Das deutsche Vorrunden-Aus bei der EM hat viele Gründe - einige hat der Trainer zu verantworten. Manches erinnert an 2010.

Pleite gegen die Belgier, Pleite gegen die Ukraine, Pleite gegen die Briten. Gegner, die in der Weltrangliste auf den Plätzen 77, 50 und 23 geführt sind, wobei Großbritanien noch von den Punkten vom olympischen Turnier im Heimatland profitiert.

Das Wort Blamage ist nicht übertrieben für das Abschneiden der deutschen Korbjäger, noch Weltranglisten-13., die erstmals seit 18 Jahren die Vorrunde nicht überstanden.

Erklärungen gibt es einige, und das Fehlen aller fünf deutschen NBA-Profis sowie der äußerst ungünstige Spielplan, der den DBB-Riesen vor dem zweiten und dritten Match nur jeweils rund 19 Stunden Pause zugestand, dürfen nicht verschwiegen werden.

Dennoch war ein Weiterkommen in einer Gruppe, in der vermeintlich nur Frankreich besser aufgestellt war, zu erwarten - wie FC-Bayern-Trainer Svetislav Pesic vor dem Turnier zu Recht bemerkte.

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Bundestrainer Frank Menz, und darin liegt ein gewichtiger Grund fürs Ausscheiden, hat das nie richtig klar gemacht. Davon, dass der Zwischenrunden-Einzug gefordert sei, wollte er nichts wissen.

Unabhängig von den Ergebnissen sollte guter Basketball präsentiert werden - ein nicht messbares Ziel und mithin kein gültiges.

Wer so in Titelkämpfe geht, baut einem frühen Aus vor und nimmt die Spieler aus der Pflicht. Schlimmer: er signalisiert ihnen, dass er nicht felsenfest von ihrer Stärke überzeugt ist.

Im Auftaktspiel gegen die mit sechs NBA-Akteuren angetretenen Franzosen belehrten sie Menz eines Besseren. Danach beschlichen sie Zweifel, dass sie unter Druck an dieses Niveau anknüpfen können.

Die Verantwortung wurde zu oft auf Topscorer Robin Benzing und Regisseur Heiko Schaffartzik abgeschoben.

Und in der Defensive schaffte es Deutschland bei allen drei Niederlagen nicht, die Spitzenkräfte des Gegners zu stoppen. Es gab nicht mal erkennbare Reaktionen, als diese heißliefen.

Vieles erinnerte an die WM 2010, als die Deutschen ebenfalls ohne ihre damals zwei NBA-Profis antraten, ebenfalls den nominell stärksten Gruppengegner (die Serben) bezwangen, um dann sang- und klanglos mit einer Schlappe gegen Angola auszuscheiden.

Auch damals stellte der Bundestrainer - Dirk Bauermann - das Auftreten über die Resultate. Auch damals wurde die Abwehr nicht schwindelig gespielt, sondern von Individualisten überrumpelt.

Die Folgen aber sind diesmal ungleich schwerer: Durch das Verpassen der WM 2014 verschwindet das Nationalteam, dass sich im Vorjahr gerade durch die Qualifikationsmühlen aus der Versenkung gekämpft hatte, wieder in eben diese.

Und der Traum von den Olympischen Spielen in Rio ist beinahe schon zur Illusion geworden.

Denn dafür wäre nach jetzigem Leistungsstand eine Rückkehr von Dirk Nowitzki zur EM 2015 zwangsläufig, um die erste Qualifikationshürde zu überspringen.

Doch es darf getrost bezweifelt werden, dass Dirkules durch die jüngsten Pleiten Lust bekommen hat, sich noch mal vor den Karren spannen zu lassen. Schließlich müsste er mindestens genauso viel Last ziehen wie bei seinen vergangenen, kräftezehrenden Turnieren im deutschen Trikot.

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