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Big Sofo verbucht 2012/13 in der Euroleague 8,3 Punkte und 2,4 Rebounds pro Spiel © getty

Athens Sofoklis Schortsanitis verteufelt bei SPORT1 Fan-Gewalt. Der Griechen-Koloss spricht auch über Nationalteam und NBA.

Von Michael Spandern

München/Athen - Finsterer Blick, über drei Zentner Kampfgewicht, unnachgiebig auch im Handgemenge mit mehreren serbischen Nationalspielern: Vor Athens Center Sofoklis Schortsanitis würde so mancher zurückschrecken.

Dabei ist Big Sofo eigentlich ein sensibler Geselle, der seine Worte mit Bedacht wählt.

Der Center-Koloss, bekannt durch seine Glanztaten beim griechischen Sensationssieg gegen die USA bei der WM 2006 und sein Mitmischen bei der Rauferei im Vorbereitungsspiel auf die WM 2010 gegen Serbien, will Panathinaikos den Titel in der Turkish Airlines Euroleague zurückbringen, den sich im Vorjahr Erzrivale Olympiakos Piräus sicherte.

Im SPORT1-Interview spricht der 27-Jährige - der von 2005 bis 2010 für die Roten von Olympiakos spielte - über die Gewalt bei den Lokalduellen, seine Entscheidung gegen die NBA und sein Interesse an der Beko BBL. Zudem äußert er den Wunsch, nach zwei Jahren wieder ins Nationalteam berufen zu werden.

SPORT1: Mister Schortsanitis, Panathinaikos steht vorzeitig im Viertelfinale. Wie gut aber sind die Chancen, im Mai den Titel zu holen?

Sofoklis Schortsanitis: Panathinaikos ist seit vielen Tagen eines der besten Teams in Europa und hat eine lange Tradition an Titeln und Erfolgen. In dieser Top-16-Runde ist aber deutlich geworden, dass jeder jeden schlagen kann. Alle verbliebenen Teams haben ihre Chancen, also auch wir. Wir wollen weiter ohne nachzulassen seriös arbeiten und einen Schritt nach dem anderen gehen.

SPORT1: Wie sehr hat es geschmerzt, dass ihr langjähriges Team Olympiakos 2012 den Titel geholt hat? (DATENCENTER: Euroleague)

Schortsanitis: Geschmerzt? Das trifft es nicht. Olympiakos stand nach vielen Jahren wieder ganz oben. Das ist zu schaffen. Die größte Herausforderung für jedes Team, für jeden Athleten ist es aber, oben zu bleiben.

SPORT1: Kaum eine Rivalität im Sport ist so erbittert wie die zwischen Panathinaikos und Olympiakos. Ausschreitungen und Spielabbrüche sind keine Seltenheit - siehe Pokalfinale im Februar. Würden Sie sich nicht auch wünschen, dass die Fans besonnener wären?

Schortsanitis: Natürlich! Ich habe schon oft gesagt, dass es so nicht geht. Die Fans kommen angeblich, um die Spieler zu unterstützen, aber letztlich setzen sie deren Gesundheit aufs Spiel. Sie verletzen sie, wie bei Kyle Hines von Olympiakos und meinem Teamkollegen Mike Bramos. Es darf keine Gewalt geben! Und wenn dazu extreme Maßnahmen nötig sind, dann soll es so sein. Ansonsten zerreißt es unsere Liga. Spieler und Teams sind wichtig, aber die Fans sind der Ring, der alles zusammenhält.

SPORT1: Welche Gründe sprachen dafür von den Roten - nach zwei Jahren Station in Israel - zum grünen Erzrivalen zu wechseln?

Schortsanitis: Für mich ist es wirklich wichtig, mit meiner Familie zusammenzusein. Und wir reden über den europäischen Erfolgsklub Panathinaikos. Der Wechsel fiel mir nicht schwer, Panathinaikos war für mich die beste Wahl.

SPORT1: Es soll auch ein lukrativeres Angebot von Caja Laboral gegeben haben. Wussten Sie zu dem Zeitpunkt bereits, dass Tibor Pleiß nach Vitoria wechselt, und war das ein Grund, nicht dorthin zu gehen?

Schortsanitis: Ja, ich hatte andere Angebote. Aber wie gesagt fiel meine Wahl auf Panathinaikos und war eine ziemlich leichte. Sie hatte wirklich nichts damit zu tun, wer wo spielt.

SPORT1: Fühlen Sie sich als unvollendeter Spieler, weil Sie bislang weder den griechischen Meistertitel noch die Euroleague gewonnen haben?

Schortsanitis: Nein. Beide Titel sind große Ziele von mir. Aber auch ohne sie fühle ich mich nicht unvollendet.

SPORT1: 2006 haben Sie die USA geschockt und die Basketball-Welt verblüfft, als Sie Griechenland zum Halbfinal-Sieg bei der WM geführt haben. Sie waren damals 21, warum hat es nicht zu einer großen NBA-Karriere gereicht?

Schortsanitis: Damals glaubte ich, die NBA ist nichts für mich. Ich weiß, dass vielleicht jedes Kind davon träumt. Aber Basketball ist nicht nur die NBA. Als einige Teams Interesse zeigten, dachte ich, es sei nicht der richtige Zeitpunkt für mich. Ich bin glücklich, wo ich bin.

SPORT1: 2011 verließen Sie aus familiären Gründen vor der EM das Nationalteam. Der damalige Trainer Ilias Zouros war verärgert, da er Ihnen nicht die Erlaubnis gegeben habe. Meinen Sie, dass Sie unter Andrea Trinchieri wieder für Griechenland spielen werden?

Schortsanitis: Ich will es auf jeden Fall. Sobald sie meinen Namen rufen, werde ich da sein. Und ich bin mir sicher, dass jeder versteht, dass die Familie an erster Stelle steht.