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Bei der EM 2011 war für Deutschland in der Zwischenrunde Schluss © getty

Das DBB-Team verliert gegen die Briten die dritte Partie in Folge und scheidet nach starkem Turnier-Auftakt vorzeitig aus.

Ljubljana - Frank Menz starrte mit leerem Blick auf das Statistikblatt, die Enttäuschung stand dem Bundestrainer ins Gesicht geschrieben.

"Es ist ein hartes Turnier für uns", sagte er mit leicht zittriger Stimme.

Das frühe Aus seiner Basketballer bei der Europameisterschaft hatte Menz trotz der geringen Erwartungshaltung vor dem Turnierbeginn mitgenommen. Am Dienstag geht es von Slowenien zurück nach Hause.

Erstmals seit 18 Jahren ist die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes DBB bei einer EM in der Vorrunde gescheitert.

(772433DIASHOW: Die Bilder der EM-Vorrunde)

Historische Bilanz droht

In der vierten Begegnung kassierte die junge Mannschaft beim 74:81 (38:42) gegen Großbritannien (Bericht) nach einer erneut schwachen Vorstellung ihre dritte Niederlage und ist draußen.

Die letzte Chance auf das Erreichen der zweiten Gruppenphase wurde verspielt, damit ist gleichzeitig das Ticket für die WM 2014 in Spanien weg.

"Ich bin jetzt leer und völlig enttäuscht. Wir hatten Probleme beim Rebounding und so kurz nach dem Spiel fühle ich mich natürlich ganz schlecht", sagte Center Tibor Pleiß.

1995 war das DBB-Team in Griechenland zuletzt mit nur einem Sieg nach der ersten Runde ausgeschieden. Die gleiche Bilanz droht auch diesmal.

Das letzte Spiel am Montag gegen Israel (ab 17.30 Uhr LIVESCORE) hat nur noch statistische Bedeutung. "Unsere Zielsetzung hier war es, Spiele zu gewinnen, und das bleibt jetzt auch so", meinte Menz trotzig.

Enttäuschte Verantwortliche

"Wir sind wieder enttäuscht", sagte er: "Aber wir wussten von vorneherein, dass es ein schwieriges Turnier wird."

Ähnlich fühlte sich der DBB-Präsident, Kritik an den Spielern kam für Ingo Weiss aber nicht infrage: "Man darf jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir befinden uns im Aufbau einer Mannschaft. Wir haben eine neue Generation."

Gegen die Briten war in der Hala Tivoli von Ljubljana ein Sieg Pflicht gewesen.

Fragiles Nervenkostüm

In der eigenen Hand hatte es das DBB-Team seit der Niederlage gegen die Ukraine am Freitag (83:88) ohnehin nicht mehr.

Doch die nervliche Belastung war wie schon bei den vorherigen beiden Aufgaben zu groß. Die deutschen Korbjäger leisteten sich nach einer starken Anfangsphase zu viele Fehler und lagen zur Pause zurück.

"Wir sind hinten, das ist nicht gut. Die treffen ihre offenen Würfe", sagte Forward Alex King. (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Dritte knappe Pleite

Die Pause kam zur rechten Zeit, die DBB-Korbjäger konnten sich neu sortieren.

Doch es half nichts. Wie gegen Belgien (73:77 n.V.) und die Ukraine (Bericht) blieb das Spiel bis zur Schlussphase spannend.

Die deutsche Mannschaft, in der Spanien-Legionär Tibor Pleiß mit 20 Punkten erfolgreichster Werfer war, verlor nach dem überraschenden Auftaktsieg gegen Titelkandidat Frankreich (80:74) den dritten Krimi in Folge.

Als Großbritannien in der letzten Minute zum 78:71 traf, war die Entscheidung gefallen.

Menz nimmt den Druck

Menz hatte vor seiner ersten EM als Bundestrainer der A-Herren bewusst auf Zielvorgaben verzichtet und damit den Druck von der unerfahrenen Mannschaft genommen.

Das Ausscheiden ist dennoch enttäuschend, denn gerade nach dem Sieg gegen die Franzosen zu EM-Beginn schien der Weg in Anbetracht der machbaren übrigen Gruppengegner geebnet.

Am Ende steht eine vertane Chance. Das ohne einen einzigen der fünf deutschen NBA-Profis angetretene Team hätte in der Zwischenrunde zumindest noch etwas lernen können.

"Letztendlich gilt es, eine Mannschaft für die Zukunft zu entwickeln", betonte Menz.

Der 49-Jährige weiß, dass seine Schützlinge noch nicht mit der Spitze mithalten können. "Wir haben nicht so viele Spieler auf dem Top-Level", erklärte der Bundestrainer wieder und wieder.

Starker Turnierauftakt als Makel

Das Ergebnis waren starke Schwankungen, viele schwache Phasen standen dem Erfolg im Weg. Menz war darauf vorbereitet: "Es ist normal, dass wir nicht 40 Minuten konstant spielen können."

Gegen die Franzosen gelang es.

Mit Team-Basketball wurde der haushohe Favorit in die Schranken verwiesen.

Doch der Traumstart war keine Befreiung, sondern erwies sich als Belastung. "Vielleicht war es ein Ausreißer nach oben", sagte Point Guard Per Günther.

Nowitzkis Befürchtungen bestätigen sich

"Es ging so gut los. Aber ich habe mir schon gedacht, dass es nach so einem Sieg sehr schwer wird für so eine junge Mannschaft", meinte Dirk Nowitzki am Rande seiner Ernennung zum Unicef-Botschafter.

Der Superstar hatte die Probleme kommen sehen, Menz erging es nicht anders.

Es folgte das schwächste Turnierspiel gegen Belgien, danach die Niederlage im Schlüsselspiel gegen die Ukraine. Und auch gegen die Briten schöpfte das DBB-Team seine Möglichkeiten nicht aus.

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