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Die französische Nationalmannschaft gewann zweimal EM-Silber © getty

Mit dem Sieg gegen Spanien beendet Frankreich seine Niederlagenserie in großen Spielen und greift nach dem EM-Titel.

Ljubljana/München - Tony Parker und seine französischen Helden hüpften wie kleine Kinder durch die Stozice Hall von Ljubljana.

Es gab kein Halten mehr, als das Team um den NBA-Superstar Titelverteidiger Spanien im hochdramatischen EM-Halbfinale tatsächlich in die Knie gezwungen hatte.

Durch das 75:72 (65:65, 20:34) nach Verlängerung nahmen "Les Bleus" Revanche für das verlorene Endspiel von 2011 und greifen am Sonntag (21 Uhr) im Duell mit Litauen nach ihrem ersten Titel.

"Das ist vielleicht der größte Sieg in der Geschichte des französischen Basketballs", erklärte Parker.

Der 31-Jährige von den San Antonio Spurs war nach dem Überraschungserfolg allerdings sehr darauf bedacht, auf dem Boden zu bleiben: "Noch haben wir die Goldmedaille nicht."

"Müssen das Spiel vergessen"

Frankreich ist noch einen Schritt vom Ziel entfernt, zumindest die spanische Regentschaft nach den aufeinanderfolgenden Titelgewinnen von 2009 sowie 2011 wurde von der Equipe beendet.

Viel wichtiger als das ist aber das Ende eines Traumas. Schließlich stand der Nachbar aus dem Süden in den vergangenen Jahren immer wieder im Weg.

EM-Viertelfinale 2009, EM-Finale 2011, Olympia-Viertelfinale 2012: In den großen Spielen hatten die Franzosen zuletzt immer den Kürzeren gezogen. Jetzt ist der Bann gebrochen.

"Wir können stolz sein", sagte Parker: "Aber wir müssen unsere Freude kontrollieren und das Spiel vergessen."

Parker mit Turnierbestmarke

Der Point Guard war wie schon im Viertelfinale gegen Gastgeber Slowenien (72:62) vor 9060 Zuschauern der entscheidende Mann auf dem Parkett.

Als Topscorer kam der dreimalige NBA-Champion Parker auf 32 Punkte und stellte die Turnierbestmarke des Spaniers Mark Gasol ein.

Antoine Diot verbuchte zehn Zähler, in den letzten 23 Sekunden verwandelte der Guard vier Freiwürfe.

"Das ist wie im Training. Wenn ich nachdenken würde, würde ich sie immer vorbeisetzen", sagte der 24-Jährige.

EM-Titel als Seelentröster?

Parker, einziger echter Star der diesjährigen EuroBasket, könnte sich bei seiner siebten EM-Teilnahme mit seinen beiden Spurs-Teamkollegen Boris Diaw und Nando de Colo durch einen Triumph auch über eine Enttäuschung hinwegtrösten.

Erst im siebten und letzten Spiel der NBA-Finalserie war San Antonio im Juni an Miami Heat gescheitert (3:4). Der lange Sommer hat sich schon gelohnt.

Wenn Parker und Co. am Sonntagabend um die Krone spielen, sind die Spanier nach drei aufeinanderfolgenden Finalteilnahmen nur Zuschauer.

Mehr als Bronze ist für die erfolgsverwöhnten Iberer nicht mehr drin.

Orengas erste Mission scheitert

Trainer Juan Orenga ärgerte sich nach dem Sturz vom Thron vor allem über einen verspielten 14-Punkte-Vorsprung.

"Wir haben sie in der ersten Hälfte kontrolliert. Danach waren unsere Wurfquoten schlecht, sie haben die Intensität erhöht und in den entscheidenden Momenten gut getroffen."

Der frühere Assistent hatte den Italiener Sergio Scariolo nach dem Gewinn der Silbermedaille bei Olympia 2012 in London abgelöst. Seine erste Mission ist gescheitert.

Kroatische Fans außer Rand und Band

Litauen spielt im Finale zwei Jahre nach der Enttäuschung bei der Heim-EM und zehn Jahre nach dem bislang letzten Gold-Coup um den vierten Titel bei einer Europameisterschaft.

Der 77:62 (40:37)-Halbfinalsieg gegen Kroatien trug zwei Namen: Linas Kleiza und Jonas Maciulis.

Die Flügelspieler waren nicht zu stoppen und verbuchten mehr als die Hälfte aller litauischen Punkte (22/23).

Bei den Kroaten stemmte sich einzig Guard Bojan Bogdanovic gegen die Niederlage (15). Die enttäuschten kroatischen Fans brannten kurz vor Schluss Bengalos in der Halle ab.

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