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Frank Menz beerbte im Dezember 2012 den zum FC Bayern gewechselten Svetislav Pesic als Bundestrainer © imago

Bundestrainer Menz sieht in den EM-Absagen eine Chance. Mit SPORT1 spricht er auch über Schaffartziks Bürde und Pesics Forderung.

Von Rudi Brückner

München - Auch für ihn ist es die Premiere: Bundestrainer Frank Menz führt die Nationalmannschaft bei der EM in Slowenien erstmals als Chef in ein großes Turnier.

Der erfolgreiche Nachwuchscoach und Ex-Assistent seines Vorgängers Svetislav Pesic ist um seine Aufgabe aber nicht unbedingt zu beneiden. Neben Superstar Dirk Nowitzki fehlen auch die anderen vier NBA-Profis im Aufgebot.

Der Deutsche Basketball Bund (DBB) schickt daher eine sehr junge Mannschaft ins Rennen, die speziell im Auftaktspiel gegen Mitfavorit Frankreich (Mi., ab 21 Uhr LIVESCORES) krasser Außenseiter sein wird. (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Schwankend waren auch die Auftritte in der Vorbereitung. Immerhin gelang im letzten Test ein souveräner Erfolg über Schweden (Nachbericht). Menz sieht in den Absagen aber auch eine Chance für Talente, sich in den Vordergrund zu spielen.

Im SPORT1-Interview spricht der 49-Jährige auch über seine Ziele für Slowenien, Robin Benzings Form, Heiko Schaffartziks Führungsrolle und die Chancen in der Gruppe.

SPORT1: Herr Menz, auch für Sie ist die EM das erste Turnier als Cheftrainer. Was wollen Sie in Slowenien erreichen?

Frank Menz: Wir setzen uns nicht ein großes Ziel, um eine Platzierung zu erreichen. Unsere Zielsetzung war von vornherein klar: Wir wollen, dass die talentiertesten und perspektivreichsten Spieler so früh wie möglich auf höchstem Niveau Erfahrung sammeln. Das haben wir schon in der Vorbereitung gemacht. Wir hatten, fünf, sechs Spiele gegen die Top fünf in Europa. Da gab's auch ein paar Niederlagen. Aber wir haben gute Erkenntnisse bekommen, woran wir kurz- und mittelfristig arbeiten müssen.

SPORT1: Sie haben den letzten Test gegen Schweden 78:66 gewonnen, das sah doch ganz gut aus, oder?

Menz: Auf jeden Fall. Wir waren erst einmal erleichtert, weil wir ja ein paar Niederlagen im Gepäck hatten. Aber wir wussten schon, dass wir auch in den Spielen, die wir verloren haben, zum Teil sehr gute Leistungen gebracht haben. Und es war sehr gut für uns, mit einem Sieg zur Europameisterschaft zu fahren. Wir freuen uns alle darauf, auch wenn es am Mittwoch gleich gegen Frankreich, den Silbermedaillen-Gewinner und einen der Topfavoriten geht.

SPORT1: In der Gruppe, zu der außer Frankreich auch Großbritannien, Ukraine, Israel und Belgien gehören, kann man doch gut aussehen, oder?

Menz: Man kann gut aussehen, muss man aber nicht. Weil Belgien, die Ukraine und besonders Israel sind gespickt mit Spielern, die in Europa in den Topligen sowie in der NBA spielen. Wir sind jung und haben viele Spieler dabei, die noch nie eine Europameisterschaft gespielt haben. Von daher schauen wir auf uns. Die Gegner sind für uns alle gut. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

SPORT1: Wie geht es Robin Benzing? Er hat ja nach seiner Fußverletzung wieder aufsteigende Form gezeigt. Aber wird er bei der EM wieder bei 100 Prozent sein?

Menz: Leider wird er wahrscheinlich nicht bei 100 Prozent landen können. Dazu war er zu lange draußen, er hat ja fast acht Wochen am Stück pausiert, so dass wir ihn Stück für Stück aufbauen mussten und ihn erst seit 14 Tagen wieder im Training haben. Er wird auf jeden Fall konditionell hinterherhinken, und das bei einem so langen Turnier.

SPORT1: Das klingt alles nicht so optimistisch. Und dann war auch ein Satz von Ihnen zu lesen: Die Spieler, die wir haben, sind alle keine europäischen Spitzenspieler. Könnte das nicht als Belastung empfunden werden, wie: Uns traut man gar nichts zu, nicht einmal der eigene Trainer?

Menz: Nein, ganz im Gegenteil. Die Spieler reflektieren sich da sehr gut. Die Jungs, die wir haben, spielen an der Seite von Stars in der Beko BBL und Euroleague, und die nehmen die letzten Würfe, treffen die Entscheidungen am Ende. Und das wissen wir. Wir müssen viel als Mannschaft kompensieren. Wir werden in Zukunft die Jungs auf einem hohen europäischen Niveau spielen sehen, aber wenn es auf Einzelleistungen ankommt, wird es für uns schwer.

SPORT1: Dem Kapitän Heiko Schaffartzik kommt eine große Rolle zu. Ist sie vielleicht sogar schon zu groß? Er ist ja mit 28 schon der Älteste im Team?

Menz: Ja, wir haben ein Durchschnittsalter von 24. Heiko hat einen riesigen Anteil, er muss die Mannschaft ganz schön tragen. Das ist schon eine große Bürde. Aber die Jungs orientieren sich an ihm, bis jetzt hat er hervorragende Leistungen gebracht, und ich denke, das wird bei der Europameisterschaft auch so sein. Letztendlich kann man aber nicht hinter anderen Leuten in Deckung gehen. Nur daran wachsen die Spieler. Von daher ist das keine schlechte Situation, wenn man so einen Umbruch macht, wie wir ihn gerade haben.

SPORT1: Ein mutiger Umbruch. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht, dass die Großen nicht dabei sind, damit die Jungen Erfahrung sammeln. Svetislav Pesic hat gesagt, die Zwischenrunde sei auf jeden Fall drin. Ist diese Forderung zu viel?

Menz: Ich weiß nicht, ob es eine Forderung von Svetislav ist. Ich habe gerade mit ihm telefoniert. Natürlich wollen wir versuchen, in die Zwischenrunde zu kommen. Aber letztendlich: Wir müssen schauen, was unsere Möglichkeiten sind. Und wir können sagen, das sind fast ausnahmslos sehr gute Mannschaften, die in der Vorbereitung sehr gut gespielt haben. Die gespickt sind mit europäischen Spitzenspielern. Also ein Muss ? weiß ich nicht. Dass wir den Willen haben, hoffentlich auch das Potential und das Quäntchen Glück, um sie zu schlagen, das ist ja wohl außer Frage.

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