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Tibor Pleiß feierte 2009 sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft
Tibor Pleiß wurde im NBA-Draft 2010 an der 31. Stelle ausgewählt © imago

Mit 23 Jahren kommt dem deutschen Center bei der EM eine Schlüsselrolle zu. Auf großem Fuß will er Signale über den Teich senden.

München - Umrechnungstabellen sind keine echte Hilfe. Meist hören sie bei 50 auf, eigentlich reicht das ja auch. Doch Tibor Pleiß lebt eben auf ganz besonders großem Fuß.

"US 18" gibt der Center auf seiner Homepage als Schuhgröße an - schätzungsweise ist das in Europa eine 55. Vom Scheitel bis zur Sohle misst er 2,15 Meter, beste Voraussetzungen für eine "große Rolle" im Spiel. Die nimmt Pleiß in der Nationalmannschaft mittlerweile auch abseits des Feldes ein.

"Das ist ein interessantes Gefühl, eine neue Herausforderung für mich, mehr Verantwortung zu übernehmen", sagt der einzige Legionär im deutschen EM-Team. (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Pleiß in einer Führungsrolle

Dabei ist er mit seinen 23 Jahren der Drittjüngste in der neuformierten Mannschaft, aber Pleiß hat so viel Erfahrung wie kaum ein anderer. In Slowenien spielt der Profi des spanischen Erstligisten Caja Laboral ab der kommenden Woche bereits seine dritte Europameisterschaft.

Auch bei der WM 2010 in der Türkei war Pleiß schon dabei. Die Situation ist für den Schlüsselspieler unter dem Korb jetzt aber eine neue.

"Es ist ein anderes Gefühl für mich als in den letzten Jahren. Ich versuche natürlich, den jungen Spielern, die ihre erste EM spielen, auch ein wenig zu helfen", sagt Pleiß und klingt wie ein Routinier.

Unumstrittene Nummer eins

Der 75-malige Nationalspieler ist für die Aufgabe prädestiniert, er hat, wie er sagt, die beiden ersten EM-Endrunden eher "miterlebt" und kennt das Gefühl, zweite Wahl zu sein.

Bei der Eurobasket in Litauen war NBA-Profi Chris Kaman als Center gesetzt. 2011 war das, als Pleiß von den 18 Bundesliga-Trainern zum besten deutschen Nachwuchsspieler gewählt wurde.

Diesmal ist Kaman nicht dabei, Pleiß ist die Nummer eins am Brett, und dass er die Position ausfüllen kann, zeigte sich erst wieder am vergangenen Wochenende beim Supercup in Ulm. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Stütze für die Neulinge

Pleiß hat in seinen sieben Profijahren gelernt, mit Niederlagen umzugehen, und er gibt seine Erfahrungen weiter: "Manche Spieler haben manchmal den Kopf hängen lassen, da klopft man denen auf die Schulter und sagt: Das ist euer erstes Mal. Ich hab' das auch zwei Jahre mitgemacht."

Diese Zeiten sind für Pleiß vorbei, über die Jahre hat sich der Riese unverzichtbar gemacht. 2006/07 debütierte Pleiß in der ersten Liga und wurde mit RheinEnergie Köln Pokalsieger.

Nach seinem Wechsel zu den Brose Baskets Bamberg (2009) holte er diesen Titel noch drei weitere Male, dazu drei Meisterschaften.

NBA bleibt das Ziel

Dann war es Zeit für den nächsten Schritt. Pleiß setzte sich 2012 nach Spanien ab, und auch dort lief es. Mit dem Topklub aus Vitoria beendete er die Saison hinter Meister Real Madrid auf Platz zwei, in der Euroleague ging es immerhin bis ins Viertelfinale.

Das Baskenland soll aber auch nur eine Zwischenstation sein, Pleiß träumt noch immer von der NBA. Der Anruf lässt allerdings seit mittlerweile drei Jahren auf sich warten.

2010 war Pleiß von den Nets gedraftet worden, anschließend wurden die Rechte an Oklahoma City Thunder weitergegeben. Der Klub hält sie noch immer.

Pleiß will kein Kanonenfutter sein

Die fehlende Masse im Vergleich zu den US-Brocken gilt nach wie vor als größter Nachteil. Allerdings präsentiert sich Pleiß in diesem Sommer an den Brettern muskulöser und auch aggressiver. Das wird den NBA-Scouts in bei den Vorrundenspielen in Ljubljana nicht entgehen.

Eine starke EM würde Pleiß sicher helfen, wieder auf den Radarschirm zu kommen. Deutschland ist nur Außenseiter, doch das spielt für Pleiß keine Rolle: "Wir werden nicht zur EM fahren und sagen, das ist jetzt schon gegessen."

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