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Tibor Pleiß wurde 2010 und 2011 mit Bamberg Deutscher Meister © imago

Bambergs Tibor Pleiß spricht vor dem Spiel in Zagreb über seine Entwicklung, die EM in Litauen und den "Himmel des Basketballs".

Von Marco Plein

München - Die Chancen auf das Erreichen der nächsten Euroleague-Runde stehen für die Brose Baskets Bamberg nicht schlecht.

Beflügelt vom sensationellen 79:76-Erfolg über Titelverteidiger Panathinaikos Athen (BERICHT: Bamberg stürzt den Titelverteidiger) reist der Deutsche Meister zu seinem nächsten Auswärtsspiel am Donnerstag bei KK Zagreb (ab 21 Uhr LIVE im TV bei SPORT1).

Mit einem Sieg über den kroatischen Champion könnten die Mannen von Chris Fleming das Tor zur Top16-Runde weit aufstoßen (DATENCENTER: Die Euroleague).

Große Hoffnungen setzen die Bamberger dabei wieder einmal in ihren Center Tibor Pleiß. Der 22-Jährige zählt zu den absoluten Leistungsträgern der Oberfranken und will nach seinen neun Zählern gegen Panathinaikos auch in Zagreb fleißig punkten.

Im Interview spricht Pleiß über seine persönliche Entwicklung, die Erfahrungen bei der Europameisterschaft in Litauen und seinen Traum von der NBA.

Frage: Fällt es nach all den Titeln mittlerweile schwerer, sich für die Beko BBL zu motivieren?

Tibor Pleiß: Überhaupt nicht, ich habe ja auch individuell große Ziele. Ich will dieses Jahr mehr nach außen gehen und meinen Wurf nutzen. Der ist ja eigentlich sehr gut. Ich habe das selbst angesprochen und darum gebeten, dass ich mehr von draußen spielen darf. Oklahoma will das ja auch sehen, dass ich weiter rausgehe und mehr werfe.

Frage: Sieht man Sie künftig auch mehr von der Dreierlinie schießen?

Pleiß: Wenn es nach mir geht, wieso nicht? Ich kann gut werfen, von überall. Aber meine Heimat ist unter dem Korb ? ich will es jetzt einfach hinbekommen, kompletter und flexibler zu werden. Mein Ansporn ist, dass ich alles an mir verbessere, jeden Aspekt des Spiels. Außerdem muss ich noch stabiler auf meiner Position und mehr zum Veteranen werden. Es geht mir dabei vor allem um Sicherheit. Wenn ich zum Korb hochgehe, will ich keine Zweifel mehr haben. Außerdem will ich schneller werden, athletischer spielen.

Frage: Trauen Sie sich ein Double-Double im Schnitt zu?

Pleiß: Das wäre natürlich ein Hammer. Ich will aber wirklich mehr Bälle bekommen und dann auch mehr Punkte machen. Es gibt aber keine direkten Ziele, die ich in Zahlen ausdrücken könnte. Damit würde ich mir nur unnötigen Druck machen. Natürlich will ich auch mehr rebounden und noch mehr Schüsse blocken, aber das ergibt sich eben aus dem Spiel.

Frage: Reden wir über Ihre Physis. Ihnen wurde lange vorgeworfen, zu schmächtig zu sein, lassen Sie den Vorwurf noch gelten?

Pleiß: Nein, den will ich eigentlich nicht mehr hören, die Zeiten sind vorbei. Ich wiege jetzt knapp 122 Kilo, aber wenn man sieht, dass es vor zwei Jahren noch 113 waren, habe ich da schon was erreicht. Ich bin zwar nicht ganz so oft im Kraftraum, mache aber dreimal pro Woche vor dem Training Liegestütze, arbeite am Seilzug und versuche auch, viel für die Beine zu machen, Kniebeugen, einbeinig, zweibeinig ? einfach, dass ich mich schneller abdrücken kann und schneller hochkomme.

Frage: Sind die 122 Kilo nun Ihr ideales Kampfgewicht?

Pleiß: Von der Masse her könnte ich noch ein wenig an Muskeln zulegen. Kein Fett mehr, da liege ich bei 13, 14 Prozent, das ist ein ordentlicher Wert. Aber da ich jetzt schon mehr wiege, sehe ich mich auch schon ganz anders und fühle mich besser und wohler. Ich hab?s auch nicht mehr nötig, wie noch vor vier, fünf Jahren, mir vor den Spielen eine Flasche Wasser reinzuschütten, um das Gefühl zu bekommen, schwerer zu sein. Heute merke ich, wenn man sich im Kopf gut und kräftig fühlt, dann tritt man auch so auf. Ich bin zwar immer noch nicht die breiteste Kante, aber wenn ich einen harten Block stelle, laufen die Leute gegen mich und fallen trotzdem um. Man muss einfach seinen Körper einzusetzen wissen.

Frage: Trotz der Fortschritte haben Sie zuletzt einen herben Rückschlag erlitten: die Europameisterschaft. Haben Sie das dort Erlebte schon verdaut?

Pleiß: Einigermaßen schon, ja. Das war eine gute Zeit mit dem Team in Litauen, aber keine auf dem Spielfeld. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass es mich innerlich zerrissen hat. Ich denke am besten nicht mehr drüber nach.

Frage: Wie haben Sie sich denn während des Turniers bei Laune gehalten?

Pleiß: Ich habe selbst nebenbei viel trainiert. Ich bin ja eigentlich zur EM gefahren, um einen Schritt nach vorne zu machen. Auf einmal aber habe ich das Gegenteil befürchtet, und darum habe ich dann viel im Kraftraum und auf dem Laufband gemacht.

Frage: Sie haben mal gesagt: "NBA? Die interessiert mich gar nicht so.? Ist das heute immer noch so?

Pleiß: Früher habe ich mich echt nicht so dafür interessiert, aber nach dem Draft habe ich darum gebeten, dass man mir DVDs von den Spielen zuschickt, und das haben die Oklahoma Thunder dann auch gemacht. Und so kann ich mich dann schon mal mit diesem ganz anderen Spiel vertraut machen.

Frage: Träumen Sie eigentlich manchmal davon, in einem Jahr mit einem Superstar wie Kevin Durant zusammenzuspielen?

Pleiß: Allein sein Name! Durant! Das wäre natürlich der Hammer, ein Traum. Das ist mein Ziel, und da will ich hin. Das ist der Himmel des Basketballs, und weil ich die Herausforderung schon immer geliebt habe, ist das das größte Ziel, was man sich nur setzen kann. Außerdem geht?s ja auch darum zu zeigen, dass es für Deutschland auch nach Nowitzki in der NBA weitergehen kann. Nach ihm muss nicht Schluss sein (BERICHT: Kein Blitz-Wechsel von Nowitzki).

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