdingen in der Regionalliga © getty

Der DBB-Coach hat für seine Spieler ein offenes Ohr und kümmert sich um die Jugend. Die Verbandsführung ist vollauf zufrieden.

München - Einfühlsame Vaterfigur, strenge Respektsperson und akribischer Talentförderer: Bundestrainer Dirk Bauermann offenbart bei der EM in Polen gleich mehrere Gesichter.

Verteilte der 51-Jährige während der Vorrundenspiele speziell an die jungen Spieler noch verbale Streicheleinheiten, zeigte er sich vor dem entscheidenden Duell um den Viertelfinal-Einzug gegen Kroatien (ab 20.45 Uhr LIVE und im DSF) von seiner autoritären Seite.

In einer Teamsitzung sprach er die Fehler seiner Mannschaft bei der 75: 86-Niederlage gegen Mazedonien knallhart und mit deutlichen Worten an.

"Er wurde schon lauter. Aber damit zeigt er, dass er der Trainer ist, und das ist gut so. Wir haben alle großen Respekt vor ihm", sagt der 19 Jahre alte Center Tibor Pleiß.

Youngster im besonderen Blickfeld

Der jüngste Spieler in der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) lobt zugleich Bauermanns Umgang mit den unerfahrenen Youngstern im Team: "Er nimmt uns oft zur Seite, spricht mit uns und zeigt, was wir noch besser machen können."

Aufbauspieler Heiko Schaffartzik schwärmt sogar, dass er "von keinem anderen Trainer so viel gelernt" habe.

Bauermann selbst beschreibt das von ihm geprägte Arbeitsklima als "familiären Professionalismus". Dabei kümmert sich der neunmalige deutsche Meister in Abwesenheit von NBA-Star Dirk Nowitzki besonders um die fünf Spieler, die 21 Jahre oder jünger sind.

Ziel ist starkes Olympia-Team für London

Schließlich heißt das Ziel nach der Absage von Nowitzki: Aufbau einer talentierten Mannschaft mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London.

"Die Jungs sollen nicht wie in mancher Profimannschaft den kalten Wind des Todes spüren, sondern sich geborgen fühlen. Sie müssen spüren, dass sich jemand um sie kümmert", sagt Bauermann, der dennoch klare Regeln aufstellt:

So dürfen die Spieler auf dem Weg zum Training keine Musik hören. Auch das Telefonieren mit Handys ist nur in bestimmten Phasen erlaubt: "So muss die Truppe miteinander kommunizieren. Das ist gut für den Teamgeist."

Langfristiger DBB-Vertrag

Seit 2003 ist Bauermann Bundestrainer - mit Erfolg: 2005 holte er mit den deutschen Korbjägern bei der EM in Serbien die Silbermedaille.

War er bis vor einem Jahr noch parallel Vereinstrainer bei den Brose Baskets Bamberg, konzentriert sich der viermalige Coach des Jahres seitdem ausschließlich auf den DBB.

Da die Bundesliga eine Doppelfunktion als Vereins- und Nationaltrainer fortan verboten hatte, unterschrieb er beim Verband gleich einen Vertrag bis 2013. Dort ist der Familienvater auch für die Strukturen im Nachwuchs zuständig.

Bauermann hat vollen Anteil am Erfolg

"Er hat viel bei uns verändert. Wir sind zum Beispiel momentan mit jeder Jugendmannschaft in der höchsten europäischen Klasse", sagt DBB-Präsident Ingo Weiss:

"Der Anteil des DBB am Erfolg ist, dass wir Bauermann geholt haben. Die restlichen 99,9 Prozent hat Bauermann gemacht. Ich bin hundertprozentig zufrieden mit ihm."

Bei der EM in Polen ist Bauermann, der mit seinen Spielern einen Mix aus Englisch und Deutsch spricht, ständig gefordert: Training, Videoanalyse, Teamsitzung, Spieltag - der frühere Coach von Bayer Leverkusen steht immer unter Strom.

"Ausschlafen gibt es bei so einem Turnier nicht. Ich bin immer spätestens um sechs Uhr wach, obwohl ich nie vor zwei Uhr schlafen kann", sagt Workaholic Bauermann: "Aber das ist kein Stress - nur ganz viel Spaß!"

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