EM-Kolumnist Stephan Baeck gratuliert Spanien zum EM-Titel. Neben dem neuen Titelträger stellt er den Serben ein gutes Zeugnis aus.

Hallo Basketball-Freunde,

mit Spanien ist die richtige Mannschaft Europameister geworden. Es gab kein Team, das es mehr verdient hatte als das um Pau Gasol. Die Spanier haben in der Finalrunde überragend und dominant gespielt.

Dies spiegelt sich auch deutlich in den Ergebnissen von Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel wieder. Einzig gegen Griechenland blieben sie im Halbfinale mit 18 Zählern unter dem 20-Punkte-Vorsprung.

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Aber man darf nicht vergessen, dass die Spanier in der Vorrunde auch ihre Probleme hatten. Erst die Auftaktniederlage gegen Serbien, dann gegen die Türkei verloren - sie mussten durchaus zittern.

Aber das sind die Ereignisse, die eine große Mannschaft braucht, um sich im Turnier zu steigern. Eindrucksvoller kann man so eine Meisterschaft nicht gewinnen.

Man muss dazu sagen, dass sie nicht nur hervorragend in der Verteidigung standen, sondern auch nach vorne schönen, schnellen, erfrischenden Basketball zeigten.

Das macht das Spiel der Spanier so besonders. Viele Mannschaften verteidigen sehr gut, sind dann aber im Spielaufbau nach vorne sehr langsam und sehr kontrolliert. Die Spanier sind hier ganz das Gegenteil. Sie üben in der Verteidigung und im Angriff enormen Druck aus.

Ihre erste Fünf mit Ricky Rubio, Rudy Fernandez, Jorge Garbajosa, Pau Gasol und Juan Carlos Navarro ist überragend. Das ist eine Starting-Five, die von der Qualität ihres Gleichen sucht.

Zu den Überraschungen des Turniers gehört für mich die deutsche Mannschaft, die mehr erreicht hat als so manch einer ihr zugetraut hatte. Zu den Überraschungen zähle ich auch Serbien, das zusammen mit Deutschland die jüngste Truppe ins Rennen geschickt hat. Die Finalteilnahme ist ein riesiger Erfolg, der zeigt, dass mit den Serben in den nächsten Jahren zu rechnen ist.

Von den Spaniern einmal abgesehen, haben für mich auch Erazem Lorbek aus Slowenien und der Türke Ersan Ilyasova, sowie der griechische Aufbauspieler Vasileios Spanoulis eine sehr gute EM gespielt. Enttäuschend war für mich das Auftreten von Hedo Türkoglu, der in den entscheidenden Momenten das Spiel der Türken nicht an sich reißen konnte.

Wenn man dieses Turnier mit Spanien als Sieger als Ausblick für die kommende WM in der Türkei betrachtet, ist der europäische Basketball auf einem Niveau mit den Top-Nationen USA und Argentinien. Da kann man keinen Unterschied erkennen.

Wichtig wäre, dass wir die Wildcard erhalten, um uns auf internationaler Ebene zu zeigen - Präsident Ingo Weiss ist da guter Dinge. Die Mannschaft wird sich weiterentwickeln. Gemeinsam mit Dirk Nowitzki, der hoffentlich bereit ist, zu spielen und von Mark Cuban grünes Licht für 2010 erhält, kann sie den Basketball in Deutschland weiter voranbringen.

Euer

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 44, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.

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