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Zählt zu den routinierteren Akteuren im DBB-Team: Steffen Hamann © getty

Bei der EM baut Dirk Bauermann auf ein verjüngtes Team. Dennoch regiert die Zuversicht - auch beim abwesenden Superstar.

Danzig - Unbekümmert, ehrgeizig und frech: Die stark verjüngte deutsche Nationalmannschaft hat die Absage von NBA-Star Dirk Nowitzki offenbar verkraftet und geht mit einer großen Portion jugendlichen Elan in die Europameisterschaft in Polen (7. bis 20. September).

"Ich glaube, es ist sehr viel drin. Wir wollen einige Kritiker überraschen", sagte Demond Greene vor dem insgesamt 36. EM-Turnier. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Der 30 Jahre alte Routinier ist neben dem reaktivierten Rekordnationalspieler Patrick Femerling und Flügelspieler Sven Schultze einer von nur noch drei Verbliebenen der "silbernen Generation", die 2005 in Belgrad Vize-Europameister wurde.

"Die Absage von Nowitzki war ein Schock"

Nach den Absagen von Galionsfigur Nowitzki, dem Dallas-Mavericks-Besitzer Mark Cuban erstmals seit zehn Jahren keine Freigabe für ein großes Turnier erteilte, und NBA-Center Chris Kaman (Los Angeles Clippers) machte Bundestrainer Dirk Bauermann aus der Not eine Tugend und gab der Jugend eine Chance.

Im zwölfköpfigen EM-Kader stehen gleich fünf Spieler, die 21 Jahre oder jünger sind.

"Die Absage von Dirk Nowitzki war natürlich ein Schock. Aber sie birgt auch eine Chance. Der aktuelle Kader hat Qualität und Perspektive. Die EM ist eine echte Herausforderung", meinte Bauermann vor dem Vorrunden-Auftakt am kommenden Montag (ab 19.15 Uhr LIVE und im DSF) in Danzig gegen Frankreich.

Auftritte der Youngster machen Hoffnung

Die weiteren Gruppengegner sind Titelverteidiger Russland (Dienstag/16.30 Uhr) und Lettland (Mittwoch/19.15 Uhr, beide LIVE und im DSF).

Die Auftritte der deutschen Youngster, darunter in Elias Harris, Robin Benzing und Lucca Staiger sogar drei Spieler ohne Bundesliga-Erfahrung, in der EM-Vorbereitung machen leise Hoffnung.

Die erfolgshungrigen Korbjäger machten fehlende Routine und spielerische Defizite durch harte Verteidigung sowie enormen Einsatz wett, so dass in 12 Testspielen immerhin fünf Siege gegen EM-Teilnehmer raussprangen.

Substanzverlust ist enorm

Selbst Nowitzki ist von der neuen Frische des umstrukturierten Nationalteams überzeugt.

"Insgesamt ist die Mannschaft jung aufgestellt, aber dank erfahrener Spieler wie Demond Greene, Steffen Hamann, Sven Schultze oder Jan-Hendrik Jagla stimmt die Mischung. Wenn die Verteidigung steht, wird das Team gut mitspielen", sagte der gebürtige Würzburger, der seit der EM 1999 bei jedem großen Turnier für Deutschland aktiv war, dem Internetanbieter "Spox".

Doch bei aller Leichtigkeit und Zuversicht, die Bauermanns Rasselbande ausstrahlt: Der Substanzverlust im DBB-Team ohne Nowitzki, Kaman, den zurückgetretenen Pascal Roller, Mithat Demirel und Robert Garrett sowie Ademola Okulaja (Absage nach überstandener Krebserkrankung) ist enorm.

"Jeder Sieg ist ein Erfolg"

Daher ist das von Bundestrainer Bauermann ausgegebene Ziel, die am 11. September startende Zwischenrunde in Bromberg zu erreichen, bereits hoch angesetzt.

"Keine Mannschaft der Welt kann den Verlust ihres Superstars kompensieren. Jeder Sieg bei der EM ist ein großer Erfolg für uns", sagte Bauermann und dämpfte die Erwartungen.

Ein fünfter Platz, wie bei der EM in Spanien vor zwei Jahren, wäre eine große Überraschung wie auch die Qualifikation für die WM 2010 in der Türkei.

Um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen, müsste die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in Polen zu den besten Sechs gehören. Der siebte Rang würde reichen, wenn die bereits als Gastgeber gesetzte Türkei am Ende besser platziert wäre.

Erreichen der Zwischenrunde als Ziel

Sollte die direkte Qualifikation nicht gelingen, müssten die deutschen "Riesen" auf eine von vier WM-Wildcards hoffen, die der Weltverband FIBA im Dezember vergibt.

Während für das DBB-Team bei der EM in Polen bereits das Erreichen der Zwischenrunde ein Erfolg wäre, zählen Weltmeister Spanien, Ex-Europameister Griechenland und Titelverteidiger Russland zu den Turnierfavoriten.

Aber auch Frankreich, dem Olympia-Vierten Litauen und Slowenien werden Titelchancen eingeräumt.

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