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Das DBB-Team ist nicht für die WM 2014 qualifiziert. © getty

SPORT1-Experte Pascal Roller analysiert das EM-Aus der Deutschen. Er widerspricht der Kritik von Rekordnationalspieler Patrick Femerling.

Von Florian Pertsch

München - Die Euphorie nach dem EM-Sieg gegen Frankreich war groß.

Der DBB-Kater nach der verpassten Zwischenrunde in Slowenien ist ungleich größer.

Nach dem überraschenden Triumph über die mit NBA-Stars gespickte Auswahl hagelte es teils peinliche Pleiten gegen Belgien, die Ukraine und Großbritannien. (772433DIASHOW: Die Bilder der EM-Vorrunde)

SPORT1-Experte Pascal Roller zeigt sich nach dem vorzeitigen EM-Aus der deutschen Nationalmannschaft enttäuscht. Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Israel (ab 17.30 Uhr LIVESCORE) benennt er die Problemzonen der DBB-Youngster.

"Ich hatte große Hoffnung"

Vor allem die Art und Weise, wie sich das junge Team von Trainer Frank Menz auf emotionaler Ebene präsentiert hat, ist für den früheren BBL-Profi unverständlich.

"Es wäre eine geile Story gewesen, nach dem Sieg gegen Frankreich die Zwischenrunde zu erreichen. Ich bin enttäuscht, denn bei dem Team und der Gruppenkonstellation hatte ich große Hoffnung auf das Erreichen der Zwischenrunde", sagt Roller gegenüber SPORT1 der verpassten Chance hinterher.

"Verlieren ist drin, aber die Art und Weise, darauf kommt es an. Acht von zwölf Spielern erleben ihre erste EM, die müssen brennen. Diese Karte Emotion hätte man schon mehr spielen können", kritisiert Roller.

"Das kann nicht sein"

Gerade in den entscheidenden Phasen sorgte die Körpersprache der DBB-Adler bei Roller für Unverständnis: " Wenn ich dann fünf Minuten vor dem Ende sehe, wie sie die Köpfe hängen, dann kann das bei so einem jungen Team nicht sein." (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Für Roller ist es jetzt wichtig, dass der Weg - junger Trainer und junges Team - weiter beibehalten wird.

"Auch für Menz war es die erste EM auf Herren-Niveau und folglich muss auch er als Trainer einen Lernprozess durchmachen. Die Entscheidung des Verbands für Menz war mutig und toll. Der Weg muss aber jetzt weitergegangen werden, sonst ist es unglaubwürdig. Ob er die Zeit bekommt, kann ich nicht beurteilen."

"Unnötige Defensiv-Hilfen"

Abgesehen von den mangelnden Emotionen sieht Roller den größten Nachholbedarf in der Defensive.

In einigen Szenen waren die Spieler zu teamorientiert und wurden für "die teils unnötigen Defensiv-Hilfen auf diesem Niveau sofort bestraft", sagt er.

Ein anderer Punkt sei schlicht der Mangel an passenden Spielern für alle Positionen. Gerade unter den Körben sei dies oft augenscheinlich gewesen.

" Viele Mannschaften haben die Schwächen der Deutschen gut gescoutet und sehr gut ausgenutzt", analysiert der ehemalige Point-Guard: "Physisch konnten die Deutschen nicht immer mithalten, faktisch ist man ohne echten Power Forward zum Turnier gefahren. Robin Benzing und Alex King waren auf der Vier nur Notlösungen."

"Schlüssel bleibt Defense"

Das Entwicklungspotenzial ist nach Meinung des 36-Jährigen gegeben, sofern die Fehlerquote in der Verteidigung heruntergeschraubt wird.

"Es waren sehr viele Fehler, die der Unerfahrenheit geschuldet sind. Die Probleme waren typisch für eine junge Mannschaft. Der Schlüssel bleibt die Defense, auch wenn man sich offensiv weiter verbessert. Sonst wird man auch zukünftig Probleme haben."

Die Kritik an den fehlenden NBA-Legionären von Ex-DBB-Kollege Patrick Femerling teilt Roller indes nicht (Bericht) .

"Der lange Blonde"

"Bei Dennis Schröder ging es ja eher darum, dass seine Anwesenheit in Atlanta vom Klub gewünscht wurde", meint Roller zur Situation des Neu-Hawk.

Auch Elias Harris nimmt er in Schutz: "Ich finde es perspektivisch richtig, dass er versucht, in die Rotation der Lakers zu kommen. Dem DBB-Team bringt es schließlich nichts, wenn Harris die nächsten zwei Jahre nur auf der Bank sitzt."

Der Wunsch nach Erholung hingegen wäre für Roller keine Ausrede: "Es wäre nur schade, wenn einer von den NBA-Jungs sagt, er möchte nicht, weil er sich schonen will. Gerade wenn man sich ansieht, wie der lange Blonde (Dirk Nowitzki, Anm. d. Redaktion) jahrelang seine Knochen hingehalten hat."

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