"Wir wollen diesmal den Tick besser sein"
Von Michael Spandern
München - Über Chris Fleming und die Brose Baskets Bamberg braucht man nicht mehr viele Worte verlieren.
Der US-Amerikaner übernahm den fränkischen Spitzenklub im Mai 2008 von Dirk Bauermann, damals noch in Personalunion als Bundestrainer aktiv.
Nach einem schwierigen ersten Jahr brachte der 42-Jährige Bamberg den Erfolg, der 2010 mit dem ersten Double-Gewinn sichtbar wurde. Auch in den Jahren danach gewannen die Brose Baskets jeweils Beko-BBL-Meistertitel und den Pokal.
Fleming darf also getrost als Schmied der Bamberger Erfolge bezeichnet werden. So jemand weckt bei anderen Teams Begehrlichkeiten - die er aber aus eigenem Antrieb schnell erstickt hat.
Im SPORT1-Interview erläutert Fleming, weshalb er seinen Vertrag mit dem unangefochtenen Spitzenklub der Liga zuletzt vorzeitig verlängert hat. Er spricht über die Chancen der Bamberger in der Euroleague (ab 18.25 Uhr auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) und den Vergleich mit Auftakt-Gegner Barcelona.
SPORT1: Sie haben Ihren Vertrag einen Tag nach dem 1. Spieltag um zwei Jahre bis 2016 verlängert. Der deutliche Auftaktsieg gegen Bremerhaven war sicherlich nicht Grund für diesen Zeitpunkt.
Chris Fleming: Nein, wir hatten den ganzen Sommer hinweg über die Verlängerung gesprochen. Und es war die Entscheidung des Klubs, sie nun bekannt zu geben.
SPORT1: Wollte Ihr Klub ein Zeichen setzen, dass Sie auf keinen Fall für den FC Bayern zu haben sind?
Fleming: Erstens stand mein Entschluss zu verlängern bereits vor der Entlassung von Dirk Bauermann fest, zweitens lief mein Vertrag ja ohnehin bis 2014.
SPORT1: Sind Sie ein wenig betrübt, 2013 nicht auf dem Markt zu sein, wenn die Bayern womöglich einen Erfolgscoach suchen?
Fleming: Ich habe nie einen Gedanken an die Bayern verschwendet. Das soll keine Beleidigung sein, aber meine Entscheidung hatte nur mit Bamberg zu tun. Ich glaube, dass sich die Brose Baskets jetzt und langfristig in die richtige Richtung entwickeln.
SPORT1: Das fällt womöglich in einer Kleinstadt leichter - ohne den Druck, den die Medien in München und Berlin ausüben?
Fleming: Egal, wo man im Profisport arbeitet: wenn man verliert, wird es schwer. Solange der Erfolg da ist, fällt alles leichter. Anderswo mögen mehr Medien sein, aber durch unsere gute Arbeit bekommen wir inzwischen auch einige Aufmerksamkeit.
SPORT1: Ganz bestimmt zum Euroleague-Auftakt, wenn Sie bei Barca gastieren. Juan Carlos Navarro hat bei SPORT1 den Titel als Barcelonas Pflicht ausgerufen. Worin besteht die Chance Ihrer Bamberger, die ja in den letzten beiden Jahren nicht mal unter den Top 16 standen?
Fleming: Barca ist natürlich ein richtig großes Los. Taktisch können wir die nicht überraschen. Wir dürfen uns 40 Minuten lang kaum Fehler erlauben, müssen hoch konzentriert sein und hoffen, dass es am Ende knapp ist.
SPORT1: Was bedeutet Barcas Sieg gegen die Dallas Mavericks für das Duell mit Bamberg?
Fleming: So gut wie nichts. Das Spiel gegen Dallas hatte mit europäischem Basketball wenig zu tun. Es war allerdings interessant für uns, dass Juan Carlos Navarro und Sarunas Jasikevicius viel mehr gespielt haben als in den beiden bisherigen Ligaspielen. Auf einen Kraftverlust brauchen wir aber nicht zu hoffen, schließlich liegen drei Tage zwischen den Partien.
SPORT1: Manager Wolfgang Heyder hatte angesichts der Ogilvy-Verletzung Sorgen, dass das Duo Maik Zirbes/Philipp Neumann den Euroleague-Centern nicht gewachsen ist. Sind die Sorgen dank Neueinkauf Latavious Williams weg?
Fleming: Uns fehlte ein großer Spieler - vor allem wegen der Doppelbelastung Euroleague und Beko BBL.
SPORT1: Womit die Frage noch nicht beantwortet wäre.
Fleming: Wenn Sie wissen wollen, ob ich befürchte, dass wir unter den Körben überwältigt werden: Nein! Wir haben die nötige Qualität, um es mit deren Big Men aufzunehmen. Und dabei habe ich auch volles Vertrauen in Maik und Philipp, die sich das in der Vorbereitung gegen Euroleague-Teams verdient haben.
SPORT1: Ihr neuer Star Bostjan Nachbar kam, nachdem ihm Casey Jacobsen von Bamberg vorgeschwärmt hatte. Was spricht dagegen, dass Nachbar zur nächsten Saison seinen Landsmann Erazem Lorbek von Barca nach Bamberg lockt?
Fleming (lacht): Er ist herzlich willkommen, aber ich glaube nicht, dass wir dafür den finanziellen Spielraum haben.
SPORT1: Der Etat von Barcelona ist rund dreimal so hoch wie der der Brose Baskets. Können deutsche Klubs dieses Level in den nächsten fünf oder zehn Jahren erreichen?
Fleming: Wir haben gute Chancen, uns dem anzunähern. Zudem reduzieren sich wohl in dieser Zeit die Etats der spanischen Klubs. Vielleicht treffen wir uns irgendwo in der Mitte.
SPORT1: Heyder hat anders als im Vorjahr nicht gesagt, dass ihm das Weiterkommen in der Euroleague wichtiger als der Titel in der Beko BBL sei. Was ist Ihnen wichtiger?
Fleming: Ich habe da keine Prioritäten, schließlich liegen diese Ziele zeitlich deutlich auseinander. Wir werden jeden Tag alles mobilisieren, um beide zu erreichen - so haben wir es auch im vorigen Jahr getan.
SPORT1: Allerdings wurde die Zwischenrunde knapp verpasst, wie schon 2010. Haben die Brose Baskets diese Enttäuschungen verdrängt?
Fleming: Wir versuchen, aus allen Erfahrungen zu lernen - aus den positiven wie aus den negativen. Besonders im letzten Jahr haben wir uns extrem geärgert, umso mehr wollen wir diesmal den Tick besser sein, um unter die letzten 16 zu kommen.