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Dirk Bauermann ist seit 2003 Trainer der Deutschen Basketball Nationalmannschaft © getty

Im ersten Teil des Interviews mit Sport1.de spricht Dirk Bauermann über die Absagen der NBA-Stars Chris Kaman und Dirk Nowitzki.

Von Rainer Nachtwey

München - Die EM in Polen (7. bis 20. September) steht vor der Tür (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

Doch bevor das Großereignis überhaupt begonnen hat, plagt sich DBB-Coach Dirk Bauermann bereits mit großen Personal-Problemen herum.

Zunächst sagte NBA-Star Dirk Nowitzki die Teilnahme ab - aus Rücksicht auf seinen Arbeitgeber Dallas Mavericks. Nun die nächste Hiobsbotschaft:

Auch Chris Kaman, der bei den Los Angeles Clippers unter Vertrag steht, wird der deutschen Mannschaft nicht zur Verfügung stehen.

Femerling soll für Stabilität sorgen

"Die einzige Chance, den Besitzer der Clippers zu überzeugen, Chris spielen zu lassen, wäre gewesen, wenn Dirk gespielt hätte", sagte Bauermann zu Sport1.de.

Nun müssen andere Akteure für die beiden Leistungsträger in die Bresche springen: In den beiden Testspielen gegen Serbien um NBA-Star Nenad Krstic gelang dies den Youngstern nur ansatzweise.

Während die erste Partie überraschend deutlich mit 74:53 gewonnen wurde, gingen die deutschen Korbjäger in der zweiten Begegnung mit 62:75 baden.

Nun soll der erfahrene Center Patrick Femerling zurückgeholt werden und für mehr Stabilität in der Defensive sorgen: "Es ist durchaus vorstellbar, dass Patrick das Deutschland-Trikot tragen wird", so der Coach.

Im ersten Teil des Interviews mit Sport1.de spricht Dirk Bauermann über die Absagen von Chris Kaman und Dirk Nowitzki. Von der Leistung seines Teams im ersten Test gegen Serbien ist er begeistert.

Sport1.de: Herr Bauermann, wie haben Sie den Schock verdaut, dass Dirk Nowitzki nicht für Deutschland bei der EM spielen wird?

Dirk Bauermann: Wir wollen Dirks Fehlen über noch größere Geschlossenheit, noch bessere Verteidigung, noch mannschaftlicheres Spiel kompensieren. An den Ergebnissen gegen Serbien konnte man insofern auch sehen, dass der Schock zwar groß war, aber wir ihn im Spiel selbst relativ gut verdaut haben.

Sport1.de: Wer kann annähernd die Lücke füllen, die Nowitzki hinterlassen hat?

Bauermann: Natürlich kann man die Lücke nicht wirklich füllen. Aber man muss sich der Aufgabe stellen und versuchen sein Fehlen so weit wie möglich über solche Dinge wie Verteidigung, Einstellung zu kompensieren. Andere Leute müssen nun Verantwortung übernehmen. Mehr geht aber sicher nicht.

Sport1.de: Was ist der Stand bei den Verhandlungen mit Chris Kaman und den Los Angeles Clippers?

Bauermann: Im Grunde ist es aussichtslos. Die einzige Chance, den Besitzer der Clippers zu überzeugen, Chris spielen zu lassen, wäre gewesen, wenn Dirk gespielt hätte. Da das nicht passiert ist, kann man das Thema Chris Kaman getrost zu den Akten legen.

Sport1.de: Patrick Femerling wird das Team beim Training unterstützen und seine Erfahrung einfließen lassern. Kommt er auch als Spieler zurück?

Bauermann: Das ist auf jeden Fall eine Option. Nur um Nachhilfeunterricht zu geben, braucht man einen Rekordnationalspieler auch nicht. Gerade nach dem Fehlen von Dirk haben wir unter dem Korb nur sehr junge Leute und da zählt natürlich die Erfahrung. Insofern ist es durchaus vorstellbar, dass Patrick das Deutschland-Trikot tragen wird.

Sport1.de: Zuletzt gab es einen überraschenden Sieg gegen Serbien um NBA-Spieler Nenad Krstic. Was können Sie aus diesem Ergebnis mitnehmen?

Bauermann: Das war erst der dritte Sieg überhaupt gegen Serbien in der Länderspielgeschichte. Insofern war das schon ein besonderes Datum. Die Jungs haben toll Basketball gespielt. Sie haben auf hohem Niveau verteidigt, was in Europa unbedingt notwendig ist. Aber wir hatten zudem eine hohe Spielkultur. Ich glaube, dass wir sie mit unserer Qualität überrascht haben. Viele Mannschaften werden uns ohne Dirk nicht mehr auf der Rechnung haben.

Sport1.de: Haben die Serben die Deutsche Mannschaft erst im zweiten Spiel ernst genommen?

Bauermann: Im zweiten Spiel war klar, dass sich die Serben deutlich steigern würden. Sie haben dann versucht, über eine noch ruppigere und bissigere Verteidigung unserer jungen Mannschaft den Schneid abzukaufen. Das ist ihnen aber nicht wirklich gelungen. Wir haben toll dagegen gehalten, obwohl ich die erfahrenen Spieler geschont habe, weil mir wichtig war, dass die jungen Spieler durch dieses Fegefeuer gehen und diese Erfahrung machen. Das kann ihnen nur gut tun. Es war toll zu sehen, wie gut sich diese Zwanzigjährigen gegen die starken Serben verkauft haben, von denen ja viele schon Europaliga-Erfahrung haben.

Sport1.de: Waren Sie überrascht, dass es unter dem Korb besonders gut funktioniert hat?

Bauermann: Wie die Jungs gegen einen NBA-Spieler wie Nenad Krstic dagegen gehalten haben, also zum Beispiel Tibor Pleiß und Tim Ohlbrecht, das hat mir sehr gut gefallen.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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