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Fleming holte mit Bamberg von 2010-2012 das Double aus Pokal und Meisterschaft © imago

Vor dem Real-Kracher spricht Bambergs-Trainer Fleming über die Mammut-Aufgabe Euroleague und die Marschroute gegen Madrid.

Von Florian Pertsch

München - Die Brose Baskets Bamberg gehen in die zweite Runde des Top-16-Abenteuers der Euroleague.

Nach der Auftaktpleite gegen die Spitzenmannschaft aus Malaga wird der Schwierigkeitsgrad im ersten Heimspiel noch etwas erhöht: Mit Real Madrid reist das beste Team der spanische Liga ACB und einer der Titelkandidaten in der Euroleague nach Franken (DATENCENTER: Euroleague).

Das Team des 30-maligen spanischen Meisters ist gespickt mit Stars wie den Ex-NBA-Profis Sergio Rodriguez und Rudy Fernandez sowie deren spanischen Nationalmannschaftskollegen Sergio Llull und Felipe Reyes.

Ausnahmetalent Mirotic dreht auf

Garniert wird das Starensemble noch mit US-Profi Jaycee Carroll und dem spanischen U20-Ausnahmetalent Nikola Mirotic (13 Punkte gegen ALBA).

Vor dem Kracher gegen "die Königlichen" (ab 20.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM) spricht Bambergs Trainer Chris Fleming bei SPORT1 über die Mammut-Aufgabe Euroleague, die Dreifachbelastung und ihre Folgen sowie über die Marschroute gegen Real Madrid.

SPORT1: Das zweite Top-16-Spiel in der Euroleague steht an, der Gegner kommt mit Real Madrid erneut aus Spanien. Gegen Malaga gab es neulich eine 82:85-Niederlage. Wie enttäuscht waren Sie nach der Auftakt-Schlappe?

Chris Fleming: Wir haben relativ viel Energie investiert und am Ende doch den Kürzeren gezogen. Natürlich waren wir sehr enttäuscht. Wir haben das Spiel gut gestaltet, doch gerade in der Schlussphase hat man gesehen, dass wir beim Rebound noch viel Arbeit vor uns haben. Nach einer nicht so konstanten Qualifikationsrunde wollten wir uns in Europa steigern. Ich denke, das war ein Schritt nach vorne.

SPORT1:: Wie wichtig wäre für Bamberg mal ein Sieg gegen ein großes Team? Oder ist die Top-16-Runde für Ihre Mannschaft nur die Kür?

Fleming: Selbstverständlich wollen auch wir in so einem wichtigen Wettbewerb weiterkommen, sonst würden wir ja ohne Ziele dastehen. Der Weg ist natürlich nicht leicht. Wichtig sind unsere Heimspiele, und vielleicht können wir auch mal auswärts Punkte klauen.

[kaltura id="0_cueae8i2" class="full_size" title="Video Bamberg schnuppert am Sieg"]

SPORT1: Wie hoch schätzen Sie denn die Chancen ein, tatsächlich die Playoffs zu erreichen?

Fleming (lacht): Das Thema müssen wir letztlich nicht großartig diskutieren. Bamberg ist kein Team, das vor der Runde seine Chancen ausrechnen muss. Wir sind, und das ist vielleicht auch unser Vorteil, eine Mannschaft, die von Spiel zu Spiel arbeiten kann. Wir können nicht sagen: 'Wir holen sieben Siege in 14 Spielen.' Sowas geht vielleicht bei Teams wie CSKA oder Real, bei uns sicher nicht. Vergangene Saison sind wir als Mannschaft stark zusammengewachsen, aber eines ist uns bewusst: Wollen wir weiterkommen, müssen wir uns nochmal steigern.

SPORT1: Mit Jeremiah Massey haben sie vor dem Jahreswechsel noch einen Forward verpflichtet. Aufgrund der Wechselfristen der Euroleague ist er aber erst für die zweite Hälfte der Top-16-Runde spielberechtigt. Wieso haben sie ihn dennoch geholt?

Fleming: Für die Qualität, die wir im Kader brauchen, kam nur Jeremiah als Neuzugang in Frage. Langfristig ist es für uns die richtige Lösung. Das Problem mit der Wechselfrist mussten wir inkaufnehmen. Der Bedarf war da, und wir mussten eben handeln.

SPORT1: Ist Masseys Verpflichtung auch ein Tribut an die Dreifach-Belastung mit Liga, Pokal und Euroleague:

Fleming:: Ohne Frage. Die Reisestrapazen sind enorm, und in den Euroleague-Spielen müssen wir jedesmal an die absolute Leistungsgrenze gehen. Wir können es uns nicht leisten, dass sich die besten Spieler im vierten Viertel auf der Bank ausruhen.

SPORT1: Würde es bei einem schlechten Verlauf der Euroleague irgendwann einen Punkt geben, an dem Sie den Fokus wieder verstärkt auf die Liga legen, um im Titelrennen nicht ins Hintertreffen zu geraten?

Fleming: Ohne Ehrgeiz kann man in diesem Wettbewerb leider nichts erreichen. Von daher bin ich nach einer gespielten Partie nicht bereit, mir über solche Szenarien Gedanken machen. Wenn es reicht, dann ist das super, wenn nicht: schade. Wichtig ist für mich: Wir gehen mit Volldampf nach vorne.

SPORT1: Gruppen- und BBL-Konkurrent ALBA Berlin absolvierte das erste Top-16-Spiel gegen Real Madrid. Haben Sie sich mit Berlins Trainer Sasa Obradovic über Ihren nächsten Gegner ausgetauscht?

Fleming: Nein, ich habe mit Sasa nicht gesprochen. Aber ich glaube, ich habe selbst ein relativ gutes Gespür für Real. Ich habe sie oft in der Euroleague gesehen. Da gibt es keine großen Geheimnisse mehr.

SPORT1: Vielleicht könnten Sie ja die letzten kleinen Geheimnisse noch für SPORT1 lüften. Was sind die Schlüssel zum Erfolg gegen Real?

Fleming: Wir müssen ihre Schnellangriffe unterbinden und sie in eine langsame und geordnete Halbfeld-Offense zwingen. Im eigenen Angriff wollen wir Madrid dazu bringen, mehrere Block-und-Abroll-Situationen zu verteidigen. Wir müssen sie lange in der Verteidigung beschäftigen, und natürlich ist die Rebound-Arbeit sehr wichtig. Wenn wir das Spiel offen halten wollen, müssen wir an den Brettern bestehen.

SPORT1: Vor welchem Spieler haben Sie bei Real am meisten Respekt?

Fleming: Genau das ist der schwierige Punkt bei Madrid. Das Team hat, mehr als jede andere Mannschaft in der Euroleague, nicht nur einen Spieler, der eine Partie im Alleingang entscheiden kann. Wir können uns also nicht nur auf einen Spieler konzentrieren.

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