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Joakim Noah wurde 2007 von den Chicago Bulls an 9. Stelle gedraftet © getty

Ohne zwei Mavs aber mit sechs NBA-Profis geht die "Equipe Tricolore" in die EM. Die Erwartungen beim DBB-Gruppengegner sind hoch.

Von Rainer Nachtwey

München/Pau - Es flossen fast die Tränen: Vergangenes Jahr reiste Joakim Noah geknickt von der französischen Nationalmannschaft ab.

Ein Einsatz für die "Equipe Tricolore" bei der WM in der Türkei blieb ihm verwehrt. Der Arbeitgeber sagte schlicht und einfach "Non".

Aus versicherungstechnischen Gründen untersagten die Chicago Bulls dem Center die Teilnahme.

"Das war einer der bittersten Momente meiner Karriere", sagte der Sohn der französischen Tennis-Legende Yannick Noah damals, "erst mitzutrainieren und dann die Jungs zu verlassen, ohne ihnen helfen zu können."

Drei Länderspiele erst

Nun will der in New York geborene Noah in Litauen erstmals das Geburtsland seines Vaters bei einem internationalen Großereignis vertreten. (Die Basketball-EM vom 31. August bis 18. September LIVE im TV auf SPORT1)

Aufgrund seiner multikulturellen Wurzeln - sein Großvater war Fußball-Nationalspieler Kameruns, seine Mutter Miss Schweden 1978 - hätte er auch für die Nationalmannschaften der USA, Schwedens und Kameruns hätte auflaufen können.

Lediglich drei Testspiele gegen Österreich, Belgien und Tschechien aus dem Sommer 2009 stehen bislang zu Buche.

Warten auf Grünes Licht

Doch der Einsatz des 26-Jährigen ist noch nicht in trockenen Tüchern. Nachdem er zum Beginn der Vorbereitung ins Trainingslager nach Pau gereist war, wurde bei ihm eine Verletzung am rechten Sprunggelenk diagnostiziert.

Nach Untersuchungen in Los Angeles mit anschließender Reha-Phase steht der Center vor der Rückkehr ins Trainingslager der Auswahl von Nationaltrainer Vincent Collet.

"Wir erwarten ihn die nächsten Tage in Pau", sagte Teamdirektor Patrick Beesley nach den Vorbereitungsspielen gegen Kanada. "Aber noch müssen die Ärzte grünes Licht geben. Es kann sein, dass er später kommt. Alles hängt von seinem Knöchel ab."

[kaltura id="0_x1a0sdxk" class="full_size" title="Nowitzki sagt Ja zur EM"]

Parker appelliert an Teamgeist

Die Erwartungen an Noah sind groß, wie an das gesamte Team, das mit sechs NBA-Spielern in die EM in Litauen gehen wird. Dort trifft die "Equipe Tricolore" in der Gruppe B auf die deutsche Mannschaft, Italien, Serbien, Israel und Lettland (DATENCENTER: EM-Spielpan).

"Wir sollten ihn nicht zu sehr unter Druck setzen", meinte Spielgestalter Tony Parker von den San Antonio Spurs. "Er allein kann nicht alles ändern. Wenn wir weit kommen wollen, müssen wir alle unsere Leistung abrufen und als Team funktionieren."

Weit, damit ist mindestens die Wiederholung des letzten EM-Ergebnisses gemeint: Platz 5 und damit Teilnahme am Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2012. "London, das ist der große Traum von uns allen", sagt Parker.

Franzosen fertigen Kanada ab

In den beiden Partien gegen die Nordamerikaner stellten "Les Bleus" ihre Ambitionen bereits unter Beweis. Beim 106:44 (57:17) fegte die Collet-Truppe über die Kanadier gerade zu hinweg.

Allen voran Forward Boris Diaw von den Charlotte Bobcats. Mit 16 Punkten war er bester Werfer, zudem verteilte er 8 Assists und schnappte sich 6 Rebounds.

"Wenn die Maschine erst einmal angelaufen ist, ist es schwer, sie aufzuhalten", tönte der Kapitän.

Im zweiten Duell behielten die Franzosen dann mit 86:69 (42:38) die Oberhand. Wieder stachen mit Parker (16 Punkte) und Nicolas Batum (15) zwei NBA-Profis heraus.

Große Tiefe im Frontcourt

Zumal Collet mit Noah unter dem Korb zu Ronny Turiaf von den New York Knicks und Ali Traore (von Rom zu BC Lokomotiv-Kuban Krasnodar gewechselt) noch zusätzliche physische Präsenz auf der Centerposition zur Verfügung stehen wird.

Diese Kombination dürfte es selbst mit Titelverteidiger Spanien um die beiden Gasol-Brüder aufnehmen können.

Und Collet kann es sich sogar leisten, auf NBA-Champion Ian Mahinmi, Center der Dallas Mavericks, zu verzichten - ebenso auf Mavs-Guard Rodrigue Beaubois.

Pietrus fehlt verletzt

Einzig der sichere Ausfall von Mickael Pietrus schmerzt den Coach. Der Guard von den Phoenix Suns muss aufgrund einer Knieverletzung passen. "Ich hätte fast geweint", zeigte sich Pietrus enttäuscht.

Bruder Florent, mit dem Mickael bei der EM 2005 gemeinsam die Bronzemedaille gewann, wird die Pietrus-Familie in Litauen vertreten. "Wir wissen, dass der Druck höher ist als sonst", sagt der ältere Pietrus, "aber das hat jedes Team, das bei der EM antritt. Die Olympischen Spiele hängen im Hinterkopf."

Starke Verteidigung

Coach Collet blickt guter Hoffnung auf das Turnier in Litauen, bei dem die Franzosen dritter Gruppengegner von der deutschen Auswahl um Dirk Nowitzki sind.

"Wir hatten 2009 schon eine der besten Verteidigungen, und wir haben gesehen, wie weit uns das führen kann", erinnert sich der Trainer. "Jetzt müssen wir das Spiel nur noch schneller machen."

Und unter dem Korb soll dann Noah abräumen - wenn er denn diesmal darf und kann.

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