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Dirk Bauermann wurde 2007 mit Deutschland EM-Fünfter © getty

Im zweiten Teil des Interviews mit Sport1.de spricht Dirk Bauermann über Dirk Nowitzki und die Chancen auf die WM-Teilnahme.

Von Michael Spandern

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews der Woche spricht Dirk Bauermann über seinen Superstar Dirk Nowitzki und warum die Youngster mit ihm einen Schritt nach vorne machen werden.

Außerdem erläutert er, was er mit den Verantwortlichen der BBL diskutieren wird und wie hoch die Chancen Deutschlands auf eine Wildcard für die WM 2010 sind. (DATENCENTER: EM in Polen)

Sport1.de: Wie schwer wird es, in dieses Team Dirk Nowitzki und eventuell Chris Kaman zu integrieren?

Bauermann: Das wird nicht schwer. Die jungen Spieler wissen, dass wir, um uns für die EM zu qualifizieren oder auch eine erfolgreiche WM zu spielen, Dirk natürlich brauchen.

Die Jungs sind alle unheimlich heiß darauf, mal mit ihm zusammen zu spielen. Er ist ein Teil des Teams. Er sitzt genau wie alle anderen mit seinen Mitspielern zusammen und spielt mit ihnen eine Runde Poker.

Natürlich muss dann einer raus. Das ist nicht schön, aber eben auch nicht zu ändern. Doch bis dahin sind es noch acht Monate. Dann wird man wissen, was mit Dirk und auch mit Chris ist.

Sport1.de: Befürchten Sie, dass die Neulinge wieder einen Schritt zurück machen, wenn Sie sehen, dass Dirk Nowitzki an ihrer Seite spielt?

Bauermann: Nein. Gerade bei den jungen Spielern wird es so sein, dass die Art und Weise, wie Dirk trainiert und arbeitet, bei ihnen einen Entwicklungsschub auslöst.

Das ist keine Generation von Spielern, die sich versteckt oder die Angst hat, Verantwortung zu übernehmen. Die jungen Spieler haben Mut oder - frei nach Oliver Kahn - die haben Eier.

Selbst wenn Dirk da ist, werden sie nicht zu Statisten verkommen.

Sport1.de: Sie haben die Deutschen-Diskussion des DBB mit der BBL in diesem Jahr in einem recht scharfen Ton geführt. Nutzen Sie nun die Gelegenheit, um nachzulegen?

Bauermann: Ich habe lediglich versucht, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Viele meinen ja, dass das unnötig ist, dass man das intern lösen sollte.

Ich bin aber der Meinung, dass das nicht reicht. Das Thema wurde dann in und über die Medien kontrovers diskutiert. Das finde ich nicht schlimm - im Gegenteil, das gehört dazu.

Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, das Thema auf Augenhöhe zu erörtern. Ich werde am 4. Oktober bei der BBL sein und mit allen Verantwortlichen der Liga über das Thema reden.

Sport1.de: Sie sagten "auf Augenhöhe". Kann man daraus schließen, dass die Deutschen ihren Standpunkt verbessert haben, sprich auch in der BBL wieder mehr zu Tage treten werden?

Bauermann: Wenn wir richtig schlecht gespielt hätten, dann wäre das Totschlagargument wieder da gewesen: Ihr könnt mit Eurer jungen Nationalmannschaft sowieso keine Spiele gewinnen.

Warum wollt ihr dann in der BBL spielen? Durch unser gutes Auftreten konnten wir dieses Argument auf jeden Fall entkräften.

Sport1.de: Sie haben bemängelt, dass das Nationalteam außerhalb der Titelkämpfe aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwindet. Passiert das auch diesmal?

Bauermann: Der Wettkampfkalender der FIBA sieht als einziger einer großen Spielsportart vor, dass die Nationalmannschaft außerhalb der Sommermonate keine Wettbewerbe hat.

Die Handballer haben direkt nach Olympia schon wieder eine Weltmeisterschaft gespielt. Bei den Volleyballern ist es ähnlich und die Fußballer haben sowieso ständig Länderspiele.

Bei denen geht die Diskussion in die umgekehrte Richtung. Wir haben dagegen im Sommer einen großen Wettbewerb und sechs Wochen Vorbereitung.

Es gibt Verbände, die das ähnlich sehen und überlegen, ob es ein zusätzliches Wettkampffenster geben soll.

Sport1.de: Wie wahrscheinlich ist es, dass Deutschland eine der vier Wildcards für die WM 2010 erhält?

Bauermann: Das ist schwer einzuschätzen. Dem geht immer ein politischer Entscheidungsprozess voraus. Litauen und Italien sind da auf jeden Fall im Rennen.

Wir als Olympiateilnehmer sicherlich auch, zudem haben wir Nowitzki und Kaman. Dann kommen vielleicht noch ein, zwei unerwartete Mannschaften dazu.

Plötzlich kann es so sein, dass eine der etablierten europäischen Mannschaften in die Röhre schaut. Das Argument "Nowitzki" als einem der größten Stars im Basketball überhaupt kann uns sicherlich sehr helfen.

Aber auch das gute Abschneiden bei dieser EM sowie die Erfolge in der Vergangenheit können uns nutzen. Man muss nicht zu schwarz sehen, doch es ist schon eine heikle Geschichte.

Sport1.de: Muss man sich also in diesem Zusammenhang frühzeitig um Nowitzki kümmern?

Bauermann: Ich glaube nicht, dass das wirklich möglich ist. Er hat gesagt, dass er im nächsten Sommer wieder für Deutschland spielen will. Das ist unser Argument.

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews

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