EM-Kolumnist Stephan Baeck stellt den Deutschen ein klasse Zeugnis aus. Vom Bundestrainer und einem Center ist er begeistert.

Hallo Basketball-Freunde,

trotz der knappen Niederlage war das Spiel gegen Kroatien für die Deutschen ein positiver Abschluss der EM in Polen. Sie standen unter dem Druck, gewinnen zu müssen und haben dennoch bravourös gespielt.

Ich war auch vom 76:84 gegen Griechenland angetan, allerdings steht der Sieg gegen die Russen in der Vorrunde für mich an erster Stelle, eben weil die "Bauermänner" in diesem Spiel den Erfolg auch eingefahren haben.

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Gegen die Mazedonier hat dem deutschen Team die nötige Leichtigkeit gefehlt, damit der Angriff flüssiger läuft und nicht jeder Punkt hart erarbeitet werden muss. Aber es ist doch völlig klar, dass ein junges Team nicht immer eine konstante Leistung abliefern kann.

Spieler wie Robin Benzing, Elias Harris und auch Lucca Staiger haben sich bei der EM einen Namen gemacht. Darauf lässt sich aufbauen. Und mit Tibor Pleiß und Philipp Schwethelm rücken andere junge Spieler nach.

Heiko Schaffartzik hat auch gegen Kroatien unglaublich getroffen, aber man darf auch Steffen Hamann nicht zu streng beurteilen. Sicherlich hat er sowohl im Verein als auch im Nationaltrikot schon besser gespielt. Doch er ist wegen seiner guten Verteidigung sowie seiner Erfahrung im Spielaufbau wertvoll und hat die Bälle geschickt verteilt.

Jan Jagla hat sich durch das polarisierende Interview, das er gegeben hat, viel Druck aufgeladen. Phasenweise hat er dem Taten Folgen lassen. Aber er ist nicht der konstante Leader im Team; das war Patrick Femerling, der den Turm in der Schlacht gestellt hat.

Auch vom Trainer bin ich absolut begeistert. Er hat jetzt neue Erfahrungen gesammelt und sich nochmals weiterentwickelt. Er ist schließlich noch ein junger Trainer. Er hat die Jungs richtig angepackt. Dass er diesem jungen Team so viel Selbstvertrauen gegeben hat und sie ihr eigenes Spiel hat finden lassen, zeichnet einen guten Coach aus.

Dazu kommt, dass er die Nationalmannschaft nach außen repräsentiert hat und als Ansprechpartner da war, für die Probleme, die es im deutschen Basketball gibt.

Die Re-Integration von Dirk Nowitzki und Chris Kaman sind für mich zwei paar Schuhe. Ich bin wie der Großteil der Erdbevölkerung großer Nowitzki-Fan und mag auch das Spiel von Kaman.

Ich glaube aber nicht, dass man einen schon gestandenen Spieler einfach einbürgern sollte. Wenn man den Weg geht, dass junge Spieler gefördert werden sollen, dann nimmt auch so ein Profi diesen Jungs den Platz weg. Mit Pleiß und Tim Ohlbrecht haben wir doch die Center der Zukunft bereits gefunden!

Natürlich wäre mit Nowitzki vielleicht die direkte WM-Qualifikation möglich gewesen. Aber das ist graue Theorie. Auf jeden Fall war es wichtig, wie sich die Mannschaft auch ohne Nowitzki präsentiert hat, um dem Weltverband FIBA zu sagen, dass hier wieder eine Basketball-Nation heranwächst, die es Wert ist, international gesehen zu werden.

Daher hoffe ich sehr, dass die Deutschen eine Wildcard für die WM 2010 erhalten.

Euer

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 44, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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