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Frank Menz führte die deutsche U20 bei der EM 2011 auf den fünften Platz © getty

Das Vorrunden-Aus bringt den Bundestrainer ins Grübeln. Spielmacher Günther verrät, dass Frank Menz intern ganz anders ist.

Ljubljana/Slowenien - Entspannung steht für Frank Menz auf dem Programm. Freie Tage mit der Familie, einfach mal abschalten vom Stress der letzten neun Wochen.

"Ich bin seit Monaten nicht im Urlaub gewesen", sagte der Bundestrainer vor seiner Abreise aus Ljubljana etwas sehnsüchtig.

Ablenkung tut Menz nach dem frühen Aus bei der Basketball-EM sicher gut, doch die Erlebnisse aus Slowenien werden ihn verfolgen - und das wohl noch länger.

Glücklose Rückkehr nach Ljubljana

"Ich wäre gerne hiergeblieben", sagte der 49-Jährige. Eigentlich ist klar, dass Menz mit der deutschen Nationalmannschaft lieber auch nach der Vorrunde noch mitgespielt hätte.

Doch dem Übungsleiter war am Ende der ersten Mission auch Erleichterung anzumerken.

Menz wusste von Anfang an, worauf er sich einlässt. Früher war er A2- und U20-Bundestrainer, in dieser Funktion sogar erst im letzten Jahr bei einer EM in Ljubljana.

Vom Rummel überrascht

Die Aufgaben lassen sich aber nicht ansatzweise vergleichen, das wurde Menz ziemlich schnell klar. "Das Interesse ist viel größer", sagte der gebürtige Berliner. Es hat ihn überrascht.

Von einer Kamera zur nächsten, danach Pressekonferenz, später weiter an die übrigen Mikrofone. Der Medien-Marathon nach den Spielen hatte es ganz schön in sich. Menz ist noch kein Profi, aber das kann und muss er auch nicht sein. (772433DIASHOW: Die Bilder der EM-Vorrunde)

Sein erstes Turnier als Hauptverantwortlicher für das A-Team hatte sich der frühere Assistenzcoach ganz sicher einfacher vorgestellt.

Übergroße Erwartungen

Nach dem Sieg zum Auftakt gegen die hochfavorisierten Franzosen war plötzlich alles anders.

Die "Bild"-Zeitung sah sich direkt genötigt, ungefragt zu beantworten, ob die deutsche Mannschaft denn nun Europameister werde. "Jein" war das Ergebnis.

"Die Erwartungshaltung von außen darf nicht zu groß werden", erklärte Menz. Damit hatte er Recht, doch zu gering darf sie eben auch nicht sein.

Schützende Hand über den Youngstern

Es ist kaum zu vermitteln, warum eine Mannschaft den Vize-Europameister schlagen kann, dann aber in Serie gegen Belgien, die Ukraine und Großbritannien verliert.

Menz hat das immer mit Unerfahrenheit erklärt. Es gab acht EM-Debütanten, deshalb hielt er die schützende Hand über das Team, vom ersten bis zum letzten Tag. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Menz suchte stets nach positiven Punkten, öffentliche Kritik war tabu. Selbst in den Auszeiten musste sich niemand Sorgen machen, angezählt zu werden.

Schönreden der entscheidenden Pleite

Es ist klar, welche Idee dahinter steckt. Wer geht schon mit einem Team hart ins Gericht, dem es ohnehin an Selbstbewusstsein mangelt?

Andererseits schwächt diese Politik aber auch die Position der Spieler. Es entsteht der Eindruck, als hätten sie ein Schutzschild nötig.

Menz hat ganz grundsätzlich das Richtige gemacht, dabei aber übertrieben. Er wird eine bessere Balance finden müssen. Nach dem EM-Aus durch eine Niederlage gegen Großbritannien darf es nicht heißen: "Die Mannschaft spielt richtig gut."

King hält nichts von Ausreden

Die Basketballer selbst nahmen in Anbetracht ihrer Leistungen kein Blatt vor den Mund. "Wir haben nicht gerade blendend gespielt", sagte Forward Alex King: "Wir haben eine junge Mannschaft, aber das kann man nicht als Ausrede sehen." (769798DIASHOW: Der deutsche EM-Kader)

Zudem wussten alle ganz genau, dass es nur Erfolge gab, wenn kein Druck da war. In den entscheidenden Momenten aber eben nicht.

"Frank ist seit 20 Jahren Profitrainer. Er wird wie alle anderen seine Lehren daraus ziehen. Er hat ein Konzept", sagte Point Guard Per Günther nach dem bedeutungslosen Sieg gegen Israel.

Menz will sich verbessern

Als Beschützer trete der Coach nur in der Öffentlichkeit auf: "Hinter geschlossenen Kulissen ist er anders."

Menz hat spätestens nach dem Urlaub viel aufzuarbeiten. "Ich versuche immer, mich neu auszurichten und zu verbessern", sagte der Bundestrainer.

Es ist davon auszugehen, dass er schon in seiner Freizeit viel grübeln wird.

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