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Dirk Bauermann ist seit dem 1. Dezember 2003 Trainer des Nationalteams © getty

Im ersten Teil des Interviews mit Sport1.de spricht Dirk Bauermann über die Leistungen seines Teams bei der EM und die Routiniers.

Von Michael Spandern

München - Wider alle Unkenrufe die Zwischenrunde erreicht und Topteams wie Frankreich, Griechenland und Kroatien die Stirn geboten: Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bei der EM in Polen Respekt verdient.

Dirk Bauermann musste zwar auf die NBA-Asse Dirk Nowitzki und Chris Kaman verzichten. Dafür zauberte er eine Handvoll Debütanten aus dem Hut, die auch die Konkurrenz verblüffte. (DATENCENTER: EM in Polen)

Im Sport1.de-Interview der Woche erklärt der Bundestrainer, was das runderneuerte Team ausmacht und warum die EM für ihn eine Genugtuung war. Außerdem schildert er, welchen Beitrag die Routiniers leisteten.

Sport1.de: Herr Bauermann, Deutschland hat sich bei der EM tapfer geschlagen. Was hat für Sie den höchsten Stellenwert?

Dirk Bauermann: Es war toll zu sehen, wie schnell dieses Team mit vier, fünf neuen Spielern zu einer Einheit geworden ist. Nicht nur spielerisch, sondern auch emotional.

Der Zusammenhalt war sehr stark. Die Identifikation der Spieler mit der Mannschaft war so groß wie im Sommer zuvor.

Sport1.de: Welcher Spieler hat Sie am meisten überrascht?

Bauermann: Heiko Schaffartzik hat gezeigt, dass er auf diesem Niveau absolut mithalten kann. Man muss bedenken, dass er zuvor noch nicht einmal ein Europaliga-Spiel gemacht hat.

Das hat man vor allem gegen Griechenland gesehen. Die waren wirklich überrascht, dass wir so einen starken Spieler haben.

Sport1.de: Mit welchen Emotionen haben Sie diese Titelkämpfe erlebt?

Bauermann: Für mich war diese EM eine große Genugtuung. Es hätte auch richtig schlimm ausgehen können, wenn man unsere Unerfahrenheit und die Stärke der anderen Mannschaften bedenkt.

Aber wir waren in allen Spielen voll dabei. Wir haben 37 Minuten lang gegen Frankreich geführt. Und vor allem haben wir gegen Russland gewonnen.

Sport1.de: Und auch gegen Lettland nur knapp verloren.

Bauermann: Das ist richtig. In Deutschland wird immer verkannt, wie stark Lettland im Basketball ist. Alle orientieren sich nur am Fußball, wo Lettland kaum eine Rolle spielt.

Doch Basketball ist dort der Sport Nummer eins. Man macht sich keine Vorstellung davon, wie schwierig es ist, im Basketball gegen solche Mannschaften zu gewinnen.

Sport1.de: Wie lautet nun Ihr Fazit?

Bauermann: Abgesehen vom Ausrutscher gegen Mazedonien bin ich zufrieden. Ich bin stolz auf die Entwicklung und die Leistung der Mannschaft.

Sport1.de: Über die Youngster ist viel gesprochen und geschrieben worden. Was sagen Sie zum Auftritt Ihrer Routiniers und deren Perspektive?

Bauermann: Grundsätzlich muss man erst einmal sagen, dass sie wirklich alles gegeben haben. Sie haben die jungen Leute geführt, ihnen die Richtung gewiesen.

Sie haben den Youngsters Tipps gegeben oder ihnen den Rücken gestärkt, wenn sie einen schlechten Tag hatten. Spielerisch hätte es allerdings ein bisschen besser sein können.

Jan Jagla hatte richtig starke Spiele, aber dann waren auch wieder Partien dabei, in denen es nicht ganz so gut lief.

Sport1.de: Wie sieht es mit den anderen Älteren aus?

Bauermann: Sven Schultze war über das ganze Turnier sehr stabil, sowohl in der Offensive als auch in der Abwehr. Steffen Hamann hat sich im Laufe des Turniers auf jeden Fall gesteigert.

Man hat ihm aber angemerkt, dass seine Verletzungen seinem Rhythmus geschadet haben. Das war nicht der Steffen Hamann, den man vor einem Jahr bei Olympia gesehen hat.

Trotzdem hat er sich zusammengerissen und extrem stark für Heiko Schaffartzik gespielt. Konrad Wysocki war nach der schwierigen Saison in Frankfurt etwas verunsichert.

Das wirkt natürlich immer nach. Bei Demond Greene hat man gemerkt, dass ihn seine derzeitige Situation ohne Vertrag sehr beschäftigt.

Daher hatte er seinen Kopf nicht frei. Insgesamt bin ich aber mit allen zufrieden.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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