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Patrick Femerling erzielte zwischen 1996 und 2008 fürs DBB-Team 1663 Punkte © getty

Bei Sport1.de spricht Patrick Femerling über sein Comeback, die Hierarchie im deutschen Team und Parallelen zu Matthäus.

Von Michael Spandern

München - Ein spektakuläres Comeback steht an: Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling, nach den Olympischen Spielen 2008 zurückgetreten, will wieder für Deutschland spielen.

Nach der Absage von Dirk Nowitzki und ohne Aussicht auf das Mitwirken des ebenfalls in der NBA tätigen Centers Chris Kaman fehlt dem DBB-Team bei der EM in Polen (7. bis 20. September) nicht nur der Superstar, sondern auch ein bewährter Aufräumer unter den Körben.

Doch noch ist unklar, ob Femerling die Lücke stopft, verrät der 2,13 Meter große Berliner vor dem Supercup in Bamberg im Sport1.de-Interview. Der 34-Jährige erklärt zudem, warum er zu den "Bauermännern" zurückgekehrt ist, und spricht über seine Situation bei ALBA Berlin.

Sport1.de: Herr Femerling, Sie haben WM-Bronze sowie EM-Silber geholt und waren im Vorjahr bei den Olympischen Spielen in Peking. Was versprechen Sie sich nun von einem Comeback?

Femerling: Ein wenig Erfolg und viel Spaß. Der Grund für meinen Rücktritt war ja, dass ich zwölf Jahre keinen Urlaub hatte. Aber ich habe auch gemerkt, dass ich immer gern in der Nationalmannschaft gespielt habe.

Sport1.de: Es heißt, dass nicht Bundestrainer Dirk Bauermann angefragt, sondern dass Sie Ihre Rückkehr angeboten hätten?

Femerling: Ich wurde in einem Zeitungsinterview gefragt, ob ich mir eine Rückkehr vorstellen könnte. Und ich war ja auch immer stolz, unter den Besten meines Landes zu sein und Deutschland international zu repräsentieren.

Sport1.de: Auch Lothar Matthäus hat sich ja nach seinem Rücktritt aus dem Nationalteam oftmals selbst ins Gespräch gebracht. Wird Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling nun zum Matthäus des Basketballs, der nicht loslassen kann?

Femerling: Wir spielen nicht in der Basketball-Nationalmannschaft, um finanziell Profit daraus zu schlagen. Von daher kann man das nicht vergleichen. Aber vielleicht kann ich's ja wirklich nicht lassen. Und wenn ich der Mannschaft helfen kann, dann freue ich mich.

Sport1.de: Und können Sie dem Team tatsächlich weiterhelfen?

Femerling: Ich hoffe es doch, sonst hätte ich den Schritt nicht gemacht.

Sport1.de: Sie hatten in dieser Saison mit vielen Blessuren zu kämpfen, haben in der gesamten Saison 2008/09 nur 61 Minuten gespielt. Wie fit sind Sie?

Femerling: Ich fühle mich relativ fit. Ich hatte nicht besonders viel Spielpraxis in der letzten Zeit, aber ich hoffe, dass ich das mit den anderen elf Jahren, als ich immer sehr viel gespielt habe, kompensieren kann.

Sport1.de: Die Fans des Nationalteams beurteilen Ihr Comeback in den einschlägigen Foren äußerst kritisch. Was antworten Sie?

Femerling: Jeder hat da seine Meinung und kann diese auch gerne vertreten. Da ist jede Diskussion müßig.

Sport1.de: Aber nehmen Sie dem Center-Nachwuchs, sprich Tim Ohlbrecht (20) und Tibor Pleiß (19), nicht wichtige Einsatzzeit weg, um sich auf diesem Niveau zu bewähren?

Femerling: In erster Linie bin ich jetzt erst einmal da, um zu helfen. Alles Weitere entscheidet dann der Trainer.

Sport1.de: Wie haben denn Ohlbrecht und Pleiß auf den zusätzlichen Konkurrenten reagiert?

Femerling: Ich habe mit beiden ein gutes Verhältnis. Das sind gute Jungs mit viel Talent. Da gibt es keine Revierkämpfe. Das ist eine gesunde Konkurrenz. Alle können sich noch weiter verbessern. Auch ich mit meinen 34 werde nicht stagnieren, sondern kann weiter dazulernen. Ich versuche, mir auch was von den Jungs abzuschauen.

Sport1.de: Und wie ist nun die Hierarchie bei den Centern?

Femerling: Der Trainer wird schon wissen, was er tut. Die Ausrichtung ist natürlich, den Jungen die Chance und auch eine Zukunft zu geben.

Sport1.de: Der EM-Kader umfasst nach der Streichung von Johannes Lischka 14 Namen. Heißt das, Ihrer ist momentan nicht dabei?

Femerling: Das ist richtig.

Sport1.de: Aber wer ist dann der Kapitän?

Femerling: Diesen Job teilen sich Sven Schultze und Steffen Hamann.

Sport1.de: Wie sehen Sie - unabhängig von Ihrem Mitwirken - die deutschen Chancen bei der EM? (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Femerling: Man sollte nicht soviel Druck aufbauen und locker an die Sache gehen. Das ist eine ganz junge Mannschaft, der internationale Erfahrung fehlt. Die Jungs müssen sich in jedem Training und jedem Spiel verbessern und einfach frei und euphorisch aufspielen.

Sport1.de: Philipp Zwiener wurde aussortiert. Dirk Bauermann schickte einen unmissverständlichen Gruß an ALBA, dass Zwiener aufgrund seiner geringen Einsatzzeiten in Berlin nicht mehr derselbe wie 2008 sei. Hätte Zwiener mehr spielen müssen?

Femerling: Er ist zweifelsohne ein sehr guter Spieler, der Einsatzzeit braucht, und die hat er bei ALBA nicht bekommen. Ich weiß, dass Phillip und auch Joe Herber immer versuchen, ihre Leistung zu bringen und dem Team zu helfen.

Sport1.de: ALBA-Coach Luka Pavicevic hat auch Sie in den Playoffs nicht eingesetzt, obwohl Sie Ihre Fitness bekundet hatten. Traut er den Deutschen nicht über den Weg?

Femerling: Da muss man Luca fragen. Fakt ist, dass wir nicht gespielt haben.

Sport1.de: Es gab Gerüchte, sie würden nach Bamberg wechseln. Stehen Sie noch in Kontakt zu den Brose Baskets?

Femerling: Ich weiß noch nicht, ob und wohin ich zur kommenden Saison wechseln werde, aber das Gerücht habe ich auch schon gehört.

Sport1.de: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Berlin bleiben?

Femerling: Meine Familie und ich wollten gerne in Berlin bleiben, aber die Voraussetzungen sind natürlich nicht besser geworden, nachdem ALBA Blagota Sekulic geholt hat und der Platz unter dem Korb sehr eng ist. Aber ich werde versuchen, gesund und fit zu sein, und dann wird man sehen, was passiert.

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