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Robin Benzing (l.) feierte 2009 sein Debüt in der Nationalmannschaft © imago

Im SPORT1-Interview spricht Nationaltrainer Bauermann über seinen für den NBA-Draft angemeldeten Schützling Robin Benzing.

Von Rainer Nachtwey

München - Detlef Schrempf, Dirk Nowitzki - Robin Benzing?

Der Forward vom BBL-Klub ratiopharm Ulm könnte der nächste deutsche Basketballer sein, der sich in Nordamerika mit den Besten der Besten misst.

Der 21 Jahre alte 2,08-m-Hüne hat sich für den Draft der NBA angemeldet - eine gute Entscheidung, wie Bundestrainer Dirk Bauermann findet.

Im Interview mit SPORT1 ordnet Bauermann den Karriereschritt des Nationalspielers ein, erklärt, was seinem Schützling noch fehlt und spricht auch über andere hoffnungsvolle Talente, denen er den Sprung in die beste Liga der Welt zutraut.

SPORT1: Herr Bauermann, Nationalspieler Robin Benzing hat sich hat sich für den NBA-Draft angemeldet. Haben Sie davor mit ihm darüber gesprochen?

Bauermann: Wir haben kurz mal über das Thema geredet, aber mehr nicht. Das ist eine Geschichte, die zwischen dem Spieler und dem Berater besprochen und auch da entschieden wird. Da geht es ja zunächst nicht um sportliche Dinge.

SPORT1: Wie stehen Sie generell dazu? Kommt es für Sie zu früh?

Bauermann: Na ja. Dazu muss man das zunächst vernünftig einordnen. Robin wird ja erst im nächsten Jahr gedraftet. Und sich jetzt anzumelden, ist ja nichts anderes als das Wasser zu testen. Zu schauen welches Interesse da ist, wie konkret es ist und wo etwa ich landen kann im Draft. Dann kann man immer noch entscheiden, ob man seinen Namen drin lässt oder rauszieht. Insofern ist es zunächst eine clevere, professionelle und übliche Entscheidung.

SPORT1: Woran müsste er noch arbeiten, um den Schritt in die NBA zu machen?

Bauermann: Grundsätzlich glaube ich, dass wir wenigstens drei, vier Spieler mit guten Aussichten haben, in den nächsten zwei, drei Jahren in der NBA oder auf sehr hohem europäischen Niveau zu spielen - wenn sie gesund bleiben und weiter hart an sich arbeiten. Das sind Robin, Elias Harris, Tibor Pleiß und Tim Ohlbrecht. Insofern gehört Robin zu einer Gruppe von talentierten Spielern, allerdings ist sicherlich das Körperliche ein Thema, wobei er athletischer ist, als er wirkt. Er muss sicherlich defensiv stärker werden. In der NBA ist das Spiel Eins gegen Eins von hoher Bedeutung. Offensiv muss er weiter reifen, da hat er das komplette Paket, ein guter Werfer, zieht gut zum Korb und hat eine gute Übersicht. Da gibt es keine Schwachstelle, die einem Sorgen machen müsste. Im Wesentlichen braucht er eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

SPORT1: Mit Ulm spielt er nicht die Playoffs und wird somit auch nicht international spielen. Ist das ein Nachteil?

Bauermann: Ja, sicherlich. Einerseits muss man sagen, dass Ulm für ihn eine gute Entscheidung war, weil er dort seine Freiheiten hat, viel gespielt hat und die Ulmer ihn perspektivisch auf der richtigen Position eingesetzt haben ? nämlich auf der Drei. Insofern war alles sehr positiv. Trotzdem ist es natürlich wichtig für Entwicklung der Spieler wie ihn, zu spielen wenn es um alles geht und das ist eben in den Playoffs. Und dass sie mehr internationale Erfahrung sammeln. Es ist für mich auch als Bundestrainer schade und bereitet mir Sorge, dass er letztes Jahr und auch dieses diese Erfahrungen nicht machen konnte.

SPORT1: Sie haben die anderen drei Spieler erwähnt. Gerade Elias Harris hat im College gute Kritiken erhalten und wird als Erstrunden-Pick gehandelt. Wie sehen Sie seine Chancen?

Bauermann: Die sind sicherlich ähnlich gut wie bei Robin. Elias hat ein sensationell gutes Jahr gespielt. Er muss um auf dem höchsten Niveau Erfolg zu haben von der Vier auf die Drei gehen. Das hat er aber schon in der Nationalmannschaft im letzten Sommer mit Bravour geleistet. Er hat sich ja auch öffentlich entschieden auf der Drei für seine Uni-Mannschaft zu spielen.

SPORT1: Kommen wir auf die WM zu sprechen. Sind gerade diese Spiele für die vier enorm wichtig?

Bauermann: Absolut. Jede WM und auch die Vorbereitung darauf ist enorm wichtig für die Entwicklung dieser Spieler. Im Basketball gibt es fast keine Freundschaftsspiele, da geht es immer voll zur Sache. Wir spielen gegen Puerto Rico, Russland, Kroatien, Türkei. Da weht ein ganz anderer Wind, deshalb ist das für die Spieler eine gute Erfahrung.

SPORT1: Bei der WM kommt noch hinzu, dass man nicht nur allein den europäischen Stil kennenlernt. Hilft das auch weiter?

Bauermann: Ja, sicher. Wichtiger ist aber immer eine eigene Art zu finden und zu definieren. Aus einer Position der Stärke zu spielen, so etwas wie eine mannschaftliche Identität zu haben, zu wissen wie man spielt und was uns auszeichnet. Und das konsequent auf dem Platz zu bringen, unabhängig ob man gegen Angola, Griechenland oder Argentinien. Insofern macht es noch einmal interessanter auf WM-Niveau zu spielen, wo man unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten von Basketball sieht und erlebt. Aber für die eigene Entwicklung ist so etwas wie eine eigene Identität und eigene Stärken und einzusetzen viel wichtiger.

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