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Rudy Fernandez (M.) erzielt in dieser Euro- league-Saison für Real 13,6 Punkte pro Spiel © getty

Madrid steht mit Fast-Maverick Rudy erstmals seit 1996 im Final Four, Fabregas setzt auf Barcas Siegergen. "Aussie Shaq" wackelt.

Von Michael Spandern

München - Etwas wehmütig werden Cristiano Ronaldo und Lionel Messi nach London schauen.

Eigentlich wollten sie dort um den Titel in Europas Königsklasse spielen, doch bekanntlich scheiterten die Fußballstars im Halbfinale: Ronaldo mit Real Madrid an Borussia Dortmund, Messi mit dem FC Barcelona am FC Bayern.

Nun können sie immerhin ihren Klubkollegen im Basketball die Daumen drücken, die an der Themse im Final Four der Turkish Airlines Euroleague (ab 17.55 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1.de) stehen.

Die haben den Vorteil, das bereits mit dem Halbfinale das Ticket nach London gebucht war. Und da sie das Los aufeinanderprallen lässt, zieht sicher ein spanischer Renommierklub ins Endspiel am Sonntag (ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM auf SPORT1.de) ein.

Chrjapa macht Kirilenko vergessen

Den Gegner spielen im ersten Halbfinale die beiden Vorjahresfinalisten aus: ZSKA Moskau fordert dabei Revanche gegen die Griechen von Olympiakos Piräus, die sich 2012 die Trophäe nach einer nervenzerfetzenden Aufholjagd schnappten. (DATENCENTER: Euroleague)

Die nun von Ettore Messina trainierten Moskauer bauen dabei wie gehabt auf die Serben-Achse um den genialen Spielmacher Milos Teodosic und den mit allen Wassern gewaschenen Ex-NBA-Center Nenad Krstic.

Die Rückkehr von Superstar Andrei Kirilenko in die NBA haben die Russen problemlos verkraftet - unter anderem, weil sich Wiktor Chrjapa zum "stärksten Vierer in ganz Europa" gemausert hat, wie Dirk Bauermann den Power Forward bei "Kicker" lobt.

Seit 18 Jahren ohne Euroleague-Titel

Während ZSKA in der North Greenwich Arena sein zehntes Final Four in elf Jahren bestreitet, endet für Real eine 17 Jahre lange Durststrecke: Seit 1996 standen die "Königlichen" nicht mehr unter den letzten Vier, seit 1995 wartet der Rekord-Champion vergeblich auf seinen neunten Titel.

Die Rückkehr an Europas Spitze ist verbunden mit der Verpflichtung von Rudy Fernandez.

Der sprunggewaltige Außenspieler, dessen NBA-Rechte Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks im Juni 2011 erhielten, sie aber bald wieder wegtauschten, unterschrieb im Herbst jenes Jahres einen Rekordvertrag: 2,7 Millionen Euro netto verdient er jährlich, so viel wie keiner zuvor in der spanischen Liga ACB.

Tomic wechselte die Fronten

In seiner ersten vollen Saison für Real - in der vorigen Spielzeit kehrte er nach Ende des Lockouts in die NBA zu den Denver Nuggets zurück - ist er mit 13,6 Punkten pro Partie der Topscorer seines Teams, wurde unter die besten Fünf des Wettbewerbs gewählt und zählt zu den MVP-Kandidaten.

Das aber gilt auch für Barcas effektivsten Spieler, Ante Tomic (durchschnittlich 11,5 Punkte und 6,3 Rebounds pro Spiel). Pikant: Der Center spielte die vorigen drei Jahre für Madrid und gewann währenddessen lediglich einmal den spanischen Königspokal.

Zwar hat er mit Juan Carlos Navarro - wertvollster Spieler der EM 2011 - den gefährlichsten Scharfschützen außerhalb der NBA in seinen Reihen. Dennoch ist Barca aufgrund von Personalsorgen eher Außenseiter.

Fußverletzung bei "Aussie Shaq"

Zum einen fehlt seit März Small Forward Pete Mickeal. Erst vorige Woche entschied er sich, zur Untersuchung und Behandlung einer seltsamen Bluterkrankung in seine Heimat USA zu fliegen. Rückkehr in den professionellen Sport: ungewiss.

Und unter den Körben bangen die Katalanen um Nathan Jawai, der sich einen Sehnenanriss im rechten Fuß zugezogen hat.

Der schwergewichtige "Aussie Shaq", einst auch im Visier der Mavericks, ist gemessen an seiner Einsatzzeit (16 Minuten pro Spiel) einer der produktivsten Euroleague-Spieler.

Fabregas: Ein Klub, eine Philosophie

Der Zeitpunkt für die Wachabläsung durch Real, das auch in der spanischen Liga klar vorne liegt, wäre also günstig.

Barcas Star-Kicker Cesq Fabregar setzt aber aufs Siegergen der Rotblauen: "Der FC Barcelona hat bei allen Sportarten, auf dem Feld und abseits davon, dieselbe Philosophie. Das macht auch die Basketballer auf Dauer erfolgreich."

Allerdings mussten auch die Fußballer erkennen, dass die Philosophie mit Stars steht und fällt: Mit einem im Hinspiel angeschlagenen, im Rückspiel aussetzenden Messi waren sie dem FC Bayern heillos unterlegen.