Frank Buschmann nimmt Abschied - auch vom "fantastischen" Nowitzki. Der SPORT1-Kolumnist schwärmt und lässt eine Hintertür offen.

Liebe Basketball-Freunde,

der Traum ist geplatzt, es hat nicht sollen sein gegen die Gastgeber im basketballverrückten Litauen.

Obwohl das sportlich absehbar war und sich auch Dirk Nowitzkis Abschied anbahnte, musste ich nach der Schlusssirene doch schlucken.

Zumal es auch für mich ein Einschnitt ist, da ich nach zehn Jahren als Reporter der deutschen Basketball-Nationalmannschaft aufhöre. Da ist auch einige Wehmut dabei, weil ich ja ganz nah, manchmal fast zu nah dran war am Team.

Ich denke gerne zurück, vor allem an den fantastischen Menschen und Sportler Dirk Nowitzki. Und an die Erfolge, von denen ein Reporter natürlich auch abhängig ist.

Bei der EM 2001 wurde der deutsche Basketball acht Jahre nach dem Triumph von München wieder wachgeküsst - vor allem durch das dramatische Halbfinale im Abdi-Ipekci-Palast von Istanbul, das ja leider nach Verlängerung verloren ging.

Vier Jahre später hat Nowitzki die Deutschen dann alleine zu Silber getragen, im Halbfinale diesen unglaublichen Wurf zum Sieg über Spanien in den Schlusssekunden verwandelt.

[image id="be13c538-646c-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Zwar waren die Griechen im Finale von Belgrad klar überlegen. Aber wie bei der Auswechslung des Turnier-MVP Nowitzki 18.000 Serben aufgestanden sind und applaudiert haben, war schon gewaltig.

Und dann natürlich die Olympia-Quali 2008 in Athen - noch so ein großer Moment, in erster Linie für Nowitzki, den die Emotionen danach übermannt haben.

Aber die größte Anerkennung habe ich in einem Jahr erhalten, als Deutschland weniger erfolgreich war - nämlich in diesem. Wie viele Leute mich in den Communities zum Weitermachen bewegen wollten, ist eine schöne Bestätigung.

Offensichtlich ist doch klar geworden: wenn ich am Mikro richtig durchgedreht habe, war das keine Show, keine Selbstdarstellung. Es war die pure Begeisterung für die Sportart.

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die 2013 in Slowenien, ohne Nowitzki, Chris Kaman und Dirk Bauermann noch die gleiche ist.

Allerdings habe ich mir für 2015 eine Hintertür offen gelassen, falls die EM tatsächlich im eigenen Land steigt. Da habe ich auch dem DBB-Präsidenten Ingo Weiss versprochen, in irgendeiner Weise zur Verfügung zu stehen.

Bis dahin aber muss einiges passieren. Ich glaube zwar nicht, dass der Basketball hierzulande in der Versenkung verschwindet, aber eine rosarote Zukunft möchte ich auch nicht malen.

Auch wenn jetzt einige sagen, der Buschmann macht es sich zu einfach: Der DBB und die Beko BBL müssen unbedingt Konzepte entwickeln, damit deutsche Spieler nicht nur auf dem Spielbericht stehen, sondern auf dem Spielfeld.

Sonst reifen auch bis 2015 keine Youngster von europäischem Format heran. Und der neue Bundestrainer steht im Regen.

Für den scheidenden Dirk Bauermann tut es mir leid, dass der eine große Titel ausgeblieben ist. Aber es war über all die Jahre eine Mischung, die gepasst hat.

Nun aber ist der klare Schnitt vielleicht auch gut, und Bauermann hat ja mit dem FC Bayern München ein neues spannendes Projekt. Gut, dass der Basketball dadurch in den Schlagzeilen bleibt.

Euer, Frank Buschmann

Die Stimme von Frank Buschmann ist jedem Sport-Fan ein Begriff: Egal ob beim Basketball oder Fußball - Frank Buschmann moderiert und kommentiert bei SPORT1 mit Leib und Seele und Expertise. Er begleitet im Fußball jeden Spieltag der Zweiten Liga mit einer Kolumne - und natürlich die Ereignisse rund um die deutsche Nationalmannschaft bei der Basketball-EM in Litauen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel