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Dirk Nowitzki wurde bei der WM 2002 zum wertvollsten Spieler gewählt © getty

Der geplatzte Olympiatraum tut dem Superstar "sehr leid. Es lag alles an mir." Der Bundestrainer glaubt: "Er kommt zurück."

Aus Vilnius berichtet Michael Spandern

Vilnius - Über 13 Jahre nach seinem Debüt im Deutschland-Trikot geht Dirk Nowitzki mit einem schlechten Spiel, aber großen Worten.

Zwar wolle er "schauen, was die Zukunft bringt". Aber nach dem Zwischenrunden-Aus bei der EM in Litauen, das die 75:84-Niederlage gegen die Gastgeber besiegelte, deutet alles auf Abschied hin (BERICHT: "Bauermänner" verglühen in grüner "Hölle").

"Es waren 13 tolle Jahre. Es war eine Riesenzeit mit großen Erfolgen, auf die ich immer mit einem lachenden Auge zurückschauen werde", sagte der beste deutsche Basketballer aller Zeiten, nachdem SPORT1 ihm einige Höhepunkte vorgespielt hatte.

(Die EM LIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+)

"Jeden Sommer präsent"

Sichtlich bewegt bedankte er sich vor laufender Kamera und wenig später in der Mixed-Zone beim Deutschen Basketball-Bund, bei Trainern, Mitspielern, Physios, sogar den Journalisten. Dankbar, "wie viele Leute ich kennengelernt habe und was mir der Basketball alles gegeben hat" (Video).

Bei der EM 2013 in Slowenien sei er 35 Jahre, gab er zu bedenken, erst " in ein paar Jahren kann man sich wieder unterhalten".

Er will dem deutschen Basketball erhalten bleiben, hatte er bereits vor der Partie betont, "ich bin ja jeden Sommer in Deutschland. Da bin ich schon präsent und hier und da bei der Mannschaft dabei".

"Ich muss sie alleine schlagen"

Abschied zu nehmen, fiel Dirkules schwer, erst Recht, nachdem er im entscheidenden Spiel nur vier seiner 17 Würfe getroffen und das Turnier mit einem Punktedurchschnitt von 19,5 beendet hatte.

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"Ich glaube, es lag alles an mir", sagte Nowitzki und gab Preis, unter welch übermenschlichen Druck er sich gesetzt hatte: "Normalerweise, so denke ich in meinem Kopf, muss ich deren ganze Mannschaft alleine schlagen."

Nowitzki als Hauptschuldiger? Ja, sagte er: "Die Jungen waren super, der Chris war super, aber ich war nicht in der Verfassung, ein großes Turnier zu spielen und zu dominieren, wie ich es immer gemacht habe. Es tut mir sehr leid."

Bauermann nimmt Nowitzki in Schutz

Warum dies so war, wusste der NBA-Champion selbst. Und Bauermann erinnerte noch einmal, dass Nowitzkis Weg bis zum ersten Titel im Juni 103 Spiele umfasste (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

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Daher widersprach er den Selbstbezichtigungen seines Superstars entschieden: "Da von Schuld zu reden, wäre falsch." An Nowitzki habe es am allerwenigsten gelegen, dass Deutschland nicht unter die letzten Acht vorgestoßen ist.

"Es ist ja vorbildlich, Verantwortung zu übernehmen und spiegelt seinen Charakter wider zu sagen: 'Es war mein Fehler.' Aber es war nicht sein Fehler", stellte der Bundestrainer fest. "Dass er es sich nach dieser Mini-Pause überhaupt angetan hat, sich zwei Wochen lang verprügeln zu lassen, finde ich unglaublich."

Heim-EM lockt

Bewusst bemühte er ein Klischee: "Wir haben als Mannschaft einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber wir haben unser Ziel auch als Mannschaft nicht erreicht."

Bauermann überraschte allerdings mit einer klaren Meinung zu Nowitzkis Zukunft: "Ich glaube, er ist noch nicht fertig, er kommt für Deutschland zurück. Vielleicht nicht 2013, aber danach. Das ist mein Gefühl."

Die Heim-EM - für die sich der DBB gemeinsam mit Frankreich, Italien und Kroatien bewirbt - ist verlockend, hatte Nowitzki selbst erklärt.

"Nicht das letzte Mal"

Auch sein eigenes Comeback hat Bauermann, dessen Vertrag nach acht Jahren ausläuft und der noch in dieser Woche seinen Hauptjob beim FC Bayern wieder aufnimmt, im Gefühl.

"Für mich ist es eine Zäsur. Aber es geht nicht um mich, es wird auch ohne mich weitergehen", sagte er zwar.

"Aber ich glaube nicht, dass es das letzte Mal war, dass ich die Verantwortung für eine deutsche Basketball-Nationalmannschaft getragen habe, so der 53-Jährige.

Wann das nächste Mal sein wird? "Wer weiß das schon?"

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