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Der letzte deutsche Sieg gegen Frankreich liegt zwölf Jahre zurück (81:77 am 5.9.2001) © imago

Coach Menz hält die Chancen beim EM-Start gegen Frankreichs NBA-Stars für gering. Giffey will Parker und Co. trotzdem ärgern.

München - Bei ihrer Mission impossible gegen EM-Mitfavorit Frankreich schrecken Deutschlands Basketballer vor der "Equipe Tricolore" um NBA-Superstar Tony Parker nicht zurück.

Mit einem couragierten Auftakt will das junge Team von Bundestrainer Frank Menz auch ohne die eigenen NBA-Profis Dirk Nowitzki, Chris Kaman, Dennis Schröder, Elias Harris und Tim Ohlbrecht Schwung für die Euro (täglich LIVESCORES) aufnehmen und setzt auf seine Mini-Chance.

"Selbst wenn man von 100 Duellen nur drei gewinnen würde, vielleicht ist der Tag am Mittwoch", meinte Menz hoffnungsvoll vor der Partie in Ljubljana.

Doch auch der neue Coach weiß, dass nach zahlreichen Absagen der US-Legionäre ein Starterfolg vor den Duellen gegen die Konkurrenz auf Augenhöhe einer Sensation gleichkommen würde.

Sieg gegen Frankreich keine Pflicht

"Die Franzosen sind nicht unser Gegner, den wir schlagen müssen, sondern wir wollen andere Spiele gewinnen", betonte Menz mit Blick auf die Vorrundenpartien gegen Belgien, Ukraine, Großbritannien und Israel.

"Vielleicht können wir den Giganten etwas ins Wanken bringen», meinte das 22 Jahre alte Collegetalent Niels Giffey aber verschmitzt lächelnd nach dem ersten Training (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader).

Vor knapp einem Monat setzte es noch zwei vergleichsweise knappe Testspiel-Niederlagen gegen den Vize-Europameister von 2011.

Parker und Co. gegen sich entspannt

"Die Franzosen sind jetzt noch viel stärker", erläutert Menz seine Erkenntnisse des Videostudiums.

"Sie sind jetzt komplett, haben ihre NBA-Spieler hier, sind eingespielt. Individuell sind sie top, athletisch sind sie überragend bei der Europameisterschaft."

Vor allem geben sich die Franzosen zum Start ihrer Titeljagd aber extrem entspannt.

Mit einem Rucksack schlurfte San Antonios Aufbauspieler Parker am Dienstag über die schweren Teppiche im noblen Plaza Team-Hotel.

Insgesamt sechs NBA-Profis

Neben Parker spielen fünf weitere Franzosen in der NBA: Nicolas Batum (Trail Blazers), Nando de Colo und Boris Diaw (Spurs), Johan Petro (Hawks) und Mikael Gelabale (Timberwolves)

"Sie sind ein sehr junges, gefährliches Team und haben viele Schützen", warnte der Point Guard vor einem Ausrutscher gegen Deutschland.

"Es ist schwierig, auf so eine Mannschaft gleich im ersten Spiel zu treffen, es kann alles passieren."

Hartes Duell für Robin Benzing

Obwohl der 31-Jährige nach dem Training mit dickem Eispaket am Knie davonhumpelte, steht seinem Einsatz laut eigener Aussage nichts im Weg.

Für Robin Benzing könnte es ebenfalls ein schmerzhafter Abend werden. Der Bayern-Spieler muss sich mit Portlands Batum messen, was in der Vorrunde sein härtestes Duell wird.

Die Franzosen scheinen aber nicht der einzig heikle Gegner auf dem Weg in die Zwischenrunde zu sein (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Schwere Bedingungen in Ljubljana

Als später das deutsche Team das Parkett der Tivoli Arena zum ersten Training betrat, rümpfte nicht nur Kapitän Heiko Schaffartzik kurz die Nase.

Baumarktgeruch mit der Mischung aus Teppichkleber und Spanplatten durchzieht noch die Halle.

Ähnlich akribisch wie die Arena-Arbeiter kurz vor Turnierstart bastelte auch Menz diesen Sommer an seinem Kader.

Nowitzki gönnt seinem Körper eine Pause, Hawks-Guard Schröder und Neu-Laker Harris wollen sich auf ihre erste NBA-Saison vorbereiten. Kaman und Ohlbrecht standen nicht zwingend zur Debatte.

Viertjüngste Auswahl des kompletten Turniers

Auch die Routiniers Jan-Hendrik Jagla und Steffen Hamann stehen auch nicht zur Verfügung und zwingen den Coach zu acht EM-Debütanten.

Nach Serbien, der Ukraine und Georgien stellen die Bundesadler die viertjüngste Auswahl des kompletten Turniers auf das Parkett.

Einer der Youngster, Andreas Seiferth, musste am Dienstag das Training wegen Knieschmerzen abbrechen, gab aber umgehend Entwarnung: "Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ich habe einen leichten Stich im Knie bemerkt. Ich hoffe, es ist nichts Wildes", sagte der Center von Bundesligist TBB Trier.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014, die bei der Europameisterschaft den ersten sechs Teams neben WM-Gastgeber Spanien gelingt, ist vorerst nur ferne Utopie.

Bauermann glaubt an sein Ex-Team

"Wir sind uns einig, dass wir uns in jedem Spiel eine Siegchance erarbeiten können. Dann liegt es an uns, die zu nutzen oder halt nicht", sagte Schaffartzik allerdings.

Den Einzug in die Zwischenrunde traut aber auch der frühere Bundestrainer Dirk Bauermann seinem Ex-Team zu.

"Im Grunde sind es vier Mannschaften, die schlagbar sind", analysierte der Coach, der mit Polen am Mittwoch in Celje gegen Georgien in die EM startet: "Die Franzosen sind noch eine ganz andere Geschichte, im ersten Spiel sind sie aber auch vielleicht schlagbar."

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