vergrößernverkleinern
Dirk Bauermann übernahm im Juni auch den Trainerposten beim Pro-A-Klub FC Bayern © imago

Bundestrainer Dirk Bauermann spricht im über seinen WM-Kader. Er erklärt, warum Nowitzkis Absage keine Depression auslöste.

Von Michael Spandern

München - Zwei Wochen vor der WM in der Türkei (28. August bis 12. September) macht Dirk Bauermann eine klare Vorgabe für das deutsche Team.

"Unser Ziel ist es unter die letzten 16 zu kommen. Nach der Vorrunde nach Hause zu fahren, ist nicht akzeptabel", sagt der Bundestrainer im Interview der Woche von SPORT1.

Vor dem Supercup in Bamberg, bei dem die DBB-Korbjäger auf Kroatien (Fr., 18 Uhr live im TV), Litauen (Sa., 18 Uhr live im TV) und die Türkei (So., 19 Uhr live im TV) treffen (alle Spiele auch im LIVESTREAM), spricht Bauermann über seinen Kader, aus dem noch zwei Spieler zu streichen sind.

Außerdem erklärt er, warum es nach Dirk Nowitzkis Absage keine Depression gab und warum Chris Kaman nicht dabei ist.

SPORT1: Herr Bauermann, die ersten sechs Tests sind absolviert. Kann Ihr Team nach dem neunten Platz bei der EM 2009 den nächsten Schritt gehen?

Dirk Bauermann: Wichtig wäre, die Eindrücke von der EM auf dem nächst höheren Level zu bestätigen. Im Moment sieht es danach aus. Wir haben das Turnier in Holland gewonnen, sind auf Zypern Zweiter geworden. Gegen Griechenland haben wir sicherlich Lehrgeld zahlen müssen, eine durchaus hilfreiche und auch wertvolle Erfahrung. Wir müssen auf Schultze und Femerling verzichten, die im letzten Jahr wichtige Anker waren. (Teil II des Interviews: Hamann ist als Starter gesetzt)

SPORT1: Welche Bedeutung spielt für das DBB-Team die Platzierung?

Bauermann: Wir haben eine extrem junge Mannschaft. Von den zwölf Spielern, die mitfahren, werden mindestens fünf dabei sein, die gerade einmal 20 Jahre alt sind. Deshalb steht die Entwicklung sicher im Vordergrund. Es geht darum, wie wir spielen, die Intensität in der Verteidigung, das Entscheidungsverhalten im Angriff. Wenn wir uns hier weiterentwickeln, ist das eine gute Grundlage für die EM 2011 und die Quali für die Olympischen Spiele. Aber wir müssen uns auch konkrete Ziele setzen. Daran werden wir auch gemessen. Für eine deutsche Nationalmannschaft ist es nicht akzeptabel, nach der Vorrunde nach Hause zu fahren. Unser Ziel ist es unter die letzten 16 zu kommen.

SPORT1: Wie haben Sie dem Team die Absagen von Dirk Nowitzki und Chris Kaman verkauft? Wie groß war die Enttäuschung?

Bauermann: Als wir uns zum ersten Lehrgang in Hamburg getroffen haben, habe ich der Mannschaft schon gesagt, dass ich nicht damit rechne, dass die Beiden kommen. Und dass ich überzeugt bin, dass sie ohne die beiden NBA-All-Stars bei der WM ähnlich viel Freude machen können wie im letzten Jahr. Die Mannschaft besitzt genug Talent, hervorragende Chemie und Trainingseinstellung, um ohne sie eine gute WM zu spielen. Als dann die Absagen kamen, gab es daher keine Depression. Sicherlich war die Enttäuschung bei den jungen Spielern immer noch recht groß: Dirk ist für sie ein Idol und mit ihm bei einer WM zusammenzuspielen, wäre für viele das Größte gewesen. Aber sie wissen auch, dass sie durch die Absagen mehr Spielzeit erhalten und sich dadurch schneller entwickeln können.

SPORT1: Sie hatten sich vorgenommen, Kaman zu vermitteln, dass er seine Entscheidung unabhängig von Nowitzki treffen möge. Hat er das beherzigt?

Bauermann: Ja. Ich habe lange mit ihm telefoniert und er hat gesagt: "Pass auf, dadurch, dass Dirk abgesagt hat, könnte ich Schwierigkeiten mit den Clippers bekommen. Ich werde es mir auf jeden Fall überlegen." Er hat bei den Clippers angeklopft, aber sein Vorstoß wurde wohl ziemlich deutlich abgeschmettert. Er hat mir aber auch zugesichert, dass er nächstes Jahr, wenn Dirk auch dabei ist, alles versuchen wird, dabei zu sein. Das ist in meinen Augen auch viel wichtiger. Er ist auch der Meinung, wenn er jetzt nicht spielt, hat er für nächstes Jahr bei den Clippers bessere Karten. Wenn er einen NBA-Verein hätte, der mit dieser Situation weitaus offener umgeht, kann ich mir gut vorstellen, dass er trotz Dirks Absage gekommen wäre.

SPORT1: Müssen Sie für 2011 bei den Clippers dann überhaupt noch Überzeugungsarbeit leisten?

Bauermann: Die wird mehr auf der Ebene der Funktionäre und nicht der Trainer stattfinden. Für die Olympischen Spiele in Peking hatte sich der damalige Coach Mike Dunleavy auch wegen Chris' Verletzungsgeschichte dagegen ausgesprochen, aber dank Chris' Einsatz und dem seines Agenten haben die Clippers doch zugestimmt. Chris hat sich so gesehen über seinen Trainer hinweggesetzt.

SPORT1: Ihr Kader umfasst noch 14 Spieler. Wann streichen Sie die zwei überzähligen?

Bauermann: Den ersten wahrscheinlich nach dem Supercup und den zweiten nach dem letzten Vorbereitungsspiel gegen Puerto Rico.

SPORT1: Wie viele Spieler müssen noch zittern?

Bauermann: Es wird wohl einen "Kleinen" und einen "Großen" erwischen. Dass einige nicht gefährdet sind, ist klar. Entscheidend wird sein, ob wir uns dazu entscheiden, mit zwei oder drei Aufbauspielern zur EM fahren. Das betrifft dann Per Günther. Es spielt also nicht nur eine Rolle, was die Spieler selbst gezeigt haben, sondern auch die taktische Ausrichtung.

SPORT1: Sie sagten nach dem Turnier auf Zypern, Ihr Team habe sich Härte in der Verteidigung von den Gegnern abschauen können. Fehlt dem Team ein kompromissloser Haudegen - wie es Sven Schultze ist und ein Stephen Arigbabu war?

Bauermann: Unsere Gegner haben sehr hart und mit sehr hoher Intensität verteidigt. Das war Anschauungsunterricht aus erster Hand. Wichtig war, dass die Mannschaft es nicht nur von mir im Training immer wieder zu hören bekommt, sondern dass sie sieht: Die Besten in Europa spielen mit dieser Härte und dieser Intensität. So ein einzelner Spieler, der das diktiert, der das vorlebt, der fehlt uns, keine Frage. Femerling war ja auch einer, der ordentlich zulangen konnte. Aber es geht auch so. Da muss jeder intensiv verteidigen und sich an die Automatismen gewöhnen.

Im zweiten Teil spricht Bauermann über das Duell auf der Aufbauposition, Tibor Pleiß und die Favoriten >>

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel